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Summer Breeze 2010

Der große Abschluss der Festivalsaison

The Foreshadowing sind etwas zu lahm für den frühen Morgen

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Heaven Shall Burn

Im Hintergrund der großen Mainstage präsentieren sich die Backdrop-Banner von Heaven Shall Burns „Iconoclast“  groß und beeindruckend, und vor der Bühne ist bereits eine unwahrscheinlich große Menge an Menschen, die sich eng aneinander reihen und auf den Kracher des Metalcore und heimlichen Headliner des gesamten Festivals zu warten.

Als Heaven Shall Burn unter lauten Sprechchören die Bühne betreten und mit „Architects Of The Apocalypse“ einen starken Einstieg bieten, sind die Fans nicht mehr zu halten. Mit den ersten Tönen kommt Bewegung in die Menge, die sich wie eine Splitterbombe durch die gesamte Menschentraube zieht.

Heaven Shall Burn geben auf der Bühne währenddessen mehr als nur Vollgas und verausgaben sich vom ersten Moment an wieder vollkommen, wobei ihnen die Zufriedenheit ins Gesicht geschrieben steht. „The Weapon They Fear“ und „Counterweight“ werden als starke Klassiker hinterher geschossen, um die Fans auch bei guter Laune zu halten. Diese stellt sich wie fest programmiert automatisch ein und Heaven Shall Burn scheinen mit ihren brachialen Songs über Massentierhaltung, Krieg und andere kritische Themen wie ein euphorisierendes Elixier auf das rasende Publikum zu wirken. Es fällt jedoch negativ auf, dass durch die Wellenbrecher die Unbeteiligten nicht einfach nach hinten zurückweichen können, um der ausrastenden Meute für ihre Pits Platz zu schaffen, und so herrscht ein unangenehmes Chaos anstelle eines dynamischen Kreises, in dem sich jede Energie aus dem Leib gemosht werden kann.

Mit „Buried In Forgotten Grounds“ und „The Omen“ folgen zwei neue Songs von den sympathischen Thüringern, die sie Ende Mai des laufenden Jahres in die Plattenläden brachten. Das Album brachte sie nicht nur in die Top Ten der deutschen Charts, sondern kommt auch live erstklassig bei den Fans an. Vielen steht der Spaß an den neuen Songs förmlich an den Hals geschrieben, während sie voller Elan die neuen Songs mitbrüllen und ihnen die Adern am Hals zum Bersten anschwellen.

Als dann noch „Awoken“, das Intro zu „Endzeit“ durch das Nunkel der Nacht dringt, ist niemand mehr zu halten. „Endzeit“ bricht wie eine solche über Dinkelsbühl herein und trifft wie ein Blitzschlag genau den richtigen Nerv.

Immer wieder quetschen sich kleine Circle Pits ihren Weg durch die nach wie vor zu enge Menschenmenge und auch Fronter Marcus Bischoff findet Gefallen an dem vielen kleinen Treiben zu seinen Füßen. Mit seinem ungewohnt klingenden Ost-Dialekt spricht er von vielen kleinen, olympischen Ringen. Ihm scheinen die engen Zustände und die negative Auswirkung der Wellenbrecher nicht entgangen zu sein, denn es ist auffällig, dass er sich mit seinen äußerst anspornenden Ansagen zu gigantischen Circle Pits und Wall Of Death heute Abend schwer zurück hält. Statt dessen folgt irgendwann ein „Macht doch was ihr wollt! Aber passt aufeinander auf!“, das vorsichtige Töne mitschwingen lässt. Manche lösen das Problem der Enge auf ihre eigene Art und Weise, indem sie ihre Aktivitäten nach außen verlagern. Dadurch wird auch der Brezelmann mit seinem kleinen, rollbaren Stand ungeahnt Mittelpunkt des Geschehens, als sich plötzlich gut 30 Leute unermüdlich um ihn und sein Verkaufsgut um Kopf und Kragen rennen.

Heaven Shall Burn kosten ihre 75 Minuten Spielzeit mit „Forlorn Skies“, „7th Cross“ und „Behind A Wall Of Silence“ voll aus und bieten nicht nur was für die Ohren, sondern auch etwas für das Auge. Auf der Bühne sind große Leinwände montiert, auf denen zu einigen Liedern passende Videos ablaufen. So laufen bei dem letzten Lied „Black Tears“, das gemeinsam mit zwei weiteren Songs als Zugabe gespielt wird, dicke, schwarze Öl-Tränen über die Leinwände, die das Shell-Zeichen bedecken, als sehr aktuelles Thema, das es mehr als wert ist kritisch dargestellt zu werden. Nachdem auch die letzten Töne verklungen sind, werden Millionen silberner Plastikschnipsel in die Luft geschossen, die sich wie ein berauschender Regen über das staunende und jubelnde Publikum legen.

Heaven Shall Burn haben mit diesem Auftritt einmal mehr bewiesen, dass sie live eine gewaltige Macht sind, und dass ihnen im Metalcore so schnell niemand das Wasser reichen kann. Nass geschwitzt machen sich Fans und Band auf den Weg zu einer kleinen Verschnaufpause.

Setlist:

Intro
Architects Of The Apocalypse
The Weapon They Fear
Counterweight
The Omen
Buried in Forgotten Grounds
Intro + Endzeit
Combat
The Disease
Voice Of The Voiceless
Return To Sanity
Forlorn Skies
Lie You Bleed For
7th Cross
Behind A Wall Of Silence
Unleash Enlightment
To Inherit The Guilt
Black Tears

Gwar

Während die einen noch verschnaufen, haben sich die anderen schon teilweise in weiße Klamotten geschmissen und vor der Pain Stage platziert, um sich das Gemetzel von Gwar hautnah und möglichst feucht anzuschauen. Die Fotografen und Securitys im Fotograben haben sich statt dessen allesamt Regencapes übergezogen, um sich vor Gwar und deren Bühnen-Massaker zu schützen. Alle, denen Gwar bisher kein Begriff war, erfahren bereits beim ersten Lied, mit wem sie es gerade zu tun haben, denn vor ihnen auf der Bühne wird direkt mal Steve Wilkos geköpft, der enthauptet über die Bühne läuft und sein Blut möglichst weit in das Publikum spritzt. Selbstverständlich handelt es sich nur um eine präparierte Verkleidung, die ihre Wirkung nicht verfehlt.

Bei Gwar stehen die Comicartigen Verkleidungen im Vordergrund. Sie auf der Bühne abzumetzeln, ihnen nach und nach Extremitäten abzutrennen, steht auf der Bühne im Vordergrund. Für viele geht es bei Gwar weniger um die Musik, als viel mehr um die ganze, gewaltige Show, zu der Kunstblut und andere, schleimige Flüssigkeiten dazu gehören wie die E-Gitarre zum Heavy Metal. Zum Opfer werden dabei stets allseits bekannte Charaktere, wie Politiker, Osama Bin Laden oder auch der Teufel.

Auch Gwar bieten reichlich etwas für das Auge des Betrachters, denn alle fünf Horror-Trash-Metaller haben sich in ihren Kostümen zu Sciencefiction-artigen Monstern verwandelt, die über alle möglichen und vor allem unmöglichen Themen musizieren. Dabei sind unter anderem kritisch zu betrachtende Themen wie Pädophilie, Suizid, Mord, Paraphilie und Sadomasochismus. Hinzu kommt ein obszöner Sprachgebrauch, der seinesgleichen sucht.

Doch die einstige Studentenband erreicht mit ihrer Musik offenbar das, was sie erreichen will, sei es der jubelnde Zuspruch von den Fans, die sich in Eiter-, Sperma- und Blutimitationen duschen lassen, oder die schockierte und angewiderte Feststellung der Unwissenden, was sich gerade vor ihren Augen abspielt.

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