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The Devil's Blood, Urfaust im Konzert (Hamburg, Januar 2012)

Ein unvergesslicher Freitag, der 13.

The Devil's Blood luden am Freitag, dem 13. zur satanischen Messe

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The Devil’s Blood

Bevor nach einer rund 45-minütigen Pause der Headliner die Bretter entert, ertönt aus den Boxen dieselbe esoterisch-perkussive Ambient-Mucke wie bereits vor dem Auftritt von Urfaust. Auch Kollege David Albus stellt nach reiflicher Überlegung fest: „Irgendwie kommt mir diese Musik bekannt vor, irgendwo hab ich das schon mal gehört.“ – Yes, indeed…

Auffällig ist ansonsten, dass The Devil's Blood diesmal deutlich weniger Kerzen auf der Bühne stehen haben als bei den „Ritualen“, wo der Verfasser sie das letzte Mal bewundern durfte; sonst wurden die Amps abgeklebt, um auch darauf Kerzen zu platzieren, doch diesmal beschränkt man sich auf einige wenige auf Ständern stehende Wachsstäbe in der Mitte des Ortes des Geschehens. Die berühmt-berüchtigten Räucherstäbchen kommen aber selbstredend auch heute wieder zum Einsatz – nach der exzessiven Weihrauch-Zeremonie der Support-Combo will sich schließlich auch der Mainact in Sachen Penetrieren des Geruchssinns nicht lumpen lassen. Auch wenn die Musik der Holländer schon längst als so etwas wie die Kiffermucke der neuen Generation gilt, katapultieren sie doch so viele Sechziger- und Siebziger-Jahre-Elemente zurück in die heutige Zeit – so manch einer mag angesichts der Rauchschwaden, die durch den Club wabern denken, dass eine derartige Bewusstseinsveränderung gar nicht mehr notwendig ist, um in die richtige Stimmung zu kommen.

Wie dem auch sei, die Band legt, übergossen mit Blut, erwartungsgemäß mit dem eröffnenden Doppelschlag ihres neuen Albums, bestehend aus dem Intro „Unending Singularity“ und dem furiosen „On The Wings Of Gloria“, wie die Feuerwehr los und der Rausch überkommt einen sofort. Nicht etwa von Dope, Acid oder dem Weihrauch ist die Rede, sondern der Musik. Diese Band schafft es bei jedem ihrer Rituale, einen vollständig in den Bann zu ziehen. Es fasziniert jedesmal wieder, wie sich die dreifache Gitarrenpower trotz unglaublich viel Delay nicht überladen anhört, sondern alle Nuancen ziemlich klar herauszuhören sind, und wie sie ihre komplexen Studioaufnahmen (von bis zu 180 Spuren beim neuen Album war die Rede) auf die Bühne zu übertragen in der Lage ist.

Anfänglich stören einige böse fiepende Feedbacks den Hörgenuss, doch dieses Problem ist glücklicherweise schnell beseitigt und man kann sich ganz den einzigartigen Klangcollagen hingeben. Urfaust und The Devil’s Blood mögen sich in ihren ideologischen Standpunkten ähneln, musikalisch unterscheiden sie sich jedoch wie Tag und Nacht. Walzt sich die Urfaust’sche Version des Transzendentalen monoton und kriechend dahin, ist die Musik der Teufelsanbeter aus Eindhoven so bunt wie Herbstlaub, doch – um Bandkopf SL aus einem Interview zu zitieren – warum sollten Verfall und satanische Musik ausschließlich schwarzmetallisch und misanthropisch klingen?

Zwei Stunden wird gnadenlos durchgezockt, ohne eine einzige Ansage, ohne Pause. Songs wie „Rake Your Nails Across The Firmament“ oder „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“ werden in Form ausgiebiger Jams auf bis zu zwanzig Minuten ausgedehnt, und beim Titelsong der aktuellen Scheibe, „The Thousandfold Epicentre“, schafft es das Sextett, das Fade-out in der Studioversion tatsächlich auch live umzusetzen, indem sich der Schlagzeuger mehr und mehr zurücknimmt und die Gitarren von verzerrtem auf cleanen Modus wechseln.
Das Licht trägt sein Übriges zur psychedelischen Atmosphäre bei, besonders in der Mittelstelle von „Cruel Lover“, die durch die Flanger-Effekte in der Gitarre ohnehin schon hypnotisiert, wird durch lila Scheinwerfer in Kombination mit dem Kiss-artig galoppierenden Beat fast schon eine Art Strudel erzeugt – man fühlt sich dabei wie in einer drogenvernebelten, satanischen Disco.

Dass diese Art von Performance allerdings immer noch nicht jedermanns Sache ist, zeigt sich auch heute wieder. Ausverkauft ist der Laden sowieso nicht, auch wenn zu Beginn des TDB-Konzerts schon eindeutig mehr Zuschauer anwesend sind als beim Eröffnungsact. Doch im weiteren Verlauf des Abends sind es doch eine ganze Menge Leute, die nach und nach die Halle verlassen. Zwar ist es verständlich, dass nicht jeder damit klarkommt, dass zum Beispiel bei „Voodoo Dust“, das quasi rein akustisch beginnt und sich in unnachahmlicher Manier stetig steigert, ein Gitarrensolo das andere jagt (auch wenn die handwerkliche Leistung unstrittig überirdisch ist), aber langsam sollte ja eigentlich jeder wissen, was ihn bei einem Ritual dieser Combo erwartet. Doch das ist ein weiterer faszinierender Aspekt an The Devil’s Blood: Es ist ihnen vollkommen egal, was vor der Bühne abgeht, sie ziehen kompromisslos ihr Ding durch und wollen einfach nur spielen. Ob die Band dabei nun vom Teufel besessen ist oder nicht – fest steht, sie steigert sich in einen mindestens ebenso starken Rausch hinein wie der Teil des Publikums, der sich auf den Auftritt einlassen kann. 

Erneut wird somit des Weiteren auch wieder deutlich, dass es schwer ist, über diese Gruppe objektiv zu berichten. Für meine Wenigkeit ist es schon jetzt eines der besten Konzerte dieses Jahres; überbordende Spielfreude, ein grandioser Sound, eine fantastische Setlist (bei der nur noch „The Anti-Kosmik Magick“ zur vollständigen Glückseligkeit fehlt) und eine überragend singende Farida lassen diesen Freitag, den 13. Januar 2012, unvergesslich werden. Ich könnte mir die Band glatt am nächsten Tag gleich wieder ansehen! 

Setlist:

  • Unending Singularity (Intro)
    On The Wings Of Gloria
    River Of Gold
    Fire Burning
    The Thousandfold Epicentre
    The Time Of No Time
    Evermore
    Rake Your Nails Across The Firmament
    Come, Reap
    The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood
    Cruel Lover
    Die The Death
    Voodoo Dust
    The Madness Of Serpents
    Christ Or Cocaine
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