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Symphony X, Pagan's Mind, DGM im Konzert (Hamburg, September 2011)

Dreimal volle Prog-Power!

Russell Allen bewies einmal mehr, was für ein Tier er auf der Bühne ist

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Symphony X

Nachdem die Umbauphase zwischen DGM und Pagan's Mind erfreulich schnell vonstatten ging, dauert es im Folgenden ein wenig länger, bis die Band, wegen der der größte Teil heute anwesend ist, die Bühne betreten kann – was unter anderem daran liegt, dass erst noch das zweite Schlagzeug, auf dem die Drummer der ersten beiden Gruppen gezockt haben, weggeschafft werden muss.

Erst kurz nach halb elf – man hat sich bereits die Beine in den Bauch gestanden, aber den Platz in der ersten Reihe will man natürlich nicht aufgeben – ist alles in trockenen Tüchern und unter lautem Jubel entert das Quintett aus New Jersey die Bretter. Wie eingangs erwähnt, klaffen immer noch einige Lücken im Publikum (selten konnte man wohl so entspannt in der ersten Reihe stehen, ohne die Gefahr, von hinten ständig angerempelt zu werden), das Knust ist an diesem Abend also weit davon entfernt, ausverkauft zu sein, doch die Stimmung ist weiterhin superbe. Natürlich haben die beiden Supportacts ganze Arbeit geleistet und die Fans richtig heiß gemacht, doch auch wenn dies nicht der Fall gewesen wäre – Symphony X haben immer noch einen Russell Allen als Frontmann und man kann nicht oft genug betonen, was für eine Rampensau dieser Typ ist. Nicht nur mit seinem charismatischen Auftreten und seiner unglaublichen Stimmgewalt kann er beeindrucken, er hat im Laufe der Jahre auch immer mehr an seiner Kommunikation mit dem Publikum gearbeitet und weit mehr auf der Pfanne als die üblichen „Sing louder“, „fucking awesome“, etc.

Als nach den ersten paar Songs des Sets – die allesamt vom neuen Album stammen – die ersten „Symphony“-Sprechchöre aufbranden, erklärt er voll ehrlicher Freude, er liebe diesen Teil der Konzerte, nämlich dann, wenn das Publikum richtig aufgetaut sei und anfängt zu singen, obwohl es selbst gar nicht wisse, was. Erst nach ein paar Sekunden Hörens auf die skandierende Masse hakt er noch einmal nach und fragt: „What does that mean? – Ah, Symphony!“

Besonders angetan hat es ihm ein Fan, der sich ein „Corpsepaint“ der besonderen Art aufgelegt und sich das Gesicht entsprechend den Masken auf älteren SX-Alben geschminkt hat. Von dessen Nachbarn will der Sänger sogleich wissen, ob dieser ihm beim Schminken geholfen habe. Da dieser den anderen aber gar nicht kennt, macht er nur eine verneinende Geste, woraufhin Allen meint: „Well, it’s not gay or anything“, zu Gitarrist Michael Romeo geht und mit den Worten „Hey, you got there something“ so tut, als entferne er etwas aus dessen Gesicht – die Lacher sind vorprogrammiert. Die unfreiwillige Aufmerksamkeit, die der geschminkte Fan erlangt hat, wird später übrigens noch mit dem Ergattern eines Drumsticks belohnt.

Beeindruckt zeigt sich Allen auch von der Treffsicherheit eines Anhängers, der mitten im Set „When All Is Lost“ als nächstes Stück vorschlägt, als der Frontmann in die Runde fragt, was man denn wohl als folgenden Song erwarten würde. Als jemand „The Odyssey“ nach vorne brüllt, kontert er allerdings lediglich mit einem lapidaren „Keep your pants on“ – na ja, man wird ja noch träumen dürfen…

Doch apropos „The Odyssey“: Der Song „Inferno (Unleash The Fire)“ von eben jener Langrille ist neben dem unkaputtbaren „Of Sins And Shadows“ der einzige Track etwas älteren Datums, ansonsten ist man ausschließlich auf die letzten beiden Alben fokussiert. Hiermit hat man den livehaftigen Beweis dafür, dass Bandkopf, Hauptsongwriter und Teufelsgitarrist Michael Romeo die zwei letzten Scheiben als seine Lieblingsalben auserkoren hat. Zweifellos handelt es sich bei „Paradise Lost“ und „Iconoclast“ um zwei klasse Platten, gar keine Frage, aber ein bisschen mehr älteres Material hätten sich die meisten wohl schon gewünscht – allein dass die ersten acht Stücke alle dem neuen Album entnommen sind, scheint leicht übertrieben, doch da die Fans ihre Hausaufgaben gemacht haben und auch diese neuen Nummern bereits ordentlich mitgrölen, muss sich die Band sicherlich nicht vorwerfen lassen, bei der Songauswahl komplett danebengelegen zu haben. Und neben Headbanger-Orgien à la „The End Of Innocence“, „Dehumanized“ (hier wankt Russell Allen wie ein Zombie über die Bühne) oder „Bastards Of The Machine“ ist vor allem das unglaublich geniale „When All Is Lost“ das Highlight dieses Konzerts – da kribbelt einem eine Gänsehaut nach der anderen die Arme entlang, man steigert sich angesichts dieser herrlichen Melodien in Ekstase und ist den Tränen nahe. Für mich ungelogen vielleicht der Song des Jahres.

Nach bereits erwähntem „Of Sins And Shadows“ ist vorerst Schicht im Schacht, aber wie zu erwarten war, kehrt die Band noch einmal auf den Schauplatz zurück, um drei Zugaben zu präsentieren. Hier wird dann der „Paradise Lost“-Block eingeläutet, denn „Eve Of Seduction“, „The Serpent's Kiss“ und „Set The World On Fire“ stammen allesamt vom 2007er Werk, und bei letztgenanntem Lied macht Russell Allen ein weiteres Mal seinen Zombie-Move, schleicht sich an Romeo heran und hält ihm die Augen zu, während dieser spielt. Der amüsiert sich nur über diesen Gimmick und daddelt gewohnt weiter, als wäre nichts los. Dennoch muss hinzugefügt werden, dass der Band im Laufe des Gigs so einige Spielfehler unterlaufen, man merkt, dass sie noch in der Frühphase der Tour steckt und nicht alles hundertprozentig läuft. Dies soll allerdings nicht als Grund zur Klage missverstanden werden, denn es handelt sich nur um kleine unbedeutende Schnitzer und außerdem meint ein Kumpel auf dem Heimweg zu Recht, dass man so immerhin vorgeführt bekommt, dass auch diese Übermusiker immer noch auch nur Menschen sind. So oder so: Trotz eines, für den Geschmack des ein oder anderen, etwas zu starken Fokus auf die neue Platte hat die Band wieder einmal für ein tolles Konzert gesorgt, doch die beiden sehr guten Vorgruppen hatten ebenfalls ihren Anteil an einem gelungenen Abend. Wann kann man außerdem mal behaupten, dass der Sound tatsächlich bei allen Bands einwandfrei war?

Setlist:

Iconoclast
The End Of Innocence
Dehumanized
Bastards Of The Machine
Electric Messiah
When All Is Lost
Children Of A Faceless God
Heretic
Inferno (Unleash The Fire)
Of Sins And Shadows
------------------------------------
Eve Of Seduction
The Serpent's Kiss
Set The World On Fire (The Lie Of Lies)   

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