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Tiger Army, Grave Pleasures & The Sewer Rats im Konzert (Leipzig, November 2019)

Was für ein furioser und abwechslungsreicher Abend!

Tiger Army stellen ihr neues Album "Retrofuture" vor

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Tiger Army

Nochmals heißt es Bühne frei räumen, was auch recht zügig gelingt, allerdings dauert es dann doch noch ein paar Minuten, bis Tiger Army zum Intro „Angel Of Death“ einmarschieren. Mit dem Instrumental „Prelude: Tercio De Muerte“ steigen die Kalifornier richtig ins Konzert ein und es wäre doch übertreiben, wenn man jetzt behaupten würde, dass nun sofort eine Euphoriewelle durch den Saal schwappt. Scheinbar sind die Zuschauer noch nicht so richtig warm, ein kurzer Anfangsapplaus muss letztlich reichen.

Aber der Dreier legt mit „Beyond The Veil“ zumindest zackig nach und so langsam kommt endlich Bewegung in die Hütte. Selbst wenn die Kalifornier sich anfangs etwas wortkarg zeigen, die Performance passt auf jeden Fall. Schon an dieser frühen Stelle des Konzerts muss man Djordje Stijepovic am Kontrabass höchste Anerkennung schenken, immerhin zupft er sein Instrument nicht nur anständig, sondern unternimmt mit ihm noch diverse Ausflüge auf der Bühne oder schwenkt es mal ganz locker über dem Kopf. So trifft man sich eigentlich bei jedem Titel mit Sänger Nick 13 zu einer kleinen, Posen-reichen Zwischeneinlage mittig der Bühne, was die Laune der Anwesenden weiter fördert.

Und dieser Frontmann ist zugleich der absolute Mittelpunkt der Band; nicht nur dass seine Stimme zu Psychobilly-Nummern wie Arsch auf Eimer passt, er ist eben auch ein perfekter Einheizer, obwohl er zumeist am Mikro klebt. Das besondere Stimmtimbre kommt schon bei dem schmissigen Rock’n’Roll-Track „Devil That You Don't Know“ bestens zur Geltung, mit „Dark And Lonely Night“ folgt hiernach der komplette Abschuss. Nun mögen sich an dem Titel eh schon die Geister scheiden, ob er nicht zu kitschig sei oder eben perfekt die 60er aufleben lässt, wenn man aber einen dermaßenen Schmelz in der Stimme hat, ist es einfach nur krass. Ja, für diese Klangfarbe würden wohl Schlagersänger reihenweise morden.

Damit das Ganze nicht zu sehr einlullt, schieben Tiger Army mit „Cupid’s Victim“ nicht nur einen flotten, sondern auch einen recht betagten Titel hinterher, der wieder die Tanzbeine animiert. Nick 13 freut sich nun, dass Teds, Hardcore-Kids, Punks und Skins zusammenhalten und hier gemeinsam abfeiern, was bei der derzeitigen Welt nicht immer einfach sei. Der Bescheidenheit dieser unvollkommenen Welt wird mit Mittelfinger und „FTW“ Ausdruck gegeben, das sich anschließende „Eyes Of The Night“ wird ebenso ausgiebig mitgegrölt, bevor der Fronter sich etwas im Sächsisch testet. Aus Leipzig wird nun „Leipzsch“ und selbst wenn der Versuch noch etwas am Original vorbeigeht, das breite Grinsen in den Gesichtern verrät: Okay, jetzt hast du uns.

„Pain“ mit seinem ausgiebigen Singalong kann nun anständig zelebriert werden, Djordje spielt den Kontrabass nun auf den Knien und zu „The Past Will Always Be“ fackelt man die Bude endgültig ab. Hüften schwingen, Stimmbänder vibrieren lassen und mitklatschen ist die Devise, leider geht es damit aber nun schon zum letzten Song. Nick 13 freut sich ein weiteres Mal hier spielen zu dürfen und verspricht Tiger Army „Never Die“, womit sich die Kalifornier selbst von der Bühne fegen.

Natürlich kann es das nach einer Stunde Spielzeit noch nicht gewesen sein, mit „Pipeline“ läutet man die Zugabe ein und zu dem punkigen „Under Saturn’s Shadow“ darf wieder ordentlich Gas gegeben werden. Eine kurze Umfrage, ob nun Country oder doch lieber Punk zu Gehör gebracht werden soll, wird gestartet. Die Abfrage zeigt Country als eindeutigen Verlierer und stattdessen prescht „What Happens?“ durch das Conne Island. Applaus folgt und der gleich dreifach, schließlich muss man nicht nur den Song damit bedenken, sondern auch die beiden Vorbands. Zum abschließenden „Sea Of Fire“ gibt es noch eine kurze Bandvorstellung, kurz ist dabei relativ zu sehen, immerhin kann nun jedes Mitglied noch mit einem Solo glänzen und Djordje beschließt den Song gar liegend. Das war es von einem Abend, der vielleicht nicht immer mit Stimmungshochs versehen war, aber drei extrem gute Bands zum Vorschein brachte.

Setlist:

Prelude: Tercio de Muerte
Beyond The Veil
Devil Girl
Devil That You Don't Know
Dark and Lonely Night
Cupid's Victim
Night Flower
Prisoner Of The Night
FTW
Eyes Of The Night
Pain
The Past Will Always Be
Never Die

Pipeline
Under Saturn’s Shadow
What Happens?
Sea Of Fire

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