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Threshold, Enochian Theory, Cryptex im Konzert (Hamburg, März 2013)

Deutsche Frauen und der Weihnachtsmann

Nicht weniger als das beste Album des letzten Jahres lieferten die Engländer Threshold mit „March Of Progress“ ab und konnten nicht nur bei The-Pit.de die Höchstnote dafür einsacken. Völlig klar, dass es zu dieser allerorts abgefeierten und auch in den Charts (Platz 28 in Deutschland – für eine Metalband mehr als respektabel) sehr erfolgreichen Platte auch eine Tour geben würde. Nachdem man bereits einen Gig in London sowie zwei in den Niederlanden gespielt hat, markiert das Konzert in der Hamburger Markthalle den Auftakt in Deutschland. Begleitet wird der Sechser hierbei von seinen Landsleuten Enochian Theory und der niedersächsischen Truppe Cryptex, die vor fast genau einem Jahr zuletzt in derselben Location aufspielte, damals als Support für Pain Of Salvation.

Cryptex

Das Trio wusste schon im März 2012 mit Spielfreude, stilistischer Vielfalt und einer gehörigen Portion Humor zu überzeugen und daran hat sich nichts geändert. Der Aufbau des Gigs ähnelt dem vom letzten Jahr zudem ziemlich: Wie damals beginnt der mit einem Kilt bekleidete, charismatische Frontmann Simon Moskon zunächst am Keyboard, wieder wird es in der Mitte etwas ruhiger, und erst als der Sänger zum Bass greift, wird der Härtegrad deutlich angezogen. Bereits um sieben Uhr geht das Ganze los – erstaunlich, aber auch erfreulich, denn wie oft hat sich der Verfasser dieser Zeilen über dieses unsägliche In-der-Woche-um-neun-beginnen aufgeregt; dafür allerdings ist es geradezu erschreckend leer im Saal. Natürlich spielt hier noch „nur“ die erste Vorband und es ist selbstverständlich nicht ungewöhnlich, dass es erst beim Mainact voller wird, aber ein paar Nasen mehr dürften es dann schon sein.

Simon bedankt sich trotzdem artig und fordert die Leute auf, weiter nach vorne zu kommen – Platz ist allerdings auch weiß Gott genug vorhanden. Erneut demonstriert er seine Fähigkeiten als Entertainer, lässt bei „Dance Of The Strange Folk“ (wo außerdem wieder Led Zeppelins Klassiker „Whole Lotta Love“ sehr clever zitiert wird) einmal mehr einen gespielt-lasziven Tanz vom Stapel und hat damit natürlich die Lacher auf seiner Seite. Genauso als er feststellt, dass der Schriftzug auf dem Backdrop möglicherweise doch etwas klein geraten ist. „Wir sind Cryptex, aber das kann man ja auf dem Backdrop lesen“, meint er, muss dann aber doch relativieren als er sich nach hinten umdreht, um das Banner zu begutachten. „Na ja, ist vielleicht doch etwas klein – könnt ihr das lesen?“ und brav bejaht das Publikum.

Mit dieser sympathischen Art hat er auch heute die Leute wieder schnell auf seiner Seite und siehe da: Nach und nach werden es tatsächlich wenigstens ein paar mehr und das Stimmungsbarometer steigt kontinuierlich. Amüsant wird es ebenfalls, als Moskon drei Fans in der ersten Reihe vorstellt, die extra aus Dänemark angereist seien, und wer so treu und Die-hard sei, solle den Titel des nächsten Stückes wohl kennen. Das Trio hat jedoch keine Ahnung und einer meint nur: „Slayer?“

Coole Antwort, die aber nicht so ganz hinhaut, da bei „It’s Mine“ eher ruhige Töne angeschlagen werden. Gitarrist Martin Linke packt das Sansula, eine Art Mini-Xylophon, aus und greift außerdem zur akustischen und Drummer Ramón Fleig nimmt auf dem Cajón Platz. Des Weiteren kann sich Simon Moskon durch ein hervorragendes Mundharmonikasolo auszeichnen. Insgesamt ist die Akustiksession diesmal aber etwas kürzer als im letzten Jahr, überhaupt werden zwei Songs weniger gespielt – allerdings spielen heute auch drei Bands und nicht wie damals lediglich zwei, sodass man diesmal wohl etwas weniger Zeit zugesprochen bekommen hat. Dafür gibt es in Form von „Ribbon Tied Swing“ und „The Knowledge Of Being“ zwei brandneue Tracks auf die Lauschlappen.

Keine Frage, Cryptex können wieder überzeugen und haben bestimmt wieder ein paar neue Anhänger hinzugewonnen. Die Jungs besitzen Herzblut, sind echte Überzeugungstäter,  und auch wenn Simon spitzbübisch „Ihr lügt doch!“ ruft, als das Publikum bei der Ankündigung des letzten Songs „Ooohhh!“ macht, hat es den Leuten gefallen, wie der  Applaus beweist, der keineswegs nur nach Höflichkeitsgebaren tönt. Manch einer wird sich die Frage stellen, wie die Band wohl mit vier oder fünf Mitgliedern klingen würde (beispielsweise mit einem festen Bassisten und zweiter Gitarre oder ähnlichem), doch gerade die Tatsache, dass die Gruppe nur mit drei Musikern agiert, die während der Show munter die Instrumente wechseln, macht irgendwo den Charme aus. Man kann den Jungs nur weiterhin alles Gute und viel Erfolg wünschen!

Setlist:

Intro
Hicksville, Habitus And Itchy Feet
Ribbon Tied Swing
Dance Of The Strange Folk
Camden Town
The Knowledge Of Being
It’s Mine
Romper Stomper
Most Lovable Monster
Leviathan
Grief And Despair
Outro

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„Weil wir einfach wissen, dass wir als Band nur funktionieren, wenn wir uns nicht verbiegen“