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Uriah Heep & The Zombies im Konzert (Hamburg, November 2018)

Von wegen alte Säcke!

Werden vom Publikum fast genauso sehr wie die Hauptband gefeiert: The Zombies.

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Uriah Heep leben den Traum. Den Traum, Rockstar zu sein, den wohl jeder irgendwann mal hatte – besonders Musikjournalisten, die diesen Beruf ja nur deshalb ergriffen haben, weil sie es selbst als Musiker zu nichts gebracht haben, hüstel… Es hat schon etwas erfreulich Bodenständiges, wenn eine Band, die über Jahrzehnte hinweg große Erfolge feiern und 40 Millionen Tonträger verkaufen konnte, mit ihrem 25. Studioalbum verdeutlicht, dass dies für sie keineswegs eine Selbstverständlichkeit darstellt und ihr bewusst ist, wie viel Glück (neben einer großen Portion Talent natürlich) sie hatte, dieses Leben auskosten zu dürfen. Und ganz nebenbei ist „Living The Dream“ vor allem ein bärenstarkes Album geworden, das beste seit langem, sodass man doch gerne mal wieder ein Konzert der Rockopas besucht. 

The Zombies

Als Support haben sich die Engländer ihre Landsleute The Zombies ins Boot geholt, eine Truppe, die bereits 1961 gegründet wurde, also sogar noch weit vor Uriah Heep selbst. Man könnte darüber diskutieren, ob es nicht angebrachter gewesen wäre, eine junge Formation mit auf Tour zu nehmen, zumal Heep im Album-Closer ihrer aktuellen Scheibe („Dreams Of Yesteryear“) bei aller Nostalgie nach vorne blicken und zuversichtlich „the young will make it better“ skandieren, doch lässt sich nicht abstreiten, dass die beiden Bands rein musikalisch relativ gut zusammenpassen, so arbeiten beide gerne mit mehrstimmigen Gesangsarrangements.

„Die machen ihrem Namen ja alle Ehre“, spottet einer hinter mir, als die gesetzten Herren die Bühne betreten, und natürlich liegt so ein Seitenhieb nahe, ist beinahe schon zu einfach, doch würde man dem Fünfer Unrecht tun, wenn man ihm nun gleich eine Rolle als untote Statisten in „The Walking Dead“ anböte. Allerdings kennt die Band heutzutage eben kaum noch einer – den Psychedelic-Pop-Hit „Time Of The Season“ dürften viele schon mal gehört haben, doch die wenigsten wissen wohl, von welcher Combo er stammt.

Jenes Stück wird selbstredend ebenfalls aufgeführt, im Rahmen eines Dreierpacks vom Kultalbum „Odessey And Oracle“ (von 1968), das von vielen bekannten Musikern als ihr Lieblingsalbum bezeichnet wird, wie Keyboarder Rod Argent nicht ohne Stolz zu Protokoll gibt, so u.a. von Tom Petty (R.I.P.) und Dave Grohl. Hier steht also nicht irgendjemand auf der Bühne, sondern Leute, die tatsächlich Musikgeschichte geschrieben haben.

Das gilt insbesondere auch für Frontmann Colin Blunstone, der auf mehreren Alben des Alan Parsons Projects als Gastsänger in Erscheinung trat, dementsprechend wird mit „Old And Wise“ auch ein Song dieser Erfolgsformation zum Besten gegeben. Als er den Track 1982 einsang, war Blunstone 37, inzwischen hat er ja tatsächlich ein „weises Alter“ erreicht, insofern passt diese Auswahl relativ gut – mal abgesehen davon, dass es sich um eine wunderschöne, wehmütige Nummer handelt, die in einer tollen Version dargeboten wird, gekrönt von einem großartigen Solo von Gitarrist Tom Toomey (anstatt des Saxophons im Original).

Zu Beginn des Sets jedoch steigen die Zombies bei bestem Sound mit dem Bo Diddley-Cover „Road Runner“ überpünktlich um 19:55 vor einer bereits beträchtlichen Menschenmenge ein, dem mit „I Want You Back Again“ und „I Love You“ zwei Eigenkompositionen folgen, die ebenfalls den Tiefen der Sechziger Jahre entnommen sind. Letztgenannte wurde, so Blunstone, von einer amerikanischen Band namens People gecovert, die damit einen Hit hatte. Hier muss der Sänger einige hohe Töne bewältigen, die er angesichts seiner 73 Jahre respektabel meistert.

Anschließend werden mit „Moving On“ und „Edge Of The Rainbow“ zwei aktuelle Stücke des 2015 erschienenen letzten Albums „Still Got That Hunger“ dargeboten; eine Platte, die, so nun wieder Keyboarder Argent, der sich mit Blunstone die Ansagen teilt, die erste seit 15 Jahren war, die es in die Top 100 der amerikanischen Billboard-Charts schaffte. Doch ob alt oder neu – die Zuschauer sind begeistert, besonders in den vorderen Reihen links feiert eine Fraktion die Truppe nach Herzenslust ab, was den Herren nicht verborgen bleibt; immer wieder werden den Fans freudestrahlend beide Daumen entgegengestreckt.

Zweifelsohne liefert das Quintett auch eine sehr kurzweilige Show ab und bei „Hold Your Head Up“, einem Song von Argents späterem, nach sich selbst benannten Projekt, kommt sogar echtes Siebziger-Jahre-Feeling auf, als sich der Keyboarder und Gitarrist Toomey ein wildes Orgel- und Gitarren-Duell in bester Blackmore/Lord-Manier geben – geil! Danach ist gerade noch Zeit für die Abschlussnummer „She’s Not There“, bevor The Zombies nach rund 65 Minuten unter lautem Jubel und Zugabeforderungen die Bühne verlassen.    

Setlist:

Road Runner (Bo Diddley-Cover)
I Want You Back Again
I Love You
Moving On
Edge Of The Rainbow
Care Of Cell 44
This Will Be Our Year
Time Of The Season
Old And Wise (Alan Parsons Project-Cover)
Tell Her No
Hold Your Head Up
She’s Not There

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