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The Devil's Blood, Griftegård, Verdunkeln im Konzert (Flensburg, November 2009)

Gekürzter Set des Headlines, ein lahmes Publikum - dennoch insgesamt ein gutes Konzert

Kürzten ihren Set um eine gute halbe Stunde: The Devil's Blood

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The Devil’s Blood

Diesmal dauert die Umbauphase ein wenig länger, auch weil The Devil’s Blood erst noch die Amps oben abkleben, um darauf unzählige Kerzen zu platzieren und an den Monitorboxen Räucherstäbchen befestigen. Die Niederländer bezeichnen ihre Konzerte ja stets als „Rituale“ und dieses Gefühl wird einem – egal, was man sonst von dem, was Bandkopf SL so von sich gibt, auch halten mag – auf diese Weise schon irgendwie vermittelt.

Die Vorfreude steigt außerdem mit einem Blick auf die Setlist, die auf der Bühne ausgelegt wird und wir ergattern uns schnell einen Platz in Reihe eins, denn man muss zugeben, dass es nun zumindest vor der Bühne tatsächlich ein bisschen voller wird – von ausverkauftem Haus kann allerdings bei weitem nicht die Rede sein.

Um ziemlich genau 23 Uhr betritt das blutübergossene Sextett dann die Bühne und legt mit „Come, Reap“ und „River Of Gold“ furios los. Die drei Gitarren sind gut aufeinander abgestimmt und inzwischen ist der Sound fast perfekt – wenn auch der Gesang ein wenig lauter sein dürfte. Zweifelsohne jedoch hat der Gig wirklich etwas Rituelles, Magisches und das liegt nicht nur an den Kerzen und den Räucherstäbchen: Die Musik wirkt wie ein Rausch und wenn wir den Gitarristen nicht gerade mal auf die Finger gucken, schließen wir einfach nur die Augen und bangen.   

Verwirrung kommt dann allerdings auf, als nach dem – im Vergleich zum sonstigen Material – etwas fröhlicher anmutenden „I’ll Be Your Ghost“ „The Graveyard Shuffle“ dargeboten wird, obwohl auf der Setlist doch dazwischen eigentlich „Queen Of My Burning Heart“ vermerkt ist. Egal, das wahnsinnig groovende, mit großartigen Hooklines versehene „Evermore“ und das mit herrlichen Harmoniegitarren ausgestattete „A Waxing Moon Over Babylon“ versetzen einen gleich wieder in einen unvergleichlichen Rausch – es gibt kein vergleichbares Gefühl wie das, direkt vor der Bühne zu stehen und nichts zu spüren als die Musik, wenn sie den Körper durchfließt und die gesamte Konzentration nichts anderem gilt. Noch dazu, wenn alle Songs ohne Pause ineinander übergehen und keine einzige Ansage gemacht wird. Sängerin F posiert einfach nur mit ausgebreiteten Armen vor dem Mikrofon, singt und starrt auf irgendeinen imaginären Punkt auf der anderen Seite der Halle; nur bei den ausgiebigen Instrumentalpassagen, welche bei „Rake Your Nails Across The Firmament“ und „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“ in minutenlangen Jams ihren Höhepunkt finden, dreht sie sich zu dem Schlagzeuger um und bleibt dort wie festgewurzelt mit dem Rücken zum Publikum stehen. Diese stoische, kalte Ruhe kann auch eine kleine Beulerei, die sich unmittelbar vor ihren Augen abspielt, nicht erschüttern: Zwei Leute kriegen sich in die Wolle und die Situation steht kurz vor der Eskalation; zum Glück können die Umstehenden dies verhindern. All dies scheint F (und auch die restlichen Bandmitglieder) nicht zu tangieren; sie starrt weiterhin ins Leere und singt. Dieser Frau haftet zweifelsfrei etwas Faszinierendes, gleichzeitig aber auch Beängstigendes an.

Böses ahnen wir dann, als Bandchef SL nach dem psychedelischen „House Of 10.000 Voices“ einen kurzen Blick auf die andere Seite der Bühne wirft, wo die beiden anderen Gitarristen stehen, und plötzlich „Voodoo Dust“ zum Besten gegeben wird, statt die auf der Setlist notierten Stücke „White Faces“ und „The Anti-Kosmik Magick“. Hat er seinen Kollegen da einen Wink gegeben, dass diese beiden Songs auch noch ausgelassen werden sollen? Haben die einfach keinen Bock heute? – Anscheinend, denn „Voodoo Dust“, das schon in der Studioversion eigentlich zehn Minuten lang ist, wird lediglich fragmentarisch dargeboten und danach wird mit dem geil rockenden „Christ Or Cocaine“ tatsächlich der finale Track gespielt.

Sängerin F verlässt noch während des Songs die Bühne und nach den ausgiebig ausgewalzten letzten Akkorden lehnt die Instrumentalfraktion ihre Instrumente gegen Drumpodest beziehungsweise Verstärker, erzeugt so eine massive Rückkopplungsorgie, wie sie es standardmäßig tut, und begibt sich ebenfalls in Richtung Backstageraum. Einige Rufe nach Zugaben und „give us some more“ werden zwar laut, doch es ist ziemlich klar, dass The Devil’s Blood nicht noch mal wiederkommen werden.

Irgendwie schon ein bisschen ärgerlich, da man statt anderthalb Stunden nur eine geboten gekriegt hat – vor allem, wenn man extra über 150 Kilometer dafür gefahren ist. Das Konzert war trotzdem geil und mein Kumpel und ich sind uns dennoch einig, dass wir den Weg nicht umsonst gemacht haben, aber ein leicht fader Beigeschmack bleibt. Man darf spekulieren, warum die Band drei Songs ausgelassen und einen nicht vollständig gespielt hat. Hatten sie keinen Bock darauf, dass sich Leute direkt vor der Bühne beulen oder war ihnen das Publikum einfach zu lahm? Letzteres ist vielleicht noch plausibler, denn Idioten, die meinen, sich kloppen zu müssen, gibt es leider überall (und die einem damit fast den Spaß verderben, denn so ein unerfreuliches Ereignis wirkt sich negativ auf die Stimmung aus und stört gerade bei solch berauschender Musik enorm). Außerdem durfte man wohl wirklich selten ein so langweiliges Publikum wie hier und heute in Flensburg (das ansonsten wirklich ein hübsches Städtchen ist, ich will hier nichts gegen die Einwohner oder die Stadt selbst sagen) erleben. Wenn ich mir überlege, wie es im Juli im Hamburger Ballroom abgegangen ist... – und da hatten die Holländer das Album noch nicht mal draußen!

Zur Verteidigung der Zuchauer sei zwar gesagt, dass der Laden noch nicht mal halb ausverkauft war, was angesichts des Erfolges von The Devil’s Blood sehr enttäuschend ist, aber gerade dann muss jeder einzelne eben um so mehr Stimmung machen. Ob die Band daher hier noch mal spielen wird, ist wohl eher fraglich. Auch darf man gespannt sein, wie sie sich auf dem nächstjährigen Rock Hard Festival machen wird, denn diese Combo mit ihren rituellen Praktiken gehört im Prinzip in kleine Clubs.

Bezeichnend ist auf jeden Fall die Tatsache, dass, als ich die Jacken für meinen Begleiter und mich, sowie meinen Rucksack von der Garderobe abhole (und ich bin dort der Erste), der Typ sagt: „Okay, damit habe ich 60 Prozent der Garderobe abgegeben – hier ist nur noch eine Jacke und ein Rucksack.“

The Devil’s Blood – immer wieder gerne, aber nicht wieder hier, in dieser Location

- Come, Reap
- River Of Gold
- I’ll Be Your Ghost
- Queen Of My Burning Heart (nicht gespielt)
- The Graveyard Shuffle
- Evermore
- A Waxing Moon Over Babylon
- Rake Your Nails Across The Firmament
- The Heaven’s Cry Out For The Devil’s Blood
- House Of 10.000 Voices
- White Faces (nicht gespielt)
- The Anti-Kosmik Magick (nicht gespielt)
- Voodoo Dust
- Christ Or Cocaine

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