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The Doors Of Perception im Konzert (Hamburg, April 2012)

Fast wie die echten Doors

Gitarrist Torsten Weber in Action

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Jedes Jahr gehen The Doors Of Perception auf Tour und jedes Jahr machen sie dabei auch Halt im Hamburger Downtown Bluesclub. Na ja, fast jedes, denn letztes Jahr waren sie ausnahmsweise mal nicht in der Hansestadt, wie Sänger Marko Scholz im Verlauf des Konzerts auch später noch zugibt. Nichtsdestotrotz hat sich die Gruppe gerade hier einen klangvollen Namen erarbeitet, denn erneut ist der Laden voll und die Stimmung von Anfang an prächtig. Kein Wunder, denn auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Besser und authentischer kann man die legendären The Doors schlichtweg nicht covern. Dabei besitzen die Berliner trotzdem eine eigene Note, denn der Sound ist besonders aufgrund der Gitarre, die von Torsten Weber im Gegensatz zu Robby Krieger nicht mit den Fingern, sondern mit einem Plektrum bearbeitet wird, etwas härter als beim Original der Fall. Auch wirken die gesprochenen Texte, die Marko zwischendurch in die Songs einbaut – so wie Jim Morrison es auch einst tat – nicht aufgesetzt, vielmehr spontan und fast so lässig wie bei dem 1971 verstorbenen Frontmann.

Witzigerweise startet man mit „Soul Kitchen“ in den Set – witzig deswegen, weil das Stück sich eher als Rausschmeißer eignet, heißt es doch in den Lyrics: „When the clock says it’s time to close now, I guess I better go; I really like to stay here all night…“ Natürlich ändert das nichts daran, dass sich die Leute bei diesem entspannten Groover gleich hin- und herwiegen. Wenig verwunderlich, dass sich das Publikum erneut zu einem Großteil aus älteren Jahrgängen rekrutiert, doch auch jene älteren Herrschaften beweisen, dass sie immer noch rocken können; schon seit langem kann man das Original nicht mehr bewundern, doch bei dieser tollen Darbietung mobilisiert einfach jeder mit einem glückseligen Lächeln auf den Lippen alle Kräfte.

„Touch Me“, der wohl bekannteste Song des Albums „The Soft Parade“ (für viele die schwächste Scheibe, da die Experimente mit Kammermusik-artigen Klängen und jeder Menge pathetischer Streicher nicht wirklich durch die Bank gelungen sind), sorgt dann mit seinen fröhlichen, einprägsamen Gesangslinien dafür, dass die Stimmung gleich noch besser wird, bevor Marko ein Stück ankündigt, das quasi „neu“ ist. Natürlich nicht wirklich neu, aber zumindest neu im Programm der Band: In der Tat ist „20th Century Fox“ einer der nicht so berühmten Doors-Songs, aber es ist schön, auch mal wieder ein paar seltenere Perlen zu hören – fast noch besser, als sich zu Hause hinzusetzen, die alten Platten aufzulegen, und auf diese Weise vielleicht ein paar verloren geglaubte Klassiker wiederzuentdecken.

Man könnte auf jeden einzelnen Track, der gespielt wurde, eingehen, da sie es alle wert sind, was nach wie vor beweist, welch enorme Hitdichte das Quartett aus Los Angeles aufwies – aber das macht eben eine Legende aus: Jede Menge Hits und ein vollkommen eigenständiger Sound. Von dem schwelgerischen „The Crystal Ship“ kriegt man nie genug und auch „People Are Strange“ begeistert immer wieder: Kaum zweieinhalb Minuten lang kommt das Stück sowohl in musikalischer wie textlicher Hinsicht ohne großes Aufhebens auf den Punkt und reißt jedes Mal mit.

Sehr unterhaltsam und nett gemacht ist es auch, wie Marko Scholz ein paar Anekdoten einstreut, wie einige Songs entstanden sind. So erzählt er zur Performance von „Maggie M’Gill“, dem letzten Stück auf „Morrison Hotel“ (anscheinend das Lieblingsalbum der Doors Of Perception selbst, da hiervon nicht zum ersten Mal die meisten Tracks der Setlist stammen), dass jene Komposition einer der legendären Eskapaden Morrisons zu verdanken ist. Als er wieder einmal rotzbesoffen auf der Bühne stand, seien Robby Krieger und John Densmore total angepisst einfach während des Konzerts gegangen und Ray Manzarek habe sich eine Klampfe geschnappt und das Mainriff von „Maggie M’Gill“ gezockt – verrückt, wie sich manchmal Songs entwickeln. Aber apropos besoffen: Das folgende „Five To One“ ist so ein Stück, bei dem man das Gefühl hat, Morrison war schon bei der Studioaufnahme ordentlich abgefüllt, allerdings passt dies zu diesem schleppend-ruppigen Track auch ziemlich gut. Kenner werden mit der skandalträchtigen Performance 1969 in Miami vertraut sein, als Jim mitten im Song plötzlich anfing, wüst die Zuschauer zu bepöbeln.

Die Highlights des ersten Sets bilden zweifelsohne ein Medley aus „Love Me Two Times“ (hier macht sich erstmals improvisierte Spielfreude bei Gitarrist Torsten Weber und Keyboarder/Bassist Dirk Bewig breit, die sich ein klassisches Gitarre/Keyboard-Duell liefern), dem John-Lee-Hooker-Classic „Money“ (von den Doors selbst oft live gespielt) und „Been Down So Long“ sowie das abschließende „Little Red Rooster“ (ebenfalls ein Coversong der Doors, ursprünglich geschrieben von Willie Dixon), bei dem die beiden dann ein weiteres Mal ihre exzellenten Fähigkeiten als Solisten demonstrieren können.

Nach einer kleinen Pause wird es, obwohl die erste Hälfte schon geil war, noch um einiges spektakulärer, denn nun kommen wirklich die absoluten Klassiker zum Zuge. Den Anfang macht „Break On Through (To The Other Side)“, bei dessen Ankündigung Marko witzelt, nun käme ein „total unbekanntes Stück“ (einer nimmt es für bare Münze und brüllt „Woman Is A Devil“ ins Rund; dies ist in der Tat ein sehr rarer Track). Es folgen das Doppelpack „Peace Frog“/„Blue Sunday“ und das so wundervoll leichtfüßige, schwebende und mit einem irgendwie genauso naiven wie unbekümmerten Groove ausgestattete „Love Street“, das Morrison für seine Freundin Pamela Courson schrieb, wie Marko erläutert.

Dann aber, Ladies and Gentlemen, gibt es eine derartige Gourmetversion von „Riders On The Storm“ auf die Ohren, dass man es kaum glauben kann. Dass der Song sowieso der Oberhammer ist, sollte jeder mit auch nur ein bisschen Musikverstand wissen, doch dieses Solo, was Dirk da auf dem Keyboard zum Besten gibt, spottet jeder Beschreibung. So was Geiles habe ich selten gehört – der Mann will nicht mehr aufhören zu spielen und meinetwegen müsste er das auch nicht. Der Verfasser wiegt sich mit geschlossenen Augen, steigert sich in einen Rausch – das ist vertonter Sex, was da abgezogen wird. Unfassbar, dass der langjährige Doors-Produzent Paul Rothchild wegen dieses Songs gesagt haben soll, für ihn sei es das nun, da er nach den Worten von Scholz keinen Bock auf „Cocktail-Jazz“ habe.

Bei brillantem Sound jagt ein Highlight das nächste, die Leute sind total aus dem Häuschen und fressen dem Sänger quasi aus der Hand, gerade so, als würde tatsächlich Jim Morrison auf der Bühne stehen – und so ein bisschen ist das ja auch der Fall. Ganz gerührt sagt er denn auch, als er ein kleines bisschen Eigenwerbung für die Live-CD im Berliner Club Quasimodo betreibt: „Da herrscht fast so gute Stimmung wie hier“, um aber schnell zurückzurudern: „Na ja, nein, die ist genauso gut.“ – Man will es sich mit dem Publikum in der eigenen Heimat ja auch nicht verscherzen, wer weiß, welcher Berliner Fan das Geschreibsel hier liest…

Tatsächlich sind die Zuschauer spätestens bei „L. A. Woman“ dann völlig losgelöst und im Siebten Himmel, in dem sie natürlich auch bei der 20-Minuten-Fassung von „Light My Fire“ durchgängig schweben. Soli über Soli – aber es wird wirklich zu keiner Minute langweilig. Doch das war auch eine Stärke der echten Doors: Ihre langen Instrumentalpassagen hatten Seele und Substanz und wussten deshalb zu gefallen. Es mag technisch bessere Musiker gegeben haben, aber das Entscheidende ist und bleibt eben das Gespür für Musik.

Auch wenn „Light My Fire“ als letzte Nummer angekündigt wurde – natürlich ist noch nicht wirklich Schluss, da machen die Leute nicht mit und brüllen sich die Kehle wund. Der „Roadhouse Blues“ darf auch wirklich nie fehlen und auch „Hello, I Love You“ und „Love Her Madly“ sind stets gern gehört. Sehr ungewöhnlich für ein letztes, nun wirklich allerletztes Stück ist dann „The Spy“ – eher eine Chill-out-Nummer als ein Rausschmeißer, aber es muss ja nicht immer ein rockender Kracher zum Schluss sein. So hat man gleich einen gemütlichen Übergang zum anschließenden, entspannten Plausch im nebenan gelegenen Biergarten bei einem gepflegten Pils. Leider kommt das Hamburger Publikum diesmal nicht in den Genuss von „When The Music's Over“ oder „The End“, aber man kann schließlich nicht alles haben. Grandios war es auch so oder so wieder und wir sind auch das nächste Mal gerne wieder dabei. Danke an die Jungs für einen fantastischen Abend und dafür, die Magie dieser unsterblichen Band für zweieinhalb Stunden in die Gegenwart gezaubert zu haben.

Setlist:

Soul Kitchen
Touch Me
20th Century Fox
The Crystal Ship
People Are Strange
Love Me Two Times / Money / Been Down So Long (Medley)
Maggie M’Gill
Five To One
Black Train Song
Little Red Rooster

Break On Through (To The Other Side)
Peace Frog
Blue Sunday
Love Street
Riders On The Storm
L.A. Woman
Light My Fire

Roadhouse Blues
Hello, I Love You
Love Her Madly
The Spy

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