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Threshold, Damnation Angels & Day Six im Konzert (Hamburg, November 2017)

„Alles südlich der Elbe ist Norditalien“

Threshold

Knapp zehn Uhr ist es, als der mit Spannung erwartete Hauptact die Bühne der Markthalle betritt – laut Keyboarder Richard West ja eine ihrer Lieblingslocations überhaupt. Angesichts dessen, dass das neue Album „Legends Of The Shires“ (das erste Doppelalbum in der Geschichte der Band) auf Platz 13 der deutschen Albumcharts eingestiegen war, hätten es gerne ein paar mehr Leute sein dürfen. Ob so mancher immer noch enttäuscht ist von Damian Wilsons Abgang? Die Tourdaten standen jedenfalls schon seit gut einem Jahr fest, man konnte also weit im Voraus planen.

So ist es zumindest nicht schwierig, sich einen Platz zu suchen, an dem man das Geschehen gut verfolgen kann  und auch wenn eindeutig nicht ausverkauft ist, werden Threshold selbstverständlich gebührend gefeiert. Es braucht eine ganze Weile, bis das Publikum aufgetaut ist (heute scheint es mitunter zunächst doch so, dass das Klischee des emotionslosen Progfans erfüllt werden soll), obwohl gerade Damnation Angels vorher ja gut eingeheizt haben.

Dabei ist die Setlist mal wieder gespickt mit Hits ohne Ende. Beim eröffnenden „Slipstream“ gibt es ein paar Probleme mit Karl Grooms Gitarre wie es scheint, vielleicht rührt dieser Eindruck aber auch nur daher, weil man bei dieser Formation zwei Klampfen gewöhnt ist und der Sound bei diesem knackigen Nackenbrecher einem daher etwas dünn vorkommt.

Ansonsten ist das aber eine runde Sache und bei Harmonie- und Doppelsolopassagen schnallt sich Glynn Morgan wie angekündigt ebenfalls eine Axt um und macht dabei alles andere als eine schlechte Figur. Dies gilt für ihn aber auch in Bezug auf seine Sangeskünste. Sicher, Glynn ist nicht so ein Frontmann „zum Anfassen“ wie Damian Wilson, der auch mal Ausflüge in den Zuschauerraum gemacht hat, dennoch besitzt auch er Charisma, hat klar sichtbar Bock auf das Ganze und singt völlig tadellos. Und das darf man mit Fug und Recht sowohl über die neuen als auch die alten Songs behaupten: Ob aus der Mac- oder der Wilson-Ära – man ist fast schon überrascht, wie souverän Glynn seine Sache meistert.

Dass auch das sträflich unterschätzte „Psychedelicatessen“ in Gestalt von „Innocent“ und „Sunseeker“ mit zwei Nummern zum Zuge kommt, liegt natürlich nahe und ist umso höher einzuschätzen, da die Scheibe viel zu selten Berücksichtigung findet. Alles in allem ist die Setlist ausgewogen; „Pilot In The Sky Of Dreams“ und „Mission Profile“ hört man zwar quasi auf jedem Threshold-Konzert, aber diese sowohl Band- als auch Fan-Faves gehören nun mal definitiv zu den Top-5-Kompositionen der Engländer und sind unverzichtbar. Dafür stellen die „Psychedelicatessen“-Tracks sowie „Hollow“ kleinere, nicht so häufig gespielte Überraschungen dar – im Mittelpunkt stehen selbstredend aber die Songs des im September veröffentlichten Doppeldeckers.

Hier hat man eine nachvollziehbare Auswahl getroffen, logisch, dass die beiden Longtrack-Übernummern „The Man Who Saw Through Time“ sowie „Lost In Translation“ dabei sind, als im Live-Kontext ebenfalls exzellent funktionierende Perle entpuppt sich vor allem auch die tolle Halbballade „Stars And Satellites“, während „Snowblind“ und das fast schon poppige „Small Dark Lines“ als Zugaben fungieren.

Zwischen den Songs wird nach Anlaufschwierigkeiten alsbald lauthals gejubelt, sodass sich Glynn artig bedankt; immerhin ist dies eines der ersten Konzerte der Tour (Hamburg markiert die Deutschlandpremiere, vorher spielte man bereits insgesamt vier Shows im Vereinigten Königreich, den Niederlanden und Griechenland), doch als top eingespielt und präzise wie ein Uhrwerk erweist sich der Fünfer von Anfang an – auf diese fantastischen Musiker kann man sich einfach verlassen. Vor allem Drummer Johanne James, der exaltiert seine Stöckchen schwingt und mit bewundernswerter Akkuratesse und Kraft sein Kit verdrischt, kriegt nicht zum ersten Mal besonders großzügigen Applaus spendiert.

Rund 100 Minuten bedienen Threshold ihre Fans mit einer starken Setlist, die beinahe alle Alben berücksichtigt und kaum Wünsche offen lassen kann. Wer noch zweifelt, ob er/sie diese Tour der Engländer besuchen soll, weil Wilson nicht mehr dabei ist, dem sei ans Herz gelegt, dies unbedingt zu tun, denn auch Glynn Morgan ist ein ausgezeichneter Frontmann.

Setlist:

Slipstream
The Man Who Saw Through Time
Long Way Home
Innocent
Stars And Satellites
Hollow
Sunseeker
Lost In Translation
The Shire Part II
Ashes
Pilot In The Sky Of Dreams
Mission Profile

Snowblind
Small Dark Lines

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