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Triptykon im Konzert (Zeche Carl, April 2010)

„Ich muss erst mal runterkommen!“
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Triptykon spielen live? Nur zwei Shows, die als Warm Up gelten, in Clubs, bevor die Band in die Fänge der Festivalsaison gerät? Und so schwärmten die The-Pit.de-Reporter mit Stift und Kamera aus, um Zeuge einer wahrhaft bösen und mächtigen sowie einer mächtig bösen Show in der Zeche Carl in Essen zu werden.

Das sehr starke und düstere Album „Eparistera Daimones“, schön mit fettem Giger-Cover ausgestattet, welches natürlich nur bei der Vinylversion so richtig stimmungsvoll zur Geltung kommt, im verschmalzten Ohr, stieg die Erwartung einer schnieken Party nach einem flüchtigen Blick auf die Setlist ins Unermessliche, denn auch wahre Klassiker aus der Celtic Frost-Historie sollten in den folgenden 90 Minuten für Gefühlswallungen sorgen.

Wer aber ist denn überhaupt Triptykon? An vorderster Front ist da natürlich Gitarrist und Sänger Thomas Gabriel Fischer zu nennen, der sich nach dem Split mit Celtic Frost nicht auf die faule Haut legte und mit Triptykon seine Version von musikalischen Impressionen in ein Konzept drückte. Weitere Vokalparts werden von V. Santura (Dark Fortress) übernommen, der auch die zweite Gitarre an den Lenden hängen hat und schon unzählige Male bei Liveauftritten mitwirkte. Dazu gesellt sich die bisher unbekannte Vanja Slajh am Tieftöner, mit der Tom schon seid langer Zeit ein Projekt starten wollte. Für den präzisen Rhythmus ist Norman Lonhard (Fear My Thoughts) zuständig. Und was sagt Tom eigentlich über das Projekt, das keines sein soll:

Triptykon soll wie irgend menschlich möglich nach Celtic Frost klingen, und das erarbeitete Material sollte eigentlich auf dem „Monotheist“-Nachfolger erscheinen. Ich wünschte mir eine düsterere, schwerere und experimentellere Ausrichtung.“


Damit schienen ja die Weichen gestellt, und nun hieß es, genau diese Entwicklung auch auf der Bühne umzusetzen. Ebenfalls erwähnenswert: Endlich finden auch wieder Konzerte in der Zeche Carl in Essen statt, denn nicht wenige der Besucher dürften die halbe Jugend in dieser Institution verbracht haben, bis der Betrieb durch die „Kulturhauptstadt Essen“ nicht mehr gefördert wurde. Zwei Jahre wurden so vertan, und der Anschluss ist hoffentlich nicht verpasst.

Nach diesem Vorgeplänkel nun allerdings zum eigentlichen Anlass des Abends: Die Show von und mit Triptykon. Bei schummeriger Beleuchtung mit viel blauem Licht und leichten giftgrünen Akzenten waberte der Nebel, fast kriechend, in dem sich dann die Gestalten positionierten. Eng schmiegte sich der Dunst an, umschlang die Körper der Künstler wie ein eng anliegendes Korsett, nur schemenhaft erahnbar, welche düstere Wut infernogleich sich über die Zuschauer ergießen würde. Gleich der Opener der aktuellen und ersten Scheibe unter neuem Banner kam viel zu laut aus den Boxen, die Gitarren waren so tief gestimmt, dass der Magensaft regelrecht schäumte. Und auch vom ersten Takt an war recht ordentlich Bewegung vor der Bühne, die schmalzigen Locken flogen auf und ab, wippend dem Rhythmus entsprechend und verspritzen den Schweiß einer mächtigen Show. Mächtig deswegen, weil wohl niemand solch intensive Töne erwartete, und kaum einer konnte bestreiten, dass es wohl wenige bis gar keine Bands gibt, die so düster und metallisch, brachial und gleichzeitig verletzlich agieren.

Die Freudentränen flossen gleich literweise in die Augenwinkel, als dann der erste Celtic Frost-Track sich in der Paukenhöhle verfing, um einen Impuls mittels des Hörnervs an die Hirnregion zu senden – diese Region hatte eh vorher schon dafür gesorgt, dass Verstand und Verstehen sich rechtzeitig einen Platz an der Garderobe sicherten. Und natürlich waren „Babylon Fell“ sowie auch „Circle Of The Tyrants“ (ja genau – der Track mit dem unverwechselbar trockenen „Uh“) genau die Songs, die gierig von den Menge aufgesaugt wurden. Die Intensität, das erregte Herumfuchteln mit den Pommesgabeln, die körpergespannten Armbeugen, die geballte Fäuste zu geballter Musik in die Höh schnellen ließen, waren Ausdruck puren Wohlempfindens. Schade nur, dass in den basslichen Untiefen die Leadgitarre ein wenig zu kurz kam. Ganz ohne irgendwelche Ansagen wurde bis „Abyss Within My Soul“ durchgezockt, und der brachial-doomige Sound wurde durch eine effektvolle Lightshow malerisch unterstrichen. Auch die Nebelschwaden, die immer wieder aufgefrischt die Szenerie durchzogen, wirkten wohldosiert, die häufig eingesetzten grünen Unterstrahler kontrastierten den apokalyptischen Gesamteindruck. Pausen gab es nur, wenn der Bühnentechniker im Duzend neugestimmte Gitarren an die Herren Musiker überreichen durfte. Doch halt, eine dieser Pausen, genau genommen vor „Dethroned Emperor“, nutzte Tom dafür, um ein cool lässiges „Danke Schön“ herauszuräuspern, welches mit fröhlich gestimmtem Gejohle durch die Fans begleitet wurde.

Weiter ging eine tiefgehende Schlacht mit Endzeitstimmung, böse, fies und herrlich roh knechteten die Tracks ein ums andere Mal den wohlig gepeinigten Körper, die dort in zappelnder Erwartung vor der Bühne auch „The Usurper“ komplett textlich beherrschten. Und wie so minimalistisch spektakulär die Show begann, so endete der Tonrausch in einem Gebräu aus Verderbtheit und atemloser Sinneserweiterung, die Protagonisten verschwanden unter erheblicher Geräuschkulisse den Ort der weltlichen Erschütterung und ließen ein sprachloses Langhaarvolk zurück. Unholy Metal Mayhem’s Vasili fasste das Ganze in kurze, prägnante Worte: „Ich muss erst mal runterkommen!“ Das ging wohl allen so. Chapeau.

Setlist:

Crucifixus
Goetia
Babylon Fell
Circle Of The Tyrants
Abyss Within My Soul
Procreation (Of The Wicked)
Dethroned Emperor
Descendant
Necromantical Screams
The Usurper
Triptych: Synagoga Satanae
The Prolonging
Triptych: Winter: Reqiem/ Chapter Three: Finale

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