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The Chariot, Mychildren Mybride, Doyle im Konzert (Hamburg, April 2011)

Christlicher Höllenlärm!

Sänger Josh beim Brüllen mit den Fans

Zum Thema

 

The Chariot

Während der kleinen Umbaupause begaben sich die Headliner des Abends auf die Bühne und bauten ihr Equipment auf. The Chariot – eine unglaublich lustige Truppe aus Douglasville, Georgia (USA), welche man in das Genre des Mathcore einordnen könnte.
Die Band entertainte das aufgeregte Publikum mit irgendwelchen kleinen Geschichten und kassierte viele Lacher. Der Großteil der Leute ist wahrscheinlich für die fünfköpfige Band gekommen und wartete gespannt und voller Vorfreude auf das kommende Fest (oder doch eher Schlacht?). Wie zuvor geschrieben, war die Bühne nicht sonderlich geschmückt, es kann viele Gründe dafür geben, doch einer der wichtigsten Gründe waren wohl The Chariot selbst, welche mit ihren Körperakrobatiken, Roundhousekicks und sonstigen Bewegungen, alles im Radius von einem Meter vernichten würden.

Die Instrumente waren nun ordnungsgemäß aufgebaut und auch die Lautsprecher und die Mikrofone standen noch auf ihren Plätzen. Ein lustiges Intro leitete die Show ein und urplötzlich brüllte Sänger Josh Scogin in das Mikrofon. „Back To Back“ aus ihrem 2007er Album „The Fiancée“ war der Opener eines (positiv) chaotischen und äußerst turbulenten Abends.

Die Band drehte völlig ab, rastete vollkommen aus, das Publikum hatte nach diesem Moment gelechzt und tat es der Band gleich! Der Moshpit glich einer Schlacht und so unmittelbar wie der Song begann, so abrupt endete er auch nach ungefähr einer Minute und dreißig Sekunden. Ein Riesenapplaus erwartete die Jungs nun, welche nach ihrem heftigen körperlichen Einsatz gerade erst warm wurden. „The Deaf Policemen“ aus demselben Album wurde als nächstes gespielt und die Musiker auf der Bühne verschmolzen mit dem Publikum. Nacheinander bewegten sich die Bandmitglieder mit in den Pit, schleuderten ihre Instrumente umher, sodass man noch von weitem Zuschauen irgendwie die Befürchtung hatte, von einer Gitarre hart getroffen zu werden. Die extrem harten Fans schreckte das natürlich nicht ab, sodass sie weiterhin Pogo betrieben, als gäbe es kein Morgen mehr. „Calvin Makenzie“ aus ihrer aktuellen LP „Long Live“ war der nächste Oberkracher auf der Setlist und der eine oder andere Stagediver verirrte sich in dem kleinen Club über den Köpfen der Leute. Immer mal wieder fielen Männer zu Boden, weil sie gestolpert waren oder geschubst wurden, doch wurde ihnen selbstverständlich wieder auf geholfen.

Die christliche Band weiß definitiv, wie man Menschen anstachelt, Krawall zu machen. Irgendwann entdeckte man zudem eine arme, rumhängende und unschuldige Diskokugel, welche dann zwischenzeitlich als Punchingball genutzt wurde. Es schien, als würde das Hafenklang Hamburg in wenigen Minuten auseinanderfallen.

Nach „The Audience“ wurde eins der bekannteren Liedern von The Chariot gespielt, „Teach“, aus dem Album „Wars And Rumors Of Wars“. Die Fans waren selbstverständlich textsicher und schrien jeden Satz und jedes Wort lauthals mit. „Victory is such a lonely word!“ hörte man es im Club rufen. Einige Fans begaben sich auf die Bühne und warfen bzw. schleuderten sich einfach in die Menge – spektakulär! Bei dem Song „David De La Hoz“ flogen nicht nur die Männer und die Haare umher, sondern auch die Instrumente. Keiner hatte genau gesehen was passiert war, doch mitten im Song flog ein schwarzes Ding, genannt Gitarre, von der Bühne, in die Arme eines vorbereiteten Fans, welcher das schwebende Instrument sicher auffing. Grinsend posierte er vor der Kamera seines Freundes, bevor er dem eigentlichen Besitzer sein gutes Stück zurückgeben musste.

„The City“ war der nächste Song, der auf dem Plan stand. Die Band schredderte nur in ihre Instrumente ein, es sah fast so aus, als würden sie Gewalt ausüben, sie joggten, sie sprangen, sie drehten sich, sie bewegten sich und nutzen den gesamten Raum, oder machten sich einfach Raum. Sänger Josh fiel – absichtlich - zu Boden, ließ das Mikrofon fallen und lag für einige Zeit einfach auf dem Boden, kroch in Richtung Schlagzeug und stand gegen Ende des Songs wie ein um den Tod ringender Mensch wieder auf.

„Daggers“ war das nächste Lied, das gespielt wurde und auch hier ging es im Pit natürlich drunter und drüber. Man fragte sich nach einiger Zeit, wann eigentlich Blut fließen würde – bei so einer extrem brutalen Show hätte es doch schon längst tote, oder zumindest stark verletzte Menschen geben müssen. Und wie gerufen, hockte der erste, aber auch einzige, blutige Fan mit einem Taschentuch an der Stirn haltend vor der Bühne. Anstatt sich zu kurieren oder sich zumindest in Sicherheit zu begeben, stand er wie eine Eins in Reihe Null und vergaß zwischenzeitlich wohl, dass er sich verletzt hatte. Stattdessen grölte und brüllte er die Songtexte mit und repräsentierte wahrscheinlich die Band und die gesamte Fangemeinde am allerbesten. Er hatte einfach seinen Spaß und vergaß alles um sich herum, so wie eigentlich jeder an diesem grandiosen Abend.

Nach dem Song „Yanni Depp“ mussten die Fans stark bleiben, da das letzte Lied für den Abend gespielt werden sollte. „And Shot Each Other“ nennt sich das gute Stück und bevor alle ihre letzten Kräfte mobilisierten, bedankte sich der Frontmann herzlichst bei allen Anwesenden für die tolle Show und natürlich für das Erscheinen. Der Streitwagen (engl. The Chariot) zog sich langsam zurück, und während der Song noch lief, baute Sänger Josh nebenbei das Schlagzeug Stück für Stück ab.
Neben der Musik machte dieses Chaos, diese Übertreibung, das Exzentrische The Chariot zu einer unglaublich unterhaltenden Liveband. Eine absolut gelungene Show ging leider zu Ende – ein extrem zufriedenes Publikum stürzte sich an die Merchandising Stände oder ging an die Bar. Der eine oder andere fand auch noch das Gespräch mit der Band – sie alle hatten eines gemeinsam: Sie wollten noch nicht, dass der Abend endet. Verständlich!

Setlist:

  • Back to Back
  • The Deaf Policemen
  • Calvin Makenzie
  • The Audience
  • Teach
  • David De La Hoz
  • The City
  • Daggers
  • Yanni Depp
  • And Shot Each Other

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