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Tomahawk Festival

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Bereits im Vorfeld des Tomahawk Festivals hatten einige Ereignisse für Aufsehen gesorgt. Der Auftritt der norwegischen Black Metal-Band Taake, die eigentlich als Headliner angekündigt war, wurde kurzfristig gecancelt. Im Rahmen der aktuellen Tour mit Koldbrann und Urgehal hatte sich Sänger Hoest im Essener Turock mit einem großen aufgemalten Hakenkreuz auf der Brust gezeigt und Zuschauer offenbar total zugedröhnt wahllos mit Glasflaschen beworfen und bespuckt. Die Veranstalter zogen Konsequenzen und nicht nur das Bandaufgebot des Tomahawk Festivals war kurzfristig um eine Kapelle ärmer; auch die Veranstalter des Party San Open Airs und des Ragnarök Festivals cancelten den Gig.

 

Als Ersatz wurden beim Tomahawk-Festival gleich zwei weitere Bands engagiert: Zum einen durften Naildown, die sowieso gerade mit Ensiferum tourten, einen Auftritt hinlegen und zum anderen wurden Darkened Nocturn Slaughtercult als richtiger Black-Metal-Ersatz verpflichtet. Einen anerkannten Headliner-Ersatz stellte zum Ärger einiger Fans keine der beiden Bands so richtig dar und die damit einhergehende Kürzung einiger Sets anderer Bands wurde ebenfalls teils verärgert hingenommen. Dazu kam, dass auch der Auftritt von Urgehal aus organisatorischen Gründen nicht stattfinden konnte. Während des Festivals war vom im Vorfeld geäußerten Missfallen allerdings nichts zu bemerken. Ganz im Gegenteil: Knapp zwei Stunden nach Beginn galt das Tomahwak Festival als ausverkauft.

 

Um 14:30 Uhr eröffneten Thyrgrim als Opener im Osnabrücker N8 das Festival. Paganistisch angehauchter Black Metal wurde geboten, auch wenn noch nicht allzu viele Leute vor der Bühne standen. Ruhig verfolgte man das Geschehen, fliegende Mähnen suchte man vergebens. Dabei lieferten die ordentlich bemalten Musiker auf der Bühne keine schlechte Show ab.

 

Wenig später standen Darkened Nocturn Slaughtercult mit Exotenbonus auf den Brettern. Dieser äußerte sich vor allem mit der Frontshouterin, die auch in Osnabrück ordentlich Gas gab Gleich zu Beginn verpasste man sich selbst, der Bühne und der ersten Zuschauerreihe eine Dusche aus Kunstblut. Auch umgedrehte Kreuze und Pentagramme gehörten zum Standardsortiment der Band. Nebenbei spielte man – wie könnte es auch anders sein – Black Metal. Jedoch relativ rockig, mit einigen Mid-Tempo-Passagen und überraschend gutem Sound zur frühen Stunde. Die etwas angewachsene Menge an Zuschauern vor der Bühne war bereits durch Thyrgrim aufgewärmt und demonstrierte dies der deutschen Formation auch lautstark. Wie schon nach den ersten beiden Bands deutlich, wurde gerade der Einstieg des Festivals sehr auf diese Sparte ausgerichtet. Die folgende Band stellte jedoch eine Ausnahme dar.

 

Um ca. 16:40 Uhr standen Korpiklaani dann auf der Bühne, um im Kontrastprogramm zur langweiligen Umbaupause mit fröhlichem Humppa-Metal zu demonstrieren, wer die Meister der Livekonzerte sind. Kaum eine andere Band versteht es so gut, das Publikum dermaßen in Partylaune und wildes Gepoge zu versetzen wie die sechs Finnen. Dass diese Band eindeutig eher für die Bühne geeignet ist als für Studioaufnahmen, wird jeder einsehen, der einmal innerhalb von 30 Sekunden von seinem Platz unmittelbar vor der Bühne an ein ganz anderes Ende des Raumes gedrängt wurde. Das Erfolgsrezept der Band sind die Gute-Laune-Songs, die erfrischenderweise nicht, wie so oft in diesem und vergleichbaren Musikgenres, von epischen Schlachten, Ruhm und Ehre handeln, sondern einfach lockerer und unbesorgter daherkommen. Auch bei diesem Auftritt gab es davon mal wieder ausreichend viele zu hören.

 

Unter alten „Klassikern“ wie „Hunting Song“, „Wooden Pints“ oder „Journey Man“, mit welchem der Auftritt eröffnet wurde, bekam das Publikum auch einige Songs vom aktuellen Album „Tales Along This Road“ zu hören. Begeistert aufgenommen wurden dabei sowohl schnelle Songs wie „Vakirauta“, als auch das eher ruhige „Korpiklaani“. Natürlich durfte auch „Beer Beer“, der Korpiklaani-Song schlechthin, nicht fehlen. Wie immer kam Sänger Jonne bei diesem Lied mit einigen Bierflaschen auf die Bühne, um sie dann im Publikum zu verteilen. Außerdem ließ er sich durch die angeregte Stimmung sogar spontan dazu veranlassen, sich von der Menge einmal durch den ganzen Raum tragen zu lassen. Mit der bunt gemischten Setlist haben die Finnen das Publikum mit mehr als genug Mitsinghymnen und Party-Songs versorgt, was dann insgesamt aber schon in fast zu heftiges Gedrängel und Geschubse in der Menge ausgeartet ist. Auch die Absperrung zum Graben hielt dem Druck der Menschen nicht lange stand und wurde bis an die Bühne gedrückt.

 

Nichtsdestotrotz legten Korpiklaani hiermit mal wieder einen energiegeladenen Auftritt hin, der ganz offensichtlich auch der Band selbst eine Menge Spaß bereitete und das ist ein wichtiges Kriterium für ein gelungenes Konzert.

 

Weitaus angenehmer ließ sich danach der Auftritt von Koldbrann, der dritten von drei Black Metal-Bands an diesem Tage, verfolgen. Die Anzahl der Leute vor der Bühne reduzierte sich glücklicherweise auf ein Drittel der noch bei Korpiklaani Anwesenden und auch das Durchschnittsalter machte einen deutlichen Sprung nach oben. Koldbrann begannen – wie sich das für eine ordentliche Black Metal-Band gehört – überraschend nach sehr kurzer Umbaupause und ohne Soundcheck. Dies aber nicht zu Lasten des Klangs, denn der war für Festivalverhältnisse wirklich gut. Während die Band demonstrierte, dass ein Auftritt auch ohne übertriebene Ladungen an Corpsepaint, umgedrehte Kreuze und Kunstblut stilvoll sein kann, verhielten sich die ersten Publikumsreihen vorerst relativ ruhig. Gespielt wurden Songs vom aktuellen Album „Moribund“, aber auch das Debut „Nekrotisk Inkvisition“ wurde berücksichtigt. Die Band, die noch am Vortag einen Auftritt im Rahmen des Ragnaröck Festivals gegeben hatte, wirkte anfangs etwas steif, doch gerade Ausnahmeshouter Mannevond überzeugte dennoch auf ganzer Linie.

 

Für die meisten blieb so die Zeit, einen sehr gelungenen Auftritt der Norweger zu verfolgen, ohne durch Pogo-Attacken belästigt zu werden.

 

So blieb es auch bei Naildown. Naildown bezeichnen ihre Musik selbst als „Modern Hybrid Metal“. In der Praxis weist die Musik allerdings viele Ähnlichkeiten zu Children of Bodom auf. Leider war live nicht viel davon zu hören, denn die Soundqualität, die sich bisher immer im positiven Bereich befand, war plötzlich alles andere als gut. Der Gesang war so gut wie gar nicht zu hören und das erste Keyboard des Tages glänzte ebenfalls durch akustische Abstinenz. Beim Betrachten von Frontmann Daniel Freyberg fielen noch einige weitere Parallelen zu obengenannter Band auf: Nicht nur die Musik von Naildown klingt ähnlich wie die von Children of Bodom, sondern das ganze Auftreten – zumindest das von Freyer – war verdächtig ähnlich. Es schien fast, als imitiere der Sänger und Gitarrist einen gewissen Herrn Laiho. Seine Bewegungen, sein Stil und sein allgemeines Verhalten ließen Zweifel in Sachen Eigenständigkeit der Band aufkommen. Das schienen auch die Zuschauer so zu sehen, denn inzwischen war die Menge vor der Bühne noch kleiner geworden. Und die, die noch da waren, schienen nicht sonderlich motiviert, sich zu bewegen.

 

Kein Wunder: Denn trotz einiger guter Kritiken sind Naildown in Deutschland noch nicht sonderlich bekannt. Dass die Band noch nicht so viel Erfahrung hat, war auch deutlich am Auftritt zu bemerken. Die Professionalität fehlte einfach und rechtfertigte diese Stellung im LineUp nicht. Aber da Naildown gerade mit Ensiferum touren, erscheint die Platzierung logisch. Denn Ensiferum war die nächste Band, die das Publikum wieder zurückgewinnen sollte.

 

Sicherlich stellten Ensiferum für viele Fans bereits das Highlight des Abends dar. Die übermäßig lange Umbaupause zwischen den Bands verstärkte die Vorfreude auf das Konzert für viele noch weiter. Als dann die ersten Töne des überaus epischen Intros „Ad Victoriam“ vom neusten Album „Victory Songs“ zu hören waren und die Finnen dann endlich auf der Bühne standen, brach wilder Applaus aus. Nach dem Intro begannen Ensiferum dann schon mit dem sehr aggressiven und harten Song „Blood Is The Price Of Glory“, welcher auf der neuen CD ebenfalls direkt dem Intro folgt. Der Sound war zwar um einiges besser als noch beim Vorgänger, aber der cleane Gesang war dennoch sehr leise. Insgesamt spielte die Band relativ viele neue Songs, was bei einigen Konzertbesuchern wohl auf Missfallen stieß, denn offiziell ist „Victory Songs“ noch nicht veröffentlicht und wie man weiß machen Konzerte mit bekannten Songs mehr Spaß. Nachdem dann einige der neuen Stücke wie z.B. „Ahti“, „Victory Song“ oder „One More Magic Potion“ gespielt wurden, gab es natürlich auch viele altbekannte Lieder zu hören. Besonders das beliebte „Lai Lai Hei“ stieß auf Begeisterung und es war schon verwunderlich, wie viele Leute sogar den finnischen Part des Songs mitsingen konnten.

 

Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts war „Token Of Time“, was durch seine mitreißende Melodie beim Publikum wilde Reaktionen hervorrief. Mit „Iron“ wählte die Band schließlich ein passendes Stück als Abschluss ihres Auftritts.

 

Insgesamt war die Stimmung bei Ensiferum noch wilder als bei Korpiklaani und die Zuschauer in der esten Reihe mussten bei all dem Druck von hinten vor allem hoffen, nicht samt Absperrung vorne auf die Bühne zu knallen.

 

Das war leider durch die defekte Absperrung vor der Bühne zu befürchten, die jeden Moment zu kippen oder zu brechen drohte. Zudem waren die ohnehin nur sehr fahrlässig aufgestellten Brecher in der Mitte nicht verbunden, sodass die nötige Stabilität nicht gegeben war. Leider machten sich die Securities vor der Bühne nicht besonders viel daraus, sondern waren eher mit Bier trinken und Rauchen beschäftigt, wobei sie die Absperrung nur notdürftig befestigten. Ein so unprofessionelles Verhalten ist bei einer Veranstaltung dieser Größe einfach nicht den Umständen entsprechend und mehr als fahrlässig. Wäre die Absperrung gekippt wäre es zwangsläufig zu Verletzungen gekommen.

 

Doch dafür konnten Ensiferum natürlich nichts und deshalb ist der Auftritt im Nachhinein als sehr gelungen zu bezeichnen.

 

Inzwischen war der Zeitplan aufgrund teils langen Umbaupausen nicht mehr einzuhalten. So begann auch der Auftritt von Epica leicht verspätet. Als die ersten Klänge aus den Boxen strömten, war die Stimmung zwar gut, aber nicht mit Ensiferum oder Korpiklaani zu vergleichen. Aber das lag natürlich vor allem an der Art von Musik, die die erst 2003 gegründete niederländische Band zum Besten gab. Die Stimme von Frontfrau Simone Simons – lauter als alles, was man bisher im Rahmen des Festivals gehört hatte – bewies, dass zumindest im Vergleich zum Debut-Album „The Phantom Agony“ eine deutliche stimmliche Weiterentwicklung stattgefunden hat. Mit „Cry for the Moon“ wurde ein Song dieses Albums auch gleich am Anfang von den Fans gefeiert.

 

Im Laufe des Auftritts wurde jedoch ein Zahn zu gelegt, was die Härte anging. So kam Mark Jansen, der für die Grunts zuständig ist, immer öfters zum Einsatz. Teilweise verließ Sängerin Simone sogar ganz die Bühne. Die eigentlich softeste Band des Abends wurde somit härter als gedacht. Das resultierte jedoch nicht nur aus der tiefen Grunzstimme, die nun zum Einsatz kam, sondern auch aus der Musik, die teilweise zum reinen Death Metal überging und übelst durchgeknüppelt wurde. Die Stroboeffekte taten ihr Übriges dazu. Passend dazu gab es unter anderem neben neuen Songs vom kommenden Album ebenfalls eine Death-Coverversion von „Crystal Mountain“ zu hören.

 

Weiter ging es mit den Apokalyptischen Reitern. Die Besucher, die von Anfang an vor Ort waren, hielten sich nun schon ca. neun bis zehn Stunden auf den Beinen. Das merkte wohl auch Sänger Fuchs, denn auch ihm blieb nicht verborgen, dass die Luft inzwischen bei vielen Anwesenden einfach raus war. Zumindest bei denen, die nicht in den ersten paar Reihen versuchten, die Zustände von Ensiferum und Korpiklaani wieder herzustellen. Die Versuche, das Publikum zu mehr Bewegung aufzufordern, glückten nur zum Teil. Die Band selbst ließ sich davon jedoch nicht abhalten, eine sehr professionelle Show hinzulegen.

 

Das Set bestand überwiegend aus neuen Songs. Der Opener „Friede sei mit dir“ von „Riders on the Storm“ war auch der Opener des Auftritts der Apokalyptischen Reiter beim Tomahawk Festival. Weiter ging es unter anderem mit dem titelgebenden Song der eben genannten aktuellen CD, „Wenn ich träume“ und „Soldaten dieser Erde“. Bei „Revolution“ schwang Sänger Fuchs eine große Flagge über die gesamte Breitseite der Bühne; eine rein visuell sehr beeindruckende Geste. Ein paar wenige ältere Songs wurden ebenfalls berücksichtigt: Songs wie „Reitermania“ oder „Erhelle meine Seele“ lockten dann doch noch viele Leute aus der Reserve.

 

Nach weiteren Songs, Drumeinlagen, dem üblichen Peitschen-Spiel mit Keyboarder Dr. Pest und einem Crowd-Surfer-Wettrennen mit weitgehend unbekanntem Ausgang beendete man den Auftritt schließlich mit „Seemann“. Die lautstark geforderte Zugabe wurde nicht gegeben und in der folgenden letzten Umbaupause sah man nicht wenige Leute, die sich auf den Weg zum Parkplatz machten und Pain Pain sein ließen.

 

Und dementsprechend war auch durchaus zu bemerken, dass bei Pain vor der Bühne um einiges weniger los war. Gleichzeitig befand dich die Stimmung logischerweise auch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Dennoch opferten einige Fans ihre letzte Energie weiterhin fürs Headbangen und taten ihr bestes, den Auftritt in vollen Zügen zu genießen. Das galt nicht für alle und so hatten Pain vom starken Opener („Greed“) an ein hartes Los gezogen. Neben den altbekannten Tracks gab es mit „Zombie Slam“ sogar neues Material zu hören. Auch die Zugabe enthielt mit „Walking on Glass“ einen neuen Song, der den Fans schon mal einen Eindruck des kommenden Albums geben sollte.

 

Alles in allem zwar ein schönes Festival, doch gibt es gerade in Sachen Security – wie bereits erwähnt - einiges zu bemängeln. Provisorische und vor allem defekte Absperrungen, wenig aufmerksame Securities und teils kein Graben, um im Notfall jemanden aus der Menge ziehen zu können. Das darf bei so einer Veranstaltung nicht vorkommen.

 

Die Bands hätten vielleicht etwas passender ausgewählt werden können. Zwar handelte es sich zum Großteil um wirkliche Spitzenbands, doch passen beispielsweise Korpiklaani nicht wirklich zu den beiden Black Metal-Bands, die davor und danach ihren Auftritt hatten.

 

Das soll allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Line-Up generell überdurchschnittlich gute Bands umfasste. Wo sonst sieht man so viele bekannte und vor allem beliebte Bands an nur einem Tag? Da können selbst große Festivals teils nicht mithalten.

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