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Schandmaul, Krieger im Konzert (Bielefeld 2008)

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Schandmaul. Eine Band, welche ich damals mit ihrem Zweitlingswerk „Von Spitzbuben und anderen Halunken“ kennen und zu schätzen gelernt habe. Ich war stets von der Leichtigkeit der Band, den eingängig-treibenden Melodien und dem wunderbar aufeinander abgestimmten Arrangement fasziniert.

Im Laufe der Zeit jedoch verlor ich die junge, aufstrebende Formation leider aus den Augen bis ich vor einigen Tagen das neue Scheibchen „Anderswelt“ in den Verkaufsregalen des Plattendealers meines Vertrauens sichtete.

Durch das wirklich fulminante und überaus ausführliche Review meines Mitstreiters Niclas Peppershoff zum Kauf inspiriert, landete die Scheibe also sogleich in der Stereoanlage, wo sie tagelang rauf und runtergedudelt wurde.

Als ich erfuhr, dass Schandmaul dann auch noch in der nächsten Woche im Bielefelder Ringlokschuppen anlässlich ihrer Jubiläumstour (ja, Schandmaul wird 10 Jahre alt) auftreten sollten, fieberte ich dem Termin dementsprechend entgegen, wollte ich doch sehen, wie sich die Songs auf der Bühne machten.

 

Ich hatte den Ringlokschuppen noch gut vom Beatsteaks-Gig in Erinnerung, sodass irgendwo im Hinterkopf die Befürchtung nahe lag, die Halle würde erneut brechend voll sein, dass man immerzu zwanghaft nach Luft schnappen müsse, um in der Masse nicht unterzugehen. Dass es auch anders geht, bewies mir der vorgestrige Abend, der sich als relativ übersichtlich entpuppte, was nicht zuletzt zur überaus angenehmen Atmosphäre beitrug.

Als ich gegen halb 8 am RiLo eintraf waren bereits erste Menschenansammlungen zu erkennen. Da um 19:30 Uhr bereits Einlass war, gelangte ich ohne jegliche Umschweife direkt in die Halle.

Das Publikum war verhältnismäßig bunt gemischt, sodass ebenso junge wie alte Menschen, schwarze wie bunte, anzutreffen waren, wobei der Anteil der Schwarzkittel eindeutig überwog. Noch bis etwa 8 Uhr verbrachten die Leute also ihre Zeit zum größten Teil mit dem Konsum von alkoholischen und gekühlten Getränken, die man an der Theke der Halle erwerben konnte, oder mit dem Plaudern zwischen Gleichgesinnten, dann aber begab sich die Dresdner Combo KRIEGER auf die Bühne und versuchte, als Vorkapelle um die Gunst der Zuhörer zu werben. Das Debüt, welches 2007 erschienen ist, fand ich durchaus in Ordnung, war also entsprechend gespannt auf die Live-Performance.

Und was soll ich sagen? Ich war doch ein wenig enttäuscht, was, zugegeben, nicht die alleinige Schuld der Band war. Die Tontechnik war bei diesem Konzert leider nicht wirklich berauschend. So konnte man die ohnehin schon, sagen wir mal recht ausbaufähigen, Texte gar verstehen, da der Gesang komplett von der recht brachialen Musik übermalt wurde.

Auch die Liveperformance konnte mich nicht unbedingt überzeugen, zu routiniert lief das ganze ab, zu lustlos runtergebrettert. Auf Platte konnte mich der krude Stilmix aus Neuer deutscher Härte und straightem Deutschrock durchaus überzeugen, auf der Bühne eher weniger.

 

Mit Spannung wurde schließlich der Hauptact erwartet, welcher gegen neun Uhr, von einem märchenhaften, gesprochenen Intro eingeläutet wurde, welches stark an Märchenonkel Hans Paetsch erinnern ließ, um nahtlos in den Song „Wolfsmensch“ vom aktuellen Machwerk überzuleiten. Entgegen der sonst so typischen Zurückhaltung von uns Ostwestfalen, wurde enthusiastisch mitgeklatscht und mitgehüpft.

Und auch wenn die Stimmlage des Fronters zu Beginn noch ein wenig unbeholfen rüberkam, so war die Spielfreude doch merklich groß und riss das Publikum sogleich mit.

Belohnt wurde das Hörertum dann von „Herrin der Winde“, welches ich noch bestens von der zweiten LP in Erinnerung hatte und dementsprechend lautstark mitsingen konnte.

Während die Band energisch in Ringelreihen umhertanzte und eine wunderbar hübsche Performance zur Schau stellte, wurde auch im Hörsaal kräftig mitgemosht.

Anschließend begrüßte Frontmann Thomas Lindner das Publikum und bedankte sich für die hohe Chartplatzierung von „Anderswelt“.

Anschließend wurde mit „Leb“ vom ´04er Machwerk „Wie Pech und Schwefel“ kräftig losgerockt, sodass die Meute erneut nicht still halten konnte.

Um nebenbei ein Wort zur Bühnendeko zu verlieren: Diese war zwar recht schlicht gehalten, unterstrich das Geschehen jedoch zweckmäßig und kam meinem ästhetischen Empfinden durchaus entgegen. So waren an 4 nebeneinander liegenden Leinwänden weiße Lichtbilder zu sehen, die ein wenig wie reflektierende Objektträger eines Mikroskops aussahen.

Der Ringlokschuppen kann durch seine rustikal anmutende Machart und der ungewöhnlichen, in zwei Ebenen eingeteilten Bühne und einer recht guten Akustik überzeugen, was zur einer heimischen, urigen Atmosphäre führt.

Nun, ruhiger als letzterer Song, ließ es „Lichtbringer“ angehen, der mit einer schönen Gesangsstimme von Thomas Lindner und einer gehörigen Portion Bombast aufwarten konnte.

„Zweite Seele“ hingegen, fuhr dann wieder auf der härteren Schiene und zeigte sich sehr Gitarren-orientiert mit einem akzentuierten Basslauf. Zwischendurch legte Thomas humoristische Zwischenreden an den Tag, welche den Zuhörern ein ums andere Mal ein Lächeln auf die Gesichter zauberte. So teilte er dem Publikum zum Beispiel mit, dass er am Vorabend des Konzertes nach Bielefeld gegoogelt hatte und entsetzt feststellen musste, dass es die Stadt gar nicht gibt.

Dementsprechend konnte man also darauf schließend dass das gesamte Publikum aus Schauspielern und Statisten bestehe. Natürlich wurde auch wieder das obligatorische Ostwestfalen-Klischee auf die Schippe genommen, was zwar sicherlich nicht neu ist, aber dennoch für einige Schmunzler unter den Schwarzkitteln sorgte.

Mit dem druckvollen, rhytmusbetonten „Die Tür in Mir“ wurde die Show dann auch sogleich fortgeführt um anschließend von „Missgeschick“ abgelöst zu werden.

Dass ein Kleiderbügel ebenso schmerzhafte Folgen für das Genital haben kann, wie die eigene Klinge in die man versehentlich hineinläuft wissen wir nun also auch. Erstaunlich fand ich persönlich, dass die Schandmäuler allesamt textsicher und bestens mit dem neuen Machwerk vertraut schienen, dass kräftig mitgesungen werden konnte, so auch bei dem wunderbar melancholischen Titeltrack „Anderswelt“.

Mit einem geheimnisvoll, bläulich angehauchten Licht-, Schattenspiel wurde schließlich „Geisterschiff“ eingeläutet, in dessen Spotlight man einen Blick auf die kunstvoll verzierten Gewänder der beiden weiblichen Mitglieder erhaschen konnte. Auch Thomas erschien in einem Gewand, welches an das dunkle Zeitalter angelehnt war. Die übrigen Bandmitglieder waren allesamt in eine kriegerische, martialische Tracht gekleidet.

 

Das grandiose „Mitgift“ vom Vorgängerwerk wurde ebenso beklatscht, wie das tanzwütige „Feuertanz“.

„Der Talisman“ war dann wieder eine reine, straighte Medieval-Folk Nummer, welche das Publikum dazu animierte, das Tanzbein zu schwingen. Auch der „Fiddlefolkpunk“ mit seinen herrlich eingängigen Melodien ließ das Publikum fröhlich umherhopsen, obwohl er doch gänzlich ohne Gesang auskam.

„Frei“ konnte dann wiederum mit seinem tiefen, kehligen Gesang zu Beginn des Stückes überzeugen, welches dann von einem hymnischen Refrain abgelöst wird. Ein hervorragender Song, der bei den Bielefeldern auf viel Gegenliebe stieß und durchaus das Potential hat, als weiterer Schandmaul-Liebling durchzugehen. Ein echter Schandmaul-Klassiker ist „Walpurgisnacht“ ja schon lange und wurde dementsprechend seitens des Publikums völlig abgefeiert.

Mit „Der letzte Tanz“ wurde dann auch das Ende des regulären Sets eingeläutet. Eine schmissige Nummer, welche ebenso einen echten Ohrwurm-Charakter für sich beanspruchen kann/konnte.

 

Mit „Das Mädchen und der Tod“ gingen dann die Schandmäuler auch flugs in die Verlängerung. Zu „Die Braut“ wurde dann auch noch extra das Akkordeon aus dem Gepäck geholt, welches jedoch nicht unbedingt zu Lindners favorisiertem Instrument gehört. Trotzdem konnte auch diese märchenhafte Ballade mich zu einem verträumten Seufzen animieren. „Dein Antlitz“ verleitete das Publikum natürlich erneut zum lautstarken mitsingen und auch ich konnte mich angesichts des wohl bekannten Textes schön austoben.

„Denk an mich“ ließ mich schließlich noch einen nostalgischen Rückblick auf das Debüt gewähren, bis es mit „Prinzessin“ schließlich hochgradig romantisch wurde.

 

Ein letzter Gruß in die Nacht an all die, welche am nächsten Tage zu arbeiten hatten und das Versprechen mit den anderen noch das ein oder andere Bierchen zu trinken, ließ das überaus schöne Konzert sanft ausklingen. Ob des Versprechens kamen mir noch leise Zweifel, ob dies zu bewältigen war, aber das lassen wir jetzt mal außen vor.

Zum Schluss konnten die Anhänger der Band sich noch auf einem Lacken verewigen, welches scheinbar an ihrem Jubiläumskonzert Verwendung finden wird und auch auf der dazugehörigen DVD widerzufinden sein wird.

Nun, abgesehen von der Tontechnik, ein Konzert, für welches das Wort „Perfektion“ noch unzureichend definiert wurde. Die Interaktion mit dem Publikum, die Songauswahl, die Performance. Einfach alles stimmte. Ich ging mit verdammt hohen Erwartungen in das Konzert und wurde in keinster Weise enttäuscht.

Schandmaul ist eine Band die ihr Schaffen ebenso sehr liebt, wie ihr Publikum.

I

 

SETLIST:

Wolfsmensch

Herren der Winde

Leb

Lichtblick

Zweite Seele

Die Tür in mir

Missgeschick

Anderswelt

Geisterschiff

Mitgift

Feuertanz

Der Talisman

Das Tuch

Großes Wasser

Fiddlefolkpunk

Krieger

Frei

Walpurgisnacht

Der letzte Tanz

 

Das Mädchen und der Tod

Die Braut

Dein Anblick

 

Denk an mich

Prinzessin

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