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The Devil's Blood, Urfaust im Konzert (Hamburg, Januar 2012)

Ein unvergesslicher Freitag, der 13.

Für viele eher gewöhnungsbedürftig: Urfaust

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Der Leibhaftige hält Hof in Hamburg: Die niederländischen Okkult-Rocker The Devil's Blood haben für eines ihrer Rituale in die Markthalle geladen und neben Totenschädeln, Kerzen und jeder Menge Räucherstäbchen die neue Platte „The Thousandfold Epicentre“ im Gepäck. Eine Gelegenheit, die man sich nicht entgehen lässt: Schließlich gelten die sechs Musiker um Bandkopf Selim Lemouchi und seine singende Sirenenschwester Farida gemeinhin als begnadete Liveband mit ganz eigener Atmosphäre. Dass das neue Songmaterial ebenfalls nicht zu verachten ist, kann der interessierte Leser gerne der The-Pit.de-Review entnehmen. Grund genug also, den Weg zur unheiligen Stätte anzutreten – selbst wenn man von dem von Selim stets beängstigend sachlich und geradezu plausibel vertretenen Satanismus-Zinnober nicht allzu viel hält. Als Support haben The Devil's Blood ihre Landsmänner und Labelkollegen Urfaust mitgebracht – vom Namen her passt das ja schon mal ganz gut. Ob's sich auch musikalisch so gut fügt? Dank des Hinweises eines Besuchers auf den Musikstil („Joa...so...Doom-Black-Metal...oder so“) gibt es da zunächst noch Zweifel.

Urfaust

Kurz vor 21 Uhr: Die Location als voll zu bezeichnen, wäre eine Übertreibung, aber eine ganz ansehnliche, größtenteils langhaarige und teils „bekuttete“ Menschenmenge hat sich bereits vor der Bühne eingefunden. Ein Roadie bringt noch eine dampfende Schale mit Weihrauch, zündet die Kerzen auf dem kleinen Altar vor dem Schlagzeug an und wenig später riecht die Markthalle wie eine Kapelle nach der Messe. Atmosphäre ist eben alles – nicht nur für den Hauptact.

Pünktlich um neun betreten Urfaust die Bretter. Nur zwei Musiker; Gitarre, Gesang, Schlagzeug – mehr nicht. Auf dem Platz des nicht vorhandenen Bassisten steht die Weihrauchschale, dahinter ein zweiter Gitarrenverstärker – für den Druckausgleich. Duoauftritte sind ja immer vor allem deswegen interessant, weil sie gerne beweisen, dass es nicht zwingend einen Tieftöner braucht, um ordentlich Krach zu schlagen. Als Urfaust loslegen, ist der erste Eindruck leider ein anderer: Der Gitarrensound ist bis zur Unkenntlichkeit verzerrt, extrem höhenlastig und im tiefen Spektrum eindeutig unterbesetzt. Das Schlagzeug versucht diesen Mangel mit mörderischer Basslastigkeit zu kompensieren, was aber nur bedingt gelingt, obwohl jeder Bassdrumschlag den Boden erzittern lässt. Sehr gewöhnungsbedürftig das Alles, mindestens. Auch als Gitarrist und Sänger IX die Stimme erhebt, ändert sich an diesem Eindruck zunächst wenig: Über dissonanten und schleppend langsamen Black-Metal-Riffs lässt der Kerl eine Mischung aus Operngesang, Vogelkreischen und Screaming hören; Texte sind nicht einmal fragmentweise zu erahnen. Ungewöhnlich, keine Frage, aber der Bass fehlt immer noch.

Kurze Double-Bass-Passagen füllen das Soundloch immer mal wieder, doch bleiben sie die Ausnahme. Die meiste Zeit bleibt Drummer VRDRBR bei einem einzigen, fast schon provokant simplen und kaum variierten Beat, den er unter eigentlich jeden Song legt. Darüber schrammelt IX seine Kreissäge und gibt den Operntenor. So gemein das alles klingt – eigentlich ist völlig klar, was Urfaust hier versuchen: Die überlangen, bewusst monotonen und repetitiven Songs sollen den Hörer fesseln, ihn in eine Trance ziehen und ihn ganz in der mystisch-trostlosen Atmosphäre aufgehen lassen. Das funktioniert immerhin in Ansätzen: In den vorderen Reihen wird jeder Bassdrumschlag zum Anlass genommen, heftig mit dem Schädel zu nicken. 

Auf Dauer ist das Geschehen leider viel zu anstrengend um irgendwie hypnotisch zu wirken, was vor allem am völlig zermatschten Gitarrensound liegt. Einmal hat selbst VRDRBR Probleme festzustellen, welches Riff sein Kollge am Mikrofon da gerade spielt. Vermutlich funktioniert der wilde und durchaus innovative Black-Metal-Crossover der beiden Musiker auf Platte tatsächlich wie intendiert. Für den Liveauftritt kommen leider nur Adjektive wie „anstrengend“ und „gewöhnungsbedürftig“ in den Sinn – sicher nicht die Attribute, die man sich als Band wünscht. Nach knapp 35 Minuten ist der Spuk dann auch schon wieder vorbei. Für die Kopfnicker in den vorderen Reihen ist das natürlich viel zu kurz; für andere war der Auftritt des Duos die wohl längste halbe Stunde ihres Lebens. Das frühe Ende kommt aber selbst für die Band etwas unvermittelt: Im einen Moment wartet VRDRBR noch auf den Einsatz zum nächsten Song, im nächsten dreht er kurz den Kopf zur Seite um irgendeine Nachricht aus dem Backstagebereich zu erhalten – dann steht er auf, winkt kurz und ist, zusammen mit seinem Kollegen, verschwunden. Das war's. Und während sich die Roadies der logistischen Herausforderung stellen, das Bühnenequipment von zwei Musikern auf deren sechs umzustellen, übergießen sich hinter der Bühne vermutlich bereits The Devil's Blood mit frisch aufgetautem Schweineblut.

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann