Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Transatlantic im Konzert (Hamburg, Mai 2010)

Dreieinhalb Stunden Spielfreude pur - ein unvergesslicher Abend

Roine Stolt übernahm eine Menge Lead-Vocals

Zum Thema

Nach gut sieben Jahren Pause hat die Progressive-Rock-Supergroup Transatlantic mit „The Whirlwind“ ihr inzwischen drittes Album veröffentlicht. Die Erwartungen waren nach so langer Zeit natürlich immens hoch, konnten jedoch vollends erfüllt werden – „The Whirlwind“ sprüht geradezu vor Kreativität und man kann nur froh sein, dass Neal Morse wieder zurück ist, nachdem er 2002 aus religiösen Gründen seinen Ausstieg sowohl bei Transatlantic als auch bei Spock’s Beard bekanntgab.

Wenn auch nicht so stark wie bei Neals bisherigen Soloalben, so transportiert „The Whirlwind“ dementsprechend wie nicht anders zu erwarten war auch religiöse Botschaften und obwohl ich ein sehr religionskritischer Mensch bin und Frömmelei hasse wie die Pest, ist mir das in diesem Fall so was von scheißegal, da es sich einfach nur um ein tolles Album handelt und man nur glücklich sein kann, dass dieser unfassbar kreative Mann wieder in dieser Band am Start ist.

Dass auch Neal selbst sich äußerst wohl zu fühlen scheint, wieder Teil von Transatlantic zu sein, zeigt sich am heutigen Abend in der Hamburger Markthalle überdeutlich. Spielfreudig ist er, lächelt, schneidet Grimassen und ist ganz eindeutig allerbester Laune, was allerdings für sämtliche Bandmitglieder gilt.

Doch der Reihe nach: Zunächst muss wieder einmal die Frage gestattet sein, wieso man ein Konzert mitten in der Woche schon wieder erst um 21 Uhr beginnen lässt. Wann hört dieser Unfug endlich auf? Zwar gibt es heute keine Vorband zu hören, doch da die Jungs angekündigt haben, dreieinhalb Stunden zu spielen, wird man definitiv erst gegen halb eins durch sein und viele dürften es schwer haben, noch die letzte Bahn zu erwischen, sofern sie nicht mit dem Auto unterwegs sind. Nun gut, man kann nur hoffen, dass sowohl Bands als auch Veranstalter irgendwann ein Einsehen haben und Konzerte zumindest unter der Woche nicht später als um 20 Uhr beginnen lassen, und muss es hinnehmen, wie es ist. Ob dies der Grund ist, dass die Markthalle heute nicht ausverkauft ist, darf bezweifelt werden; jedenfalls gibt es noch Tickets an der Abendkasse zu kaufen, diese kosten zwar stolze 35 Euro, aber bei dreieinhalb Stunden kriegt man ja nun wirklich was für sein Geld geboten. Und da die Musiker allesamt große Könner sind, ist eigentlich von vornherein klar, dass es nur geil werden kann.

Drinnen im Saal klaffen also auch kurz vor Beginn noch einige Lücken, was zumindest für Spätankömmlinge ein Vorteil ist, die so leichter nach vorne kommen können. Da ich mich rechts von der Bühne positioniert hab, frage ich mich zunächst mal, wo eigentlich das Schlagzeug steht. Schnell wird klar: Ganz untypisch hat man es am rechten Bühnenrand aufgebaut, während hinten, wo das Drum-Set sonst steht, eine Akustikgitarre, ein Keyboard und mehrere Rhythmusinstrumente platziert wurden. Dies wird an diesem Abend der Arbeitsplatz von Daniel Gildenlöw sein, der ja wie bereits auf der letzten Tour der Supergroup vor ein paar Jahren als Gastmusiker aushilft. Auf der linken Seite der Bühne stehen zwei Keyboards: Hier ist das Reich von Frontmann Neal Morse.

Fast pünktlich um kurz nach neun betreten die fünf Musiker die Bühne und werden gleich frenetisch bejubelt. Da soll noch mal jemand sagen, Progger könnten keine Stimmung machen; obwohl der Schuppen wie gesagt nicht ausverkauft ist, sind die Leute wirklich gut dabei: Man kann überall in gleichsam glückliche wie in der Musik schwelgende Gesichter blicken, genauso wie bewundernde Blicke für die technischen Fähigkeiten der Protagonisten auszumachen sind. Man ist geradezu glückselig, dass die Band sich nach so langer Zeit mal wieder blicken lässt, und ein oder zwei besonders eingefleischte Fans sind zu erkennen, die offenbar jeden Drumbeat und jedes Fill von Mike Portnoy auswendig kennen und kräftig Air-Drums spielen. Schon ganz cool, dass das Schlagzeug diesmal rechts steht und nicht hinten, da kann man dem Dream Theater-Felleverdrescher mal richtig auf die Finger gucken.

Daniel Gildenlöw hingegen hält sich merklich zurück und bleibt die ganze Zeit im Hintergrund; ganz der Aushilfsmusiker spielt er kein einziges Gitarrensolo, die spielt Roine Stolt, der wie ich finde, mit seiner Brille Geddy Lee erstaunlich ähnlich sieht, alle selbst. Dass Gildenlöw mit einem sagenhaften Talent gesegnet ist, weiß wohl jeder, doch ist er eben auch sehr bescheiden und muss sich nicht in den Vordergrund drängen. In jedem Fall liefert er genau wie seine Mitstreiter – was anderes war aber auch nicht zu erwarten - eine hervorragende Leistung ab. Das Tolle an der Band ist ja nicht nur das großartige Können an den Instrumenten, sondern dass jedes Mitglied auch sehr gut singen kann. Roine Stolt übernimmt viele Lead-Vocals, Neal Morse natürlich sowieso (er benutzt, um Bewegungsfreiraum zu haben, ein Headset, was bei Berührung ein oder zwei Mal allerdings böse rückkoppelt; ich finde die Dinger aber eh nicht gut, weil es einfach kacke aussieht und beim Singen limitiert), Mike Portnoy und Pete Trewavas singen bei Dream Theater beziehungsweise Marillion auch Backing Vocals – und über Daniel Gildenlöw braucht man wohl eh keine Worte zu verlieren. Für mich zusammen mit Mikael Åkerfeldt (Opeth) und Russell Allen (Symphony X) derzeitig der beste Metalsänger überhaupt.

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Fantastischer Abend, der viel zu schnell zu Ende ging

Trotz eher kurzem Set des Headliners ein schöner Konzertabend