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Subway to Sally, Coppelius im Konzert (Berlin 2007)

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Am 11.11. wird Jahr um Jahr bekanntlich die Karnevalszeit eingeläutet. Nicht so in Berlin im Jahre 2007 anno domini. Während man im Rheinland ordentlich die Korken knallen lässt, ereignet sich in Berlin ein Trauerspiel. Bei der Vorband Coppelius ist es ein Trauerspiel aus Künstlersicht, beim Mainact Subway to Sally eines, welches sich dem Publikum eröffnet.

 

Der Konzertabend am Sonntag beginnt schon nicht gerade verheißungsvoll, so steht vor den Toren des Huxleys im berühmt-berüchtigten Berliner Stadtteil Kreuzberg eine zäh-fließende Menschenschlange im wunderbarsten Novemberwetter – Regen. Aber das sollte die Fraktion der Schwarzkittel ja nicht abschrecken. Merchandise-Preise von den Altmeistern scheinen auch von Konzert zu Konzert zu steigen und die Toilettendame hat eine selten aggressive, aber wohl ur-Berliner Art an sich, welche einigen die Lust auf den Gang zum Klo herzlichst versaut.

 

Nicht ganz so voll, dennoch voll genug ist die Halle im ersten Stock von Huxleys Neuer Welt, als Coppelius als bewährte Vorband die Bretter betreten. Traditionsgemäß setzt zuallererst Butler Bastille seinen Füße auf die Bühne, um eine nette Atmosphäre mit Kerzenlicht herzustellen und das Publikum auf die folgenden Minuten voll an äußerst ungewöhnlicher Rockmusik einzustimmen. Und da kommen auch schon die werthen Herren Coppelii und legen mit der „Overtüre“ los. Wieder einmal sind Coppelius als Vorband von Subway to Sally unterwegs und wieder einmal bringen Nobusama, Le Comte Caspar, Max Coppella, Graf Lindorf, Bastille und Sissy Voss so dermaßen viel Energie auf, dass es mir unerklärlich ist, warum nur ein winziger Bruchteil des Publikums diese Aufopferung zu würdigen scheint oder sich gar dazu bewegt. Ohne Beachtung des miserablen Publikums-Feedback spielt die Truppe ihre Show herunter ohne an Qualität einzubüßen. „Schöne Augen“, „Operation“ und auch das fulminante „To My Creator“ werden mit Klarinetten, Cello, Kontrabass und Schlagzeug zum besten gegeben. Höhepunkt stellen das mit Eric Fish als Gastsänger in passender Gewandung zelebrierte „Rightful King“ und die kraftvolle Zugabe „I Get Used To It“ dar. Das Publikum ruft zwar brav „Da Capo“, aber so wirklich Stimmung will nicht aufkommen, was auch Caspar nach dem Konzert bestätigte.

 

Zu diesem Zeitpunkt schon liegt in der Halle ein unangenehmer Rauchteppich, der leider auch die Sicht beeinträchtigt. Böse Erinnerungen an das 2005er Konzert von Subway to Sally in der gleichen Halle, bei dem die Belüftung ausgefallen war, machen sich breit. Subway to Sally aber starten ihr Set mit der Vollbedienung vom sehr schwachen Neuling „Bastard“ und finden erst nach etwa einer halben Stunde Zeit für den ersten „alten“ Song. Man erkennt deutlich, wie sehr das Publikum geteilt ist. Die eine Hälfte scheint nur die Alben „Nord Nord Ost“ und „Bastard“ zu kennen und der andere Teil huldigt nur die Songs, die vor dem Verfallsdatum von Subway to Sally (auf 2005 datiert) entstanden sind. Es finden sich also für jeden Song viele Leute, denen diese gefallen. Während also zu nahezu peinlichen Songs wie „Sieben“ und „Meine Seele brennt“ das Jungvolk die Band mit Kreischstürmen begrüßt, sind „Falscher Heiland“, „Sabbat“ aber auch „Der Sturm“ die Lieder, welche die etwas älteren Subway-Fans das Haupthaar schwingen lassen. Nach dem Abspielen des Bastard-Blocks bildet sich sogar ein kleiner Pit vor der Bühne, in dem bei „Sag dem Teufel“, der Hymne „Julia und die Räuber“ und „Veitstanz“ ordentlich die Post abgeht. Dann verkündet Eric Fish das, was viele schon längst bemerkt haben: Die Lüftung ist wieder ausgefallen. Die Halle scheint sich aktiv gegen dieses Trauerspiel wehren zu wollen, denn trotz einiger alter Songs will einfach keine alte Stimmung überspringen. Die Musiker zeigen sich unbeeindruckt von der extrem schlechten Luft und Eric Fishs enorme Schweißausflüsse sind ja mittlerweile auch Gewohnheit für jeden regelmäßigen Konzertgänger der Combo. Auch die Pyrotechnik und die Bühnenshow an sich zeugen von keinerlei Innovation. Konsequenter- und erfreulicherweise bleiben sie sich auch bei der Länge ihres Sets und ihrer Zugabenblöcke treu, denn diese sind für eine Rockband ungewöhnlich lang und somit für Musiker und Fan gleichermaßen anstrengend, doch erquickend..

 

Zusammenfassend muss man sagen, dass Subway to Sally ihr Feuer verschossen haben. Der alte Geist scheint verflogen und so sah das nicht nur ich, sondern auch ein großer Teil der Fans, mit denen ich an diesem Abend reden durfte. Coppelius dagegen sollten sich von einem solchen Abend nicht aus der Bahn werfen lassen, denn die Power, die bei den Potsdamern gefehlt hat, haben die Berliner schon längst verinnerlicht.

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