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Subway to Sally im Konzert (Essen 2006)

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Noch kürzlich beschwerte ich mich bei der Ankündigung zum Funkenflug Festival über die Konzertflaute, die Ende November beginnt und sich bis in den Januar zieht. Die meisten Weihnachtstouren, die dann auch unter diesem Motto stehen, sind nicht wirklich lohnenswert, da die Band eigentlich nach der Herbsttour genug von der Bühne hat, das musikalische Repertoir ausgeschöpft und einfach Ferien hat. Subway to Sally zogen aus um mich eines Besseren zu belehren. Nachdem das erfolgreiche Septett nach der CD/DVD Veröffentlichung zum Konzerterlebnis “Nackt” erneut die Verkaufszahlen bei Nuklear Blast in die Höhe treiben wird, erwarteten sie das Publikum am 20.12 in Essen wieder mit der E-Gitarre. Passend zum Ferienbeginn legten die Sieben eine Rockshow vor, die sich gewaschen hatte.

Um zwanzig Uhr öffnen sich für mich und mittlerweile einer unüberschaubaren und vor allem nicht schätzbaren Menge, die Türen zur Weststadthalle. Nach anfänglichen Verwirrungen, ausgelöst durch U-Bahnhaltestellen im Baustellenstatus, verwirrte Essener Bevölkerung sowie der schieren Größe der Weststadthalle (“Ja, eigentlich ist DAS hier alles die Halle, es kann sein, dass Sie den Eingang an der nächsten Straße oder einen der folgenden benutzen müssen”), findet sich bereits um fünf Uhr eine stattliche Menge schwarzgewandeter Gruftis vor der Weststadthalle ein, die sich im Übrigen direkt am Colosseum oder Saturn befindet. Suchten wir die Potsdamer noch vor einigen Jahren in Clubs, deren Eingänge sich auf diversen Hinterhöfen befanden, scheint das Alter der Band proportional mit der Hallengröße zu wachsen.

Eine geschätzte halbe Stunde beobachte ich, wie sich der freie Platz hinter mir langsam mit Menschen füllt, dann stehen Krypteria auf der Bühne.

Die Band ist eine angenehme Überraschung. Vermutet man nach dem Aussehen eher brachialen Metal, verwöhnen uns Chris Siemons, Frank Stumvoll, Kuschi und Ji-In mit einem Gothic-Rock Mix, der sich hören lassen kann. Als Gast haben sie Benny Richter am Keyboard dabei, der etwas weit hinten stehend dennoch seine Aufgabe mit Bravour erfüllt.

Die zierliche Frontfrau Ji-In schafft es bald, das Publikum mitzureißen, nicht zuletzt durch ihre professionelle Bühnenperformance. Wer noch nie etwas von Krypteria gehört hat, soll sich nicht ärgern: Das Quartett ist in Asia ein Renner - in Deutschland arbeitet man hingegen noch am Bekanntheitsgrad. Dennoch: Der Neuling Bloodangel's Cry sei auf jeden Fall empfohlen!

Nach dem letzten Lied feuert Ji-In das Publikum noch einmal mit “Bühne frei für Subway to Sally” an - dann verschwinden die Vier und lassen ein angeheiztes Publikum zurück Aufgabe bestanden, sehr gut!

Als die Potsdamer schließlich die Bühne betreten, entlädt sich die Stimmung, die schon mit den Gesängen vor der Halle Brennstoff fand. Mit Scheinwerfen nur von unten angestrahlt, legen Simon, Bodenski und Eric ein lupenreines acapella “Stille Nacht” aufs Parkett. Dann geht’s richtig los: Zu jeder Menge Seifenschaumschnee begrüßt die Band uns mit der “Schneeköniging” und, gegensätzlicher könnte es nicht sein, mit “Feuerland”.

Haben sich die Sieben akustisch und in Kirchen wirklich toll angehört, merkt man doch, wie viel Spass so eine Rockshow macht. Die Setlist hat sich nach der Nord Nord Ost-Tour erheblich geändert, taucht doch, selten aber wahr, das Engelskrieger-Album nicht nur in Form des “Knochenschiffs”, sondern ist, wie bei den Festivals im letzten Sommer, mit “2000 Meilen unterm Meer”, “Unsterblich”, und dem “Falschen Heiland” vertreten.

Doch zurück zur Show. Es folgt ein Lied “dass wir bei der Nackttour wiederfanden und das uns so viel Spaß macht, dass wir es weiterspielen” - unterm Galgen. Ab dieser Stelle sei mir jegliche Subjektivität verziehen. Beim Fanklassiker “Eisblumen” weiß ich gar nicht wie mir geschieht, als Herr Fish auf mich deutet, ein Securitymann mich einfach aus dem Publikum und auf die Bühne hebt. Plötzlich stehe ich mit der Band vor geschätzten 1000 Leuten und lege mit Herrn Fish einen Tanz aufs Parkett, während dieser weitersingt und mir schlussendlich eine Rose überreicht. Wer noch nie vor einem Subway to Sally-Publikum stand, sollte es unbedingt einmal ausprobieren: Ein unglaubliches Gefühl!

Anschließend verlässt die Band zum ersten Mal die Bühne, es bleibt neben dem Frontman nur noch Ingo Hampf zurück, der sich entspannt auf das Drumpodest setzt und Eric mit der Akustischen zu “Kleid aus Rosen” begleitet. Während des Liedes tauchen auch noch Frau Schmitt, die im Refrain mit der Geige einsetzt, und der kleine Simon mit Schellenring auf. Das Publikum ist begeistert, summt die Melodie zusammen mit dem charismatischen Frontman. Dieser stellt sein Talent auch gleich noch einmal unter Beweis und lässt die Zuschauer proben, was wie inzwischen gelernt haben. Auf Kommando wird geklatscht, gesprungen, gesungen - alles Vorbereitungen auf das zweite Lied, das Nord Nord Ost an die Fans richtete: “Das Rätsel II”.

Wer gut in den sallyschen Gefilden informiert ist, hat bei youtube.de bestimmt schon das ein oder andere Drumvideo vom Bandneuling Michael Simon gefunden und bewundert. Wer genauso begeistert wie ich war, dem bietet der Jüngste nun Eden an: Nach dem “Feuerkind” legt Herr Schmitt ein Drumsolo erster Klasse ab. Mit Lichteffekten passend untermalt, bietet sich dem Zuschauer das beeindruckende, doppelte Bild des Drummers, da die Weststadthalle mit einer Kamera die gesamte Show aufzeichnete und direkt auf die Leinwand über der Bühne projizierte. Da hatten dann auch die Fans auf dem “Balkon” was von, die durften, so bat Eric “bitte nicht springen, weil sonst unseren Tontechnikern die Ohren abfallen”.

Es folgt ein Teil der Show, der mich wieder mal grinsen lässt: Bodenski erzählt von einem Weihnachtsgeschenk, das die Band im letzten Jahr bekam und indem sie bei den Proben immer mal wieder geschmökert hätten. Nun habe die Band einen derart grauenvollen Text darin entdeckt, dass sie sich kaum trauen würden, ihn vorzutragen. Die Aufgabe fiel schließlich auf Simon, der leider Gottes aber ein wirklich schlechtes Textgedächnis habe und diese schovinistischen Worte würden erst Recht nicht in seinem Kopf bleiben. Daher trüge er sie nun aus genanntem Geschenk vor. Die Rede ist vom Buch-Buch, der Text ist “Die Braut”, an die, nach Erics Schrei nach “Gleichberechtigung!”, “Der Bräutigam” anknüpft. Wer glaubte, eindrucksvoller als einen schreienden Simon, der aus einem Buch vorließt, ginge es nicht, wird eines Besseren belehrt. Zu “Carrickfergus” (“Das bekannte Problem. Wir brauchen drei Silben, leider wissen wir nicht mal, wo wir sind...” “ESSEN!” “und dann kann man Essen nicht ziehen”. Es folgt eine kurze Exkursion in die komplizierte Bildung eines Silbendreiklangs mit drei Sängern, die alle unterschiedliche Ideen beisteuern) schleift Uwe einen übergroßen Plüschbären auf die Bühne, Simon zaubert irgendwoher eine Axt hervor und köpft das Plüschtier. Grausam und herzlos.

Dann verschwindet die Band, kommt aber nach “seltsamen, wahrscheinlich lokal bekannten” Gesängen wieder auf die Bühne zurück. Ihnen schwebe zu dem Text schon eine Melodie im Kopf, die bräuchte aber noch etwas. Daher bittet Herr Fish für das nächste Lied um das Peacezeichen. Das habe für uns noch einen freudigen Anlass, da das Zeichen bekannterweise auch für “Victory” steht und er gerade erfahren hat, dass Aachen gegen Bayern München 4:2 gespielt hat. Es folgt der “falsche Heiland” und eine Herzbluterinnerung mit dem “Veitstanz”.

Ein fantastisches Set wird mit dem “Komischen Lied, das Ihr vor dem Eingang schon gesungen habt. Wir haben jetzt eine Melodie” obligatorischen “Julia und die Räuber”, samt Herrn Fish am Dudelsack, und dem wunderbaren “Seemannslied”, zu dem wir wieder die Wunderkerzen auspacken, beendet.

Das Septett lässt eine begeisterte Menge zurück. “Nackt” 2007? Wir denken drüber nach!

 

Subway to Sally Setlist

01 Stille Nacht

02 Schneekönigin

03 Feuerland

04 Knochenschiff

05 2000 Meilen unterm Meer

06 Unterm Galgen

07 Unsterblich

08 Eisblumen

09 Kleid aus Rosen

10 Liebeszauber

11 Alle psallite cum luya

12 Mephisto

13 Drumsolo

14 Traum vom Tod II

15 Feuerkind

16 Das Rätsel II

17 Sag dem Teufel

18 Ohne Liebe

19 Die Braut und der Bräutigam

20 Carickfergus

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21 Falscher Heiland

22 Veitstanz

23 Sieben

24 Julia und die Räuber

25 Seemannslied

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