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Schandmaul im Konzert (Abstgmünd 2005)

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Menschen soweit das Auge reicht. Während Schandmaul im vergangenen Jahr uneingeweihte Gäste des Summer Breeze Festivals in Abtsgmünd noch durch horrende Zuschauerzahlen überraschten, scheinen sie diesmal einkalkulierter Publikumsmagnet des Metal-Festes gewesen zu sein – und werden dieser Rolle auch durchaus gerecht.

 

Mit Sonnenschein und Sommerbriese haben die Folkrocker den wohl besten Auftrittsmoment während des gesamten Festivals erwischt, und wissen diesen Vorteil auch zu nutzen. „Wer bei so einer Atmosphäre nicht total Lust hat zu spielen, der sollte den Beruf wechseln“, meint Drummer Stefan und malträtiert sein Schlagwerk gleich beim Opener Teufelsweib was das Zeug hält.

 

Thomas indes begrüßt zunächst mal die Gäste, macht aber auch gleich seine Ansprüche an das Publikum klar. Was ein echtes Schandmaul-Publikum ist, das muss auch richtig h üpfen können – und dies wird unter fachkundiger Anleitung des Herrn Lindner dann auch erst mal geübt. In die Hocke... warten... warten.. und hüpf! Ja, der Rock-Barde hat sichtlich Spaß daran wieder auf der Bühne zu stehen – und die Fans sind für solch kleine Späße immer gerne zu haben. Gleiches gilt natürlich auch fürs Mitsingen, das sie dann bei Vogelfrei sogleich auch wieder zur Genüge praktizieren dürfen.

 

Danach gibt’s dann wieder reichlich Party. Thomas hat das schöne Hobby der Festivalspiele entdeckt, und erfindet auch sogleich ein gänzlich Neues: Er unterteilt Männlein und Weiblein in separate Chöre und testet deren Sangeseifer: „Gebt Acht!“ gibt der Sänger die Mitsing-Zeile zum gleichnamigen Song vor, und wartet auf Reaktion. Die kommt auch – zumindest von den Männern, während die Frauen wohl noch vom vorherigen Kuschel-Song träumen. „Gebt Acht!“ kreischt Thomas noch einmal, und mit Unterstützung der des anderen Geschlechts werden nun auch die Frauen hörbar.

 

Erstmals wendet sich nun auch Birgit ans Publikum: „Willkommen bei diesem wunderbaren Summer Breeze“, ruft sie den Fans entgegen und hält ein kleines Plädoyer für die Romantik. Fast überflüssig zu erwähnen, dass sich manch einer der Anwesenden – angesichts mehrerer herumfliegender aufgeblasener Kondome – unter Romantik vielleicht nicht so ganz das selbe vorstellt, wie Schandmaul und ihre Fans. Die Musiker jedenfalls lassen sich vom phallischen Ballspiel nicht beeindrucken und singen unbeirrt ihre Ballade Dein Anblick – für all jene, die wirklich kuscheln wollen.

 

Schandmaul haben sichtlich Spaß daran, nach so langer Abstinenz ihre Instrumente wieder im Verstärker einstöpseln zu dürfen. Sie tollen zu den altbewährten Rocksounds auf der Bühne herum, toben sich richtig aus. Endlich wieder Rock’n’Roll! „Bei so schönem Wetter muss auch jenen gedankt werden, die uns das beschert haben“, findet Thomas, und stimmt an zu Herren der Winde. Ein kleines Solo von Matthias gibt es während Der Tyrann und dann steuert das gängige Set mit Der letzte Tanz auch schon wieder seinem Ende entgegen.

 

Aber Schandmaul wären nicht Schandmaul, wenn sie nicht auch für ein Festival noch die eine oder andere Zugabe im Gepäck hätten. "Soll man diesem elenden Geplärre entnehmen, dass ihr noch etwas hören wollt", fragt Thomas schmunzelnd ins Publikum und bietet den Fans wieder einmal eine Spontan-Feier des wichtigsten Feiertag für die Münchner Folk-Rocker an: den 30. April. Die vorherige Hüpf-Probe erweist sich nun als nützlich, die Summer Breeze Fans beweisen sich als würdiges Auditorium der Walpurgisnacht. Doch auch das schönste Konzert muss einmal enden, und das tut es an diesem Tag mit Das Tuch. Ein begeistertes Fest unter warmer Sommer-Sonne geht zu Ende und es ist schwer abzuschätzen, wer ausgelassener gefeiert hat: die Band auf der Bühne oder die Menschen davor.

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