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Subway To Sally im Konzert (Köln, April 2010)

Akustikkonzert des Spitzenklasse
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Zum zweiten Mal ziehen sich die sieben Brandenburger Mittelalter-Musiker vor ihrem Publikum aus. Jedoch machen sie dies nur musikalisch auf ihrer zweiten Akustiktour.
Nachdem In Extremo im Dezember bereits vorangeschritten sind und ebenfalls mit einer Akustikshow den Tanzbrunnen erfolgreich gestürmt hatten, sind die Erwartungen an Subway To Sally hoch. Der Kölner Tanzbrunnen ist jedenfalls fast vollständig ausverkauft, und vor dem Eingang sind schon lange vor dem Einlass eine Vielzahl an Fans versammelt, die auf einen Sitzplatz in der ersten Reihe hoffen. Und was wäre ein Subway To Sally Konzert, wenn nicht schon dort "Julia und die Räuber" zur Einstimmung geträllert werden würde. Diese lautstarke Tatsache bestätigt die ungewohnte Vorstellung, Subway To Sally im Sitzen zu lauschen, sind ihre Konzerte doch sonst so impulsiv und die Fans immer lautstark in Bewegung.

Im Inneren reihen sich rund 800 Stühle dicht an dicht aneinander und es bietet sich schon ohne Beleuchtung ein stimmungsvolles Bühnenbild, welches die Spannung auf den bevorstehenden Auftritt ansteigen lässt. Eine Art Felsenlandschaft erstreckt sich vor einer düster dargestellten Leinwand und ein dicker, scheinbar vom Blitz zerstörter Baumstamm ragt in der Mitte hervor. Auf ihm sitzen zwei Gesellen in Form zweier Krähen, die den gesamten Auftritt sicherlich aufmerksam verfolgen werden. Ein unbekanntes Gesicht betritt pünktlich die Bühne, setzt sich auf einem der Felsvorsprünge nieder und beginnt auf einer Rahmentrommel das Intro anzustimmen. Alles ist ruhig und bis in die letzte Faser gespannt bis endlich Schlagzeuger Simon Michael die Bühne betritt. Ihm folgen die anderen Bandmitglieder und der Abend beginnt mit "Die Schlacht".

Alle Bandmitglieder sitzen auf Felsen oder Baumstämmen, dass Licht lässt die Atmosphäre noch stimmungsvoller werden, und der Klang der einzelnen Instrumente krabbelt wohlig in die Ohren. Die sieben Brandenburger und die beiden Gastmusiker sind gleich gekleidet. Ganz schlicht und dennoch schick, wie nicht anders zu erwarten in schwarz und mit Chaps zieren sie das Bühnenbild. Lediglich die gute Frau Schmitt fällt aus der Reihe und sieht mit ihrem Hut inklusive Schleppe und einem schwarzen Kleid besonders edel aus. Die Fans jubeln und applaudieren zwar, jedoch scheinen die Stühle eine negative Ausstrahlung auf sie zu haben. Verhalten hocken sie auf ihren vier Buchstaben und lauschen dem Geschehen. Erst nachdem Frontmann Eric Fish seine Stimme an die Besucher der Akustikshow richtet und anmerkt, dass die Sitzplätze nicht zum Sitzen verpflichten, geht bei "Krähenkönig" ein erster Ruck durch die Menge und alle erheben sich um zu klatschen und ein wenig Bewegungsfreiheit auszukosten. Leider hält dieser Schritt in Richtung Losgelassenheit nur bis zum Ende dieses Liedes an und Eric kommentiert das als sehr sittlich, bevor er die beiden Gäste auf der Bühne vorstellt.

Zum Einen wäre da Nora, die das Intro geliefert hat. Sie spielt heute Abend eine Vielzahl an unterschiedlichen Instrumenten, welche der Musik von Subway To Sally eine ganz besondere Note verleihen. Zum anderen steht Cellist B. Deutung mit auf der Bühne und sorgt für einen ganz besonderen Klang. Das Cello wummert gewaltig durch die Boxen und leitet heute Abend viele Stücke mit einer Spannungskurve ein, die sich mit der Einstimmung der anderen Instrumente und dem Gesang von Eric entlädt. Die meisten Lieder, die heute Abend gespielt werden, sind nicht neu, oder nur wenig neu interpretiert. So präsentiert sich zum Beispiel "Kleine Schwester" von dem Album "Engelskrieger" in neuer Gewandung, genau wie "So fern so nah" von dem aktuellem Album "Kreuzfeuer".

Die Fans sind nach wie vor verhalten. Ein Blick in die hinteren Reihen eröffnet eine Sicht in fast finstere Gesichter und nur wenige Lippen bewegen sich zu den Texten. Das ändert sich erst mit "Eisblumen". Zum ersten Mal hört man sogar den Gesang aus den hinteren Reihen, der die Stimme von Eric Fish, die Gitarre und die Geige begleitet. Der Frontmann nutzt die Gelegenheit unwillkürlich aus, und lässt die Zuschauer am Ende den Refrain alleine anstimmen. Im Anschluss daran klärt Gitarrist und Herr der Worte, Bodenski, über die Auswahl der Lieder auf, die sich während der Nackt II Tour auf der Setlist befinden.
Subway To Sally haben sich vorgenommen, kein Lied in die Setlist aufzunehmen, welches bereits auf der Nackt I Tour gespielt wurde. Ob dies auch einzuhalten ist, bleibt fraglich. Das nächste Lied ist angeblich genau 8 3/4 Jahre und sieben Tage alt, auch wenn es auf gut 500 Jahre geschätzt werden würde. Die Rede ist von "Accingite Vos", welches im Chorgesang von Eric, Simon und Bodenski mit einer enorm beeindruckenden Wirkung angestimmt wird. "Wenn Engel hassen" wurde vielfach als Song für die Tour gewünscht und dieser Wunsch wird auch erfüllt. Als Cello und Schlagzeug gemeinsam durch die Boxen hämmern, und darauf folgend die Violine lieblich mit einstimmt, kommen die Fans nochmals aus sich hinaus und erfreuen sich sichtlich an dem Lied.

Angestiftet von der immer besser werdenden Stimmung, überkommt Eric der Frohmut bei "Falscher Heiland". Zunächst steht er auf, springt auf der Bühne herum und bangt ein wenig, bevor er kurzentschlossen von der Bühne springt und den Gang hinunter läuft.
Nach seiner Rückkehr auf die Bühne nimmt er sich noch schnell die Zeit, die beiden Krähen-Gefährten auf dem alten Baum vorzustellen. Eine passende Einleitung für "Krähenfrass". "Tanz auf dem Vulkan" und "Veitstanz" sollen zunächst die letzten Lieder darstellen, und als die beiden Lieder erklingen, sind die Fans urplötzlich losgelöst, tanzen, singen und bewegen sich ungezwungen vor ihren Sitzplätzen und brüllen schon lauthals nach einer Zugabe, bevor die Band überhaupt die Bühne verlassen hat. "Blut, Blut, Räuber saufen Blut" ertönt nur kurz, denn Subway To Sally lassen sich nicht lange bitten und kommen gerne auf die Bühne zurück, um die Fans mit einer Zugabe zu beglücken. Doch bevor "Spielmann" angestimmt wird, bedankt sich Eric bei jeden einzelnen der Musiker. Als das Lied erklingt, packen die Fans die Feuerzeuge aus und liegen sich schunkelnd in den Armen. Dieser Anblick ist aus den hinteren Reihen eine reine Augenweide, zumal die Bühne in ein besonderes Licht getaucht ist und der Baumstamm von innen heraus rot erstrahlt. Im Anschluss folgt "Ohne Liebe" und man bekommt die Gelegenheit, einen Blick auf die gesamten Flöten und Backpipes von Eric Fish zu erhaschen und muss feststellen, dass dieser in der Lage ist, sieben verschiedene zu spielen. Nebenbei wird den Besuchern bei "Ohne Liebe" ein Tapla-Solo von Simon Michael und Nora geboten. Die musikalischen Leistungen und die unwahrscheinliche Vielfalt kommen gerade bei dem Akustikkonzert ganz besonders zur Geltung. Es bietet sich ein völlig neues Hörerlebnis, und es ist schlichtweg eine Wonne, den Klängen zu lauschen.

Das zweite Mal kommt die Band gar nicht erst dazu, die Bühne zu verlassen, beschließt, für die weitere Zugabe direkt auf der Bühne zu bleiben und legt "Kaltes Herz" und "Die Jagd" im Schnellschussverfahren nach, bevor sie nun doch Backstage verschwinden.
Doch damit wollen sich die Fans natürlich nicht begnügen und erwarten den Klassiker "Julia und die Räuber". Sie singen und schreien, was das Zeug hält, um Subway To Sally für dieses spezielle Lied auf die Bühne zurück zu holen.

Aber eigentlich sollte "Julia und die Räuber" nicht noch ein weiteres mal gespielt werden, denn schließlich war der Titel schon Teil der Nackt I-Tour. Selbstverständlich wollen sich die Fans damit nicht abspeisen lassen und geben in ihrer Penetranz nicht nach. Die Vehemenz, mit der die Menschen in dem Saal dieses Lied einfordern, ist jedoch eine gute Ausrede, das Lied schlussendlich doch anzustimmen. Was wäre auch ein Subway To Sally Konzert ohne "Julia und die Räuber"? So packt Eric den heiß begehrten Dudelsack aus und bringt den Tanzbrunnen abschließend noch einmal richtig zum Rocken und zum Feiern. Ein gelungener Abend mit einem durchweg eindrucksvollen Konzert, welches mit 2 1/2 Stunden Spielzeit kaum Wünsche offen gelassen haben dürfte, geht allseits zufriedenstellend zu Ende.

Setlist:

1. Solo Nora
2. Die Schlacht
3. Henkersbraut
4. Rose im Wasser
5. Herrin des Feuers
6. Krähenkönig
7. Kleine Schwester
8. Eisblumen
9. Angelus
10. Versteckt
11. Accingite Vos
12. So fern so nah
13. Wenn Engel hassen
14. Falscher Heiland
15. Krähenfrass
16. Bruder
17. Es ist an der Zeit
18. Die Ratten
19. Auf Kiel
20. Tanz auf dem Vulkan
21. Veitstanz
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22. Spielmann
23. Ohne Liebe
24. Sieben
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25. Kaltes Herz
26. Die Jagd
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27. Die Räuber

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