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Them Crooked Vultures, Sweethead im Konzert (Köln, Dezember 2009)

Kreisende Geier in der Rheinmetropole
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Wenn Them Crooked Vultures zu einem von drei Deutschlandkonzerten nach Köln laden, nimmt man auch schon einmal die etwas weitere Anreise in Kauf, um dem beizuwohnen, schließlich stehen hier nicht irgendwelche Musiker auf der Bühne, sondern gewissermaßen lebende Legenden: Sänger und Gitarrist Josh Homme zog Anfang der 90er Jahre mit seiner Band Kyuss in der Wüste von Palm Desert ein Balg namens Stoner Rock groß und hievte es später mit den Queens Of The Stone Age auf die Alternative-Rock-Weltbühne. Dave Grohl prägte die zeitgenössische Rockmusik als unermüdlicher Dieselmotor in Kurt Cobains Rücken ebenfalls kolossal mit und feierte später mit seinen Foo Fighters auch weiterhin Erfolge. Und John Paul Jones – muss man das Vermächtnis eines Led Zeppelin-Mitglieds wirklich noch erwähnen? Auch wenn er stets im Schatten der großen Bandegos Plant und Page stand, so ist sein Einfluss und Verdienst im Hardrock doch unüberhörbar und hoch geschätzt.

Hochkarätige Superlative also, die sich auf der Bühne des Kölner Palladiums versammeln sollten und dem vielfältigen Wirken der drei entsprechend war auch das Publikum: vom 14jährigen Teenie bis zum Mittfünfziger waren durch die Bank alle Altersklassen vertreten; T-Shirts der Hauptbands waren natürlich zuhauf vorhanden und wurden schnell durch Erwerbnisse aus dem Merch-Stand ergänzt.

Sweethead

Als die Halle zum Bersten gefült war betrat um Punkt acht Uhr die Supportband Sweethead die Bühne. Dass die gesamte westamerikanische Rockszene inzestuös miteinander verknüpft ist, ist ja hinreichend bekannt, und so handelte es sich auch bei dieser Formation nicht um gänzlich Unbekannte, sondern um ein neues Projekt von QOTSA-Gitarrist Troy Van Leeuwen, der vor seinem Posten bei den Wüstenrockern auch schon beim Keenan/Howerdel-Projekt A Perfect Circle in die Saiten griff. Ans Mikro stellte Van Leeuwen kurzerhand seine Partnerin Serrina Sims; die Plätze an Bass und Schlagzeug füllen Eddie Nappi und Norm Block von der Mark Lanegan Band. Das Quartett lieferte eine ordentliche Show mit straightem Alternativerock, der durch Van Leeuwens Sound und Spielweise und Serrina Sims' rauchig-laszive Stimme irgendwo zwischen Courtney Love, Brody Dalle und Alison Mosshart seinen Charme erhielt. Sims schlug sich im äußerst knapp geschnittenen, schwarzen Glitzerkleid wacker, man merkte ihr ihre noch fehlende Bühnenerfahrung – mit Sweethead tritt die Dame zum ersten Mal in der Musikszene in Erscheinung – jedoch stellenweise deutlich an: Ihre Bewegungsmuster und ihre Anstrengungen, die Rocksau zu mimen, wirkten einstudiert und noch unbeholfen. Kleine Ausrutscher wie Beinahe-Stürze in den Bühnengraben schien die Blondine aber locker zu nehmen und stimmlich konnte sie auf jeden Fall überzeugen, sodass das Publikum nach einem etwa halbstündigen Set gut eingestimmt auf die Hauptattraktion des Abends wartete.

Them Crooked Vultures

Pünktlich um neun Uhr erschien eine langhaarige Silhouette im Bühneneingang, die zielstrebig aufs Schlagzeug zuhielt, dahinter Platz nahm und mit einem breiten Grinsen im Gesicht Begeisterungsstürme im Palladium entfesselte. Homme, Jones und Livesupport Alain Johannes nahmen ebenfalls ihre Positionen ein und gemeinsam ließ man "No One Loves Me & Neither Do I" vom Stapel.

Zu diesem Zeitpunkt befand ich mich irgendwo zwischen dritter und vierter Reihe, beschloss aber schnell, das aus menschlichen Mahlsteinen bestehende Territorium zugunsten eines etwas ruhiger gelegenen Platzes zu verlassen. Der Groove brachte die Menge problemlos in Bewegung und spätestens ab der zweiten Hälfte des Songs bebte die Konzerthalle in ihren Grundfesten. Mit "Dead End Friends" und "Scumbag Blues" lieferte die Band weiteren Stoff vom kürzlich erschienen Debütalbum; zwischendrin nahm sich Josh Homme die Zeit, mit verklärtem Grinsen und typischer Raubeinigkeit Phrasendrescherei in Richtung Publikum zu betreiben: "Are you having a good time?" - angesichts der grandios eingespielten Band und des dargebotenen Materials eine absolut überflüssige Frage. "Elephants" zeigte im Anschluss, warum der rothaarige Hüne seinen Trademark-Gitarrensound zu Recht hütet wie seinen Augapfel: sein volltönender Sechssaiter schien im Intro jeden Kubikmillimeter Luft alleine auszufüllen; dass das technische und klangliche Niveau mit dem Einsatz der restlichen Band nicht abnahm versteht sich wohl von selbst.

Dann war es Zeit für "Highway One", den einzigen Song des Abends, der nicht auf dem Debüt zu finden ist: ein sperriger, von Taktwechseln durchsetzter Psychedelic-Mystery-Rocker, der sein besonderes Flair durch John Paul Jones' Benutzung eines Mandoline/E-Gitarren-Hybrids erhielt.

Überhaupt, die Instrumente! Es gab wohl keinen Song, vor dem nicht eifrig Gitarren und Bässe getauscht wurden. Den Zugriff auf das vielseitigste Repertoire hatte dabei Jones, der neben seinem Standardbass und der seltsamen Mandoline im Laufe des Abends auf ein zehnsaitiges Bassmonstrum mit leuchtendem Griffbrett, eine Umhänge-Slidegitarre mit eingebautem Effektgerät und diverse Tasteninstrumente zurückgriff: Mit einer Keyboardgitarre bewaffnet unterlegte er "Interlude With Ludes" mit wabernden Soundflächen, während Dave Grohl Bongos erklingen ließ und Josh Homme mit sichtlichem Spaß an der Sache und ironisch überzeichneten Gesten den prolligen Crooner mimte. Im Anschluss an "Spinning In Daffodils" nahm der Led Z-Mann auch noch hinterm Klavier Platz und setzte, in weißes Licht gehüllt, einen virtuosen Schlusspunkt unter den Song. Für den tosenden Applaus bedankte er sich bescheiden und höchst sympathisch mit einer kleinen Verbeugung und einem freundlichen Lächeln auf den Lippen – Starallüren scheint der 63jährige schon vor Jahren an Andere abgetreten zu haben.

Doch nicht nur der Rock-Altmeister, auch der vergleichsweise unbekannte Supportmusiker Alain Johannes bekam Gelegenheit, seine Fähigkeiten mit einem gefühlvollen Gitarrensolo, das "Bandoliers" einleitete, unter Beweis zu stellen. Der Rest der Band legte derweil eine Pause ein und Josh Homme sorgte kurzzeitig für Erheiterung und Verwirrung im Publikum, als er zu erwägen schien, in Johannes' Solo einzusteigen, es sich aber schließlich doch anders überlegte und einigermaßen ziellos über die Bühne spazierte.

Freunde gepflegter Jam-Sessions kamen dafür bei "Warsaw Or The First Breath You Take After You Give Up" auf ihre Kosten: Den letzten Song des Sets widmete Homme einer Zuschauerin in der ersten Reihe, deren Name seiner Meinung nach "Maine klaine Chmutzfinck, du gaile Sau" lautete, und Them Crooked Vultures gaben für den auf etwa 15 Minuten gestreckten Jamtrack noch einmal alles. Jones und Homme improvisierten feixend und mit sichtlichem Spaß an der Sache gemeinsam drauf los; Dave Grohl sorgte gegen Ende für offene Münder im Publikum: In den letzten drei Minuten zog er das Tempo an und schien plötzlich mit mindestens fünf Armpaaren auf die Felle einzudreschen, als habe er sich in den vorangegangenen 95 Minuten noch nicht genug verausgabt.

Nach ziemlich genau 100 Minuten, respektive einem kompletten, durch hohen Jamfaktor gestreckten Album plus neuem Song, fanden sich Them Crooked Vultures schließlich geschlossen am Bühnenrand ein, um sich winkend und mit einer Verbeugung vom Kölner Publikum zu verabschieden. Zugaben gab es keine, die Aufzeichnung des Konzertes für die WDR-Sendung "Rockpalast" dürfte dafür aber eine angemessene Entschädigung darstellen. Verschwitzte Leiber und darauf thronende, glückliche Gesichter strömten dem Ausgang entgegen, vereinzelt vom "Tier Dave Grohl" murmelnd oder schlicht erschöpft und einigermaßen sprachl

Setlist:

1. No One Loves Me & Neither Do I

2. Dead End Friends

3. Scumbag Blues

4. Elephants

5. Highway One

6. New Fang

7. Gunman

8. Bandoliers

9. Mind Eraser (No Chaser)

10. Caligulove

11. Interlude with Ludes

12. Spinning In Daffodils

13. Reptiles

14. Warsaw Or The First Breath You Take After You Give Up

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