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The Vision Bleak, Crystal Crow im Konzert (Hamburg, Oktober 2014)

Nicht der beste Sound, Bass und Keyboards kamen vom Band – trotzdem ein geiler Abend!

The Vision Bleak

In der Pause steigt die Vorfreude kontinuierlich; eigentlich ist es ja schöner, sich bei der Setlist überraschen zu lassen, im heutigen Falle jedoch ist der Umstände wegen schon klar, was gespielt wird. Und das grandiose „The Deathship Has A New Captain“ in voller Länge geboten zu bekommen, ist natürlich eine feine Angelegenheit.

Etwas voller ist es natürlich im Saal geworden, aber dass nicht mal das kleine Marx bei einer Jubiläumstour dieser großartigen Band ausverkauft ist, erschrickt schon ein wenig. Diese Truppe hat fünf qualitativ ausschließlich hochwertige Alben veröffentlicht und trotzdem bekommt sie immer noch nicht die Aufmerksamkeit, die sie verdient – nun ja, es geht halt nicht gerecht zu in der Welt.

Glücklicherweise lassen sich die Leute, die sich vor Ort eingefunden haben, nicht die Stimmung vermiesen, ganz im Gegenteil. Sicher, es könnten mehr Zuschauer anwesend sein, doch dadurch, dass die Veranstaltung hier totales Underground-Feeling besitzt, sind eben auch nur die wirklichen Liebhaber und Die-Hard-Supporter am Start, die entsprechend Alarm machen. Zweierlei fällt schnell auf: TVB sind nur zu viert auf der Bühne, neben den Keyboards und vielen Samples kommt auch der Bass vom Band, da der etatmäßige Tieftöner leider ausgefallen ist, wie Konstanz nach dem Konzert am Merchstand bestätigt. Außerdem trägt letzterer die Haare inzwischen mal wieder kurz, leichenblass geschminkte Gesichter haben aber sowohl er als auch Schwadorf wie gehabt, dazu passend die sehr geschmackvollen Kleider, die an britische Adlige im 19. Jahrhundert erinnern. Es mag daher etwas befremdlich wirken, dass der Zweitgitarrist und der Drummer dagegen eher im Normalo-Look aufkreuzen.

Letztlich ist das aber Nebensache, was zählt, ist immer noch die Musik, und man stellt bei der Performance wieder einmal fest, dass die Süddeutschen tatsächlich nur Hits im Gepäck haben, gerade das erste Album ist voll davon: von „The Night Of The Living Dead“ über „Wolfmoon“, „Metropolis“ und dem megaeingängigen „Horror Of Antarctica“ bis zum finalen Epos „Deathship Symphony“ – man ist in einer Tour am Feiern, herrlich beispielsweise, wie die Fans das markante Synthie-Riff beim ebenfalls unglaublichen Ohrwurm „The Lone Night Rider“ mitgrölen. Konstanz sorgt mit ständiger Präsenz am Bühnenrand dafür, dass das Publikum bloß nicht aufhört zu feiern, animiert immer wieder und so zeigt sich einmal mehr, dass es manchmal nicht mal hundert Nasen braucht, um dafür zu sorgen, dass die Hütte brennt.

Zwischen den Songs gibt sich der Sänger ruhig und beweist feinen Humor. Als einer „Slayer!“ zwischendurch brüllt, fragt er mit ganz leichtem Grinsen im Gesicht „Wer war das? Bitte melden.“ Anschließend fordert er den Betroffenen dazu auf, zu sagen, welcher Song als nächstes kommt, was der Fan durchaus schlagfertig mit „Angel Of Death“ beantwortet. „Fast genauso erfolgreich“, lacht Konstanz, bevor natürlich nicht „Angel Of Death“ gezockt wird. Auch als vor dem Instrumental „Elizabeth Dane“ in die plötzliche Stille gebrüllt wird, stellt er fest, dass es doch merkwürdig sei, wie Menschen nicht in der Lage seien, auch nur mal ein paar Sekunden Ruhe vorherrschen zu lassen. Eine interessante Beobachtung, die man zu einhundert Prozent unterschreiben muss.

Nach dem letzten regulären Albumstück dauert es nicht lange, bis der Vierer wieder auf die Bühne kommt und nun noch drei Titel vom neuesten Output „Witching Hour“ sowie die beiden in der Setlist nicht wegzudenkenden Hymnen „Carpathia“ und „Kutulu!“ zum Besten gibt, wobei Konstanz bei „Kutulu“ einigen Zuschauern in der ersten Reihe das Mikro unter den Riechkolben hält und die traditionelle Frage „Can you say Kutulu?“ stellt. Richtig auch, dass er meint, „wir sparen uns jetzt diesen ganzen Zugaben-Blödsinn und spielen einfach noch einen Song“ (denn an sich stellt sich doch jeder die Frage, was dieses alberne Von-der-Bühne-auf-die-Bühne-Theater eigentlich soll), bevor der ganze Spaß in Form von „The Wood Hag“ ein Ende findet.

Es mag sein, dass der Sound heute nicht immer der beste war (zwischendurch war es mitunter doch ganz schön breiig), es kam recht viel vom Band, es hätten mehr Menschen da sein dürfen – aber ganz ehrlich: Scheiß drauf! So oft wird man nicht wieder die Möglichkeit haben (wenn überhaupt), „The Deathship Has A New Captain“ live am Stück hören zu können, außerdem war die Stimmung sowohl bei Band als auch Zuschauern prächtig und Schwadorf und Konstanz mögen etwas exzentrisch wirken, sind aber dennoch so nette, bodenständige Typen, die auch sofort nach dem Konzert Shirts und CDs am Merchstand unterschreiben, dass der Abend auf jeden Fall als gelungen bezeichnet werden muss.

Setlist:

A Shadow Arose (Intro)
The Night Of The Living Dead
Wolfmoon
Metropolis
Elizabeth Dane
Horror Of Antarctica
The Lone Night Rider
The Grand Devilry
Deathship Symphony
The Blocksberg Rite
Cannibal Witch
Carpathia
Kutulu!
The Wood Hag

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