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Tarja im Konzert (Köln 2008)

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Nachdem Tarja letztes Jahr bei ihren Warm Up Gigs schon in Köln einen Stopp gemacht und wahrlich für eines der besten Konzertereignisse in 2007 gesorgt hatte, war natürlich schon im Vorfeld klar, dass wir ihr Versprechen, 2008 wieder nach Köln zu kommen, ernst nahmen und mit Kamerea und Stift bewaffnet aufliefen. Aber irgendwie startete der Abend recht befremdlich. Klar war, als wir die Halle betraten, dass es wohl keine Vorband geben würde, da die Bühne nur das Tarja Setup beherbergte.

 

Doug Wimbish, Tarja`s Bassist enterte die Bühne und erzählte, dass er der Bassist und DJ sei und begann einen ca. 40-minütigen Gig (???), bei dem er zeitweise von Tarjas Mitstreitern am Bass, Gitarre, Cello und Schlagzeug begleitet wurde. Man durfte sehr froh sein, dass das Publikum derart friedlich blieb und sich damit begnügte, Höflichkeitsapplaus zu verteilen. Man hatte allerdings irgendwie auch so ein bisschen den Eindruck, als ob diese Vorstellung mehr eine Art Notgeburt denn eine geplante Aktion gewesen sein muss. Dies jedenfalls konnte man teilweise aus den Gesichtern auf der Bühne heraus deuten. Die Musik ging eigentlich komplett am Publikum vorbei, trotzdem blieb man friedlich und nur vereinzelte „Aufhören“ oder „Tarja“ Rufe schallten durch das nicht volle E-Werk.

 

Nach diesem Fiasko freute man sich dann umso mehr auf Tarja. Dies allerdings auch unglaublich lange. Man stelle sich vor, die letzten Töne des vorhergehenden Zeitvertreibes sind verstummt, was ja auch gut war, aber auf der Bühne wird natürlich nichts umgebaut, da ja zuvor alles schon für den Tarja Gig vorbereitet worden ist. Nach 15 Minuten passierte immer noch nichts. Eine gewisse Unsicherheit machte sich von nun an breit. Auch nach 30 Minuten war nicht zu erkennen, dass das eigentliche Konzert endlich beginnen würde. Es kamen erste düstere Schwingungen, dass Tarja vielleicht nicht auftreten werde. Zu ungewöhnlich und zu langweilig war dieser Konzertabend bisher verlaufen.

 

Aber nach fast einer dreiviertel Stunde war es dann endlich soweit: Tarja und Band bestiegen die Bühne und verwandelten den arg gelangweilten Konzertsaal in eine Turunenfestung. Schon bei den ersten Klängen von „Lost Northern Star“ war klar, warum die Leute gekommen waren. Tarja schien zwar nicht ganz so gut gelaunt zu sein wie noch vor einem halben Jahr beim Konzert in der Live Music Hall, aber dennoch bewies sie allen Anwesenden, welch eine tolle Ausnahmesängerin sie ist.

 

Ohne große Pause ging es weiter mit „My Little Phoenix“ Das weiß-schwarze Gewand, in das sie sich dafür gehüllt hatte, sah nicht nur gut aus, sondern verstärkte noch die Intensität der Scheinwerfereinsätze. „Passion & The Opera“ und „Minor Heaven“ sorgten für weiteren Anstieg des Geräschpegels in der Halle. Da die Fotograbenzeit beendet war, durchforstete ich die Halle und musste leider feststellen, dass der Sound auf der rechten Seite der Bühne doch irgendwie relativ wenig Bass lieferte.

 

Egal, man war schließlich wegen Tarja`s klarem Gesang gekommen. „Nemo“ wurde natürlich im roten Mantel zelebriert und dass danach schon der Single Hit „I Walk Alone“ folgte, war schon etwas verwunderlich. Aber so hatte man das Publikum, welches leider die Halle nicht annähernd füllte, vollends im Griff. Dank der Publikumsovationen war Tarja inzwischen auch gut aufgelegt. Der weiße Wintermantel ist schon eine Augenweide, auch wenn er ebenso schnell wieder verschwunden war und Tarja im schwarzen Rock mit rotem Korsagenoberteil wieder auf der Bühne erschien.

 

„Ciaran`s Well“ und „Our Great Divide” sollten dann aber nur die Wegbereiter für das nächste Highlight sein. Mit dem alten Gary Moore Klassiker „Over The Hills And Far Away“, den Tarja mit ihren Jungs von Nightwish in 2001 erstklassig in Szene gesetzt hatten, erntete Tarja den größten Applaus des Abends. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Aber das Publikum gab alles, man hatte ja im Vorfeld fast 90 Minuten lang Kraft sammeln können, um hier richtig Gas zugeben. „The Reign“ und „Sing For Me“ wurden dann natürlich gleich mit abgefeiert und das, obwohl Tarja bei „The Reign“ merklich die richtig hohen Tonlagen mied. Seltsam, denn im kompletten restlichen Repertoire scheute sie sich nicht, ihre Stimme bis in höchste Tonlagen zu versetzen. Zu „Oasis“ setzte sich Tarja natürlich hinter das Keyboard und spielte das generierte Klavier. Stark und immer wieder eine Garantie für Gänsehaut. Als dann Alice Cooper`s „Poison“ erklang, wurde nochmal kräftig vom Publikum mitgefeiert.

 

Dann war erstmal Schluss und die Band ließ sich recht lange bitten, um wieder auf die Bühne zu kommen, um mit „Wishmaster“ wieder in die Vollen zu gehen. Interessanterweise schien man in der Zwischenzeit die Lautsprecher rechtsseitig der Bühne repariert zu haben, und so kam plötzlich mächtig Druck aus den Membranen; der vorher zaghaft hörbare Bass war nun so psäsent, dass man jede einzelne Note spüren konnte. Schade, dass das nicht von Beginn an geklappt hat. „Die Alive“ sorgte dann für das zweite Ende des Gigs.

 

Aber klar, dass Tarja auch nun noch nicht die Halle verlassen durfte. Und das lag bestimmt nicht nur an ihrem schönen schwarzen Outfit mit den weiten Ärmeln. Nein, ohne „Calling Grace“ wird Tarja wahrscheinlich niemals die Bühne verlassen dürfen. Schön, dass dann diese Auftaktkonzert in Deutschland doch richtig gut geriet. Tarja war sichtlich zufrieden und man verabschiedete sich als komplette Band Arm in Arm vom Publikum.

 

Setlist Tarja:

 

Lost Northern Star

My Little Phoenix

Passion & The Opera

Minor Heaven

Nemo

I Walk Alone

Ciaran`s Well

Our Great Divide

Over The Hills

The Reign

Sing For Me

Oasis

Poison

Wishmaster

Die Alive

Calling Grace

 

Man kann es nicht anders sagen: Es war ein tolles Konzert, wenngleich es doch einige Unstimmigkeiten gab. Eine, wenn man ehrlich ist, fehlende Vorgruppe mit einer Jamsession zu ersetzen, kann zwar reizvoll sein, aber das war es an diesem Abend ganz sicher nicht. Lautsprecherprobleme und ein Lichttechniker, der bei weitem nicht soviel Atmosphäre in das E-Werk zu zaubern verstand wie noch im Dezember in der Live Music Hall, sorgten nicht für zusätzliche Begeisterung. Auch wenn Tarja mit ihrer Begleitband für vieles entschädigte, so waren doch einige Besucher etwas missmutig angesichts der knapp 90 Minuten Spielzeit echter Musik bei einem Ticketpreis von ca. 35 Euro.

 

Wer Tarja auf Solopfaden bislang noch nicht live erleben durfte, war sicher trotzdem begeistert, beim Rest bin ich mir nicht so sicher. Allerdings soll Tarja nach dem Konzert noch rausgekommen sein und hat fleißig und gut gelaunt Autogramme geschrieben. Trotzdem freuen wir uns schon darauf, wenn sie zukünftig wieder einmal den Weg nach Köln finden wird, denn bei allem sollte man nicht vergessen, dass es sich hier um den Tourauftakt handelte.

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