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Threshold, Overtures, The Silent Wedding im Konzert (Hamburg, November 2014)

Mehr als gelungener Deutschland-Auftakt!

Spiel- und bewegungsfreudig: Threshold

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Threshold

Beim Headliner ist der Sound dann glücklicherweise wesentlich ausgeglichener als bei den beiden Supportacts – als die Band hier zuletzt im März 2013 gastierte, gab es in jedem Fall deutlich mehr Probleme; da waren Keyboardspuren nicht zu hören, die Gitarrenwand wirkte hier und da etwas breiig, doch heute gibt es nichts zu meckern. Erneut starten Threshold nicht etwa mit einem Song ihres aktuellen Albums in den Set, sondern mit einer etwas älteren Nummer, in diesem Fall „Slipstream“ vom „Dead Reckoning“-Album, wobei Tastendrücker Richard West die sporadischen Growlparts übernimmt.

Mit welchem Stück die Engländer starten, ist ohnehin unerheblich, da sie ja ohnehin nichts anderes als Hits im Gepäck haben. Dennoch dauert es immerhin bis zur vierten Nummer, bis man einen aktuellen Song zum Besten gibt. Zuvor hat sich das Publikum beim etwas älteren „Ground Control“ erstaunlich zurückhaltend gezeigt – normalerweise gehen die Leute schließlich eher bei den Klassikern steil, heute scheinen jedoch mehr Menschen anwesend zu sein, die mit dem neueren Material vertrauter sind. Insgesamt ist es nun auch recht voll geworden, nicht so wie im letzten Jahr, als teilweise doch erschreckend große Lücken in der Menge klafften, was bei einer Band dieses Kalibers ziemlich enttäuschend war.

Der Sechser zeigt sich in guter Verfassung – gestern erst war der Tourauftakt in Vosselaar (Belgien), der, so Keyboarder Richard West im Interview vor der Show (demnächst auf The-Pit.de zu lesen), von einigen Pannen begleitet war, heute aber ist alles im grünen Bereich. Die Rhythmusgruppe präsentiert sich tight wie eh und je, die Gitarristen Karl Groom und Pete Morten gehen bei den Harmony-Parts immer wieder aufeinander zu und grinsen sich gegenseitig an, Richard West liefert je nach Bedarf atmosphärische Teppiche oder filigrane Soli und Frontmann Damian Wilson ist mal wieder in Topform. Seine Stimme scheint nicht zu altern – selbst die ganz hohen Töne meistert der Sympathiebolzen mühelos und wuselt dabei auch noch stets wie ein Jungspund über die Bühne, wobei er es sich erneut nicht nehmen lässt, zwischendurch auch mal ins Publikum zu springen und die Zuschauer direkt zu animieren. Viel reden tut er indes nicht, aber das ist auch nicht nötig, die Fans fressen ihm auch so aus der Hand. The Silent Wedding und Overtures wurden ja durchaus mit mehr als nur Anstandsapplaus bedacht, Threshold allerdings räumen richtig amtlich ab. Die Männer von der Insel darf man getrost sowohl als die Prog-Band bezeichnen, die sich selbst am meisten auf der Bühne bewegt als auch als die Prog-Band, die das enthusiastischste Publikum hat.

Man orientiert sich heute sehr stark am neueren Material, insgesamt elf Kompositionen entstammen den letzten drei Alben – „Part Of The Chaos“ von der ’97er „Extinct Instinct“-Platte fällt da geradezu komplett aus dem Rahmen, obwohl sie genau diesen Song erstaunlicherweise auch auf der letzten Tour schon im Set hatten. Das ganz neue Material von „For The Journey“ scheint seltsamerweise auch etwas besser abgemischt zu sein als der Rest, aber tatsächlichen Anlass zur Kritik gibt es wie erwähnt nicht. Das Highlight des Konzerts bildet trotz der Fülle an Ohrwürmern wohl wieder einmal das überragende „Pilot In The Sky Of Dreams“, das man schlichtweg als unverzichtbar bezeichnen muss. Eher unerwartet hingegen, dass Threshold von den neuen Stücken „Lost In Your Memory“ aufführen, da dieser Song mit seinen unendlich vielen Gesangsspuren live nicht unbedingt das am leichtesten umsetzbare Lied darstellt.

„Ashes“ beendet den regulären Set, aber die Meute hat noch lange nicht genug und Damian Wilson fragt nach der Rückkehr auf die Bühne sogleich, was man denn noch gerne hören würde. Dem Wunsch nach „The Hours“ wird dann tatsächlich nachgegangen, das sogar seine Livepremiere feiert, bevor mit „Turned To Dust“ nach gut 110 Minuten Spielzeit endgültig das Ende erreicht ist. Ein mehr als gelungener Deutschland-Auftakt dieser fantastischen und superbodenständigen Truppe, und die Tatsache, dass Hamburg (zumindest, wenn man setlist.fm glauben darf) drei Songs mehr spendiert bekommen hat als das belgische Vosselaar einen Tag zuvor, lässt darauf schließen, dass die Band hier wirklich einfach gerne spielt und ein gutes Standing hat. Möglicherweise liegt dies aber auch nur daran, dass die von Richard West angesprochenen Soundprobleme diesmal nicht vorhanden waren. Die erste Variante ist aber eindeutig die schönere.  

Setlist:

Slipstream
Liberty, Complacency, Dependency
Ground Control
Unforgiven
Long Way Home
Part Of The Chaos
Coda
Lost In Your Memory
Watchtower On The Moon
Pilot In The Sky Of Dreams
Mission Profile
The Box
Ashes
-----------------------------------
The Hours
Turned To Dust

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