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Tremonti und Like A Storm im Konzert (Amsterdam, Juni 2015)

Didgeridoo, Romanze - und Musik gibt es natürlich auch noch

Stand meist im Fokus - Mark Tremonti bei einem seiner Soli

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Tremonti

Angst, dass die Fans wieder einschlafen können, haben die Jungs von Tremonti allem Anschein nach nicht. Der Headliner des Abends lässt sich stattdessen gehörig Zeit, während auf der Bühne erst einmal über eine halbe Stunde herumgewerkelt wird.

Das Warten lohnt sich allerdings, ist das Quartett doch von den ersten Klängen des Openers „Leave It Alone“ an voll da und weiß nicht nur mit starker Bühnenpräsenz, sondern auch mit einem perfekt austarierten Sound zu überzeugen. Und auch vor der Bühne hat sich das Bild gewandelt. Wo zuvor noch deutliche Lücken zwischen einzelnen Fans zu erkennen waren, stehen die Metalheads jetzt dicht an dicht und feiern den Headliner mit einer Euphorie ab, die sich deren Vorgänger erst einmal sehr hart erarbeiten mussten.

Unverdient ist der Empfang durch das Publikum allerdings keineswegs, denn wie Tremonti im weiteren Verlauf des Abends eindrucksvoll unter Beweis stellen, sind sie die Jubelstürme durchaus wert. Der Opener fällt noch einigermaßen soft aus, lebt er doch vor allem von seinem starken Refrain, die folgenden Songs ballern dann aber schon eine Spur härter aus den Boxen. All denen, die lediglich der Vergangenheit des Sängers und Leadgitarristen wegen gekommen sind, wird spätestens jetzt klar, dass es bei Tremonti trotz oft melodischer Refrains doch noch einmal eine Spur härter als bei Creed oder Alter Bridge zugeht. Vor allem Drummer Garrett Whitlock darf sich nach Herzenslust austoben und bekommt gerade bei den neueren Songs ausgiebig Gelegenheit, das Publikum mit fetzenden Doublebass-Parts zum Moschen und Pogen zu bewegen. Die Worte „unwillig“ oder „zurückhaltend“, die die Menge vor der Bühne noch vor einer knappen Dreiviertelstunde so gut beschrieben haben, passen dabei so gar nicht mehr zu der mehr oder weniger konstant pogenden und headbangenden Meute, die die Musik den ganzen Abend durch abfeiert und vom zweiten Song an so gut wie gar nicht mehr zur Ruhe kommt.

Mister Tremonti versteht es dabei perfekt, das Publikum zu animieren. Von einem fetten Dankeschön an die Fans zu Beginn abgesehen – anscheinend sind die Niederlande das Land in dem sich das neue Album bis jetzt am besten verkauft hat – gibt es kaum Geschwafel, sondern nur klare Aufforderungen der Marke „make some noise“, „sing for me“ oder „I want to see you jump“. Nicht, dass das Publikum derartige Aufforderungen nötig hätte, der Stimmung tun sie aber definitiv keinen Abbruch und tragen so dazu bei, dass den hingebungsvollen Fans bis zur Powerballade „The Things I’ve Seen" kaum eine Verschnaufpause bleibt.

Immerhin stehen die vier Musiker auf der Bühne, bei denen Tanner Keegan den eigentlichen Bassisten Wolfang van Halen mehr als souverän ersetzt, ihren Fans an Einsatz in nichts nachstehen und geben konstant alles, was sie zu geben haben. So powern sich Fans und Band gemeinsam durch die Setliste, bis der Abend zumindest vorläufig mit der neuen Single „Another Heart“ abgeschlossen wird. Hier zeigen Tremonti noch einmal ihre ganze Klasse - hartes Riffing, melodische Parts, ein lupenreiner Mitsingrefrain und ein verdammt starkes Gitarrensolo markieren den stärksten Song des Abends, wenn auch nur mit minimalem Abstand vor vielen der anderen, ebenfalls sehr gelungenen Nummern.

Vorbei ist der Abend aber natürlich noch nicht, die obligatorische Zugabe fehlt schließlich noch. Dass sich heute allerdings irgendetwas von der gewohnten Routine unterscheidet, merkt man, sobald Mark Tremonti anfängt von einem besonderen Abend zu sprechen, nur um die Bühne anschließend einem mysteriösen Typen zu überlassen. Dieser hat sichtlich Probleme, die wirklich passenden Worte zu finden, aufgrund der gerührt lächelnden Dame im Hintergrund wird aber dennoch schnell klar dass es sich hier wohl um einen Heiratsantrag handelt. Um es kurz zu machen, die Antwort heißt ja und auch der frenetische Jubel des gesamten Saales ist dem Pärchen sicher.

Nur passend ist es da, dass Tremonti die Show daraufhin mit dem Titel „Wish You Well“ abschließen. Untermalt wird der Song durch einen Circle Pit, der sich auf Anordnung des Fronters hin beinahe durch die gesamte Halle zieht und dem Abend die Krone aufsetzt. Ein bisschen mehr als nur ein einzelner Song als Zugabe hätte es zwar schon sein dürfen, am Ende steht aber dennoch eine begeisternde Show bei der das Quartett alle Highlights des bisher zugegebenermaßen immer noch dünnen Bandkatalogs abarbeitet und seine Fans schweißgebadet und komplett ausgepumpt nach Hause schickt. Sollten die vier neben ihren gerade frisch unter Beweis gestellten Songwriting-Qualitäten auch dieses Liveniveau aufrechterhalten können, dürften sich die Popularitätswerte schon bald den bis dato noch bekannteren Mark Tremonti-Bands annähern. Verdient wäre das nach dem neuen Album und dieser mitreißenden Show allemal.

Setlist:

Leave It Alone
All That I Got
You Waste Your Time
Cauterize
All I Was
So You’re Afraid
Flying Monkeys
The Things I’ve Seen
Brains
Giving Up
Radical Change
Decay
Another Heart
-----------------
Wish You Well

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Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging