Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Satyricon, Vredehammer, Oslo Faenskap im Konzert (Hamburg, April 2015)

Rein norwegischer Abend in Hamburg

Satyricon

Die Umbauphase vor dem Auftritt des Headliners dauert wesentlich länger als die zwischen den beiden Supportacts, dafür jedoch darf man sich über einen – für Markthallen-Verhältnisse allemal – sehr guten Sound freuen, der bestens ausbalanciert und in genau der richtigen Lautstärke gehalten ist. Die Bassdrums klingen leicht verdächtig nach Trigger, was bei einem solchen Könner wie Frost ein wenig verwundert, aber zum Glück haben wir es hier nicht mit dem typisch klinischen Festival-Drumsound zu tun. Überhaupt hat Kjetil Haraldstad, wie einer der besten Szeneschlagzeuger mit bürgerlichem Namen heißt, einen mordsmäßigen Apparillo auf der Bühne stehen, über den er mit unglaublicher Präzision und Ausdauer wirbelt, wobei er selbst bei schnellen Doublebass-Passagen teilweise amtlich bangt.

Von Anfang an herrscht Bombenstimmung, Satyricon haben das Publikum bereits mit dem überraschenden Opener „The Rites Of Our Cross“ im Sack. In Form von Pommesgabeln, Powerfäusten und Hey-Rufen manifestiert sich sofort Glückseligkeit und man frisst Frontmann Satyr, der die Haare inzwischen wieder lang trägt, was ihm auch viel besser steht, praktisch aus der Hand. Der Mann besitzt unheimlich viel Charisma und auch wenn seine Sidekicks an den beiden Gitarren und am Bass headbangen, was das Zeug hält, ist der Mastermind ganz klar Mittelpunkt des Geschehens.

Die Location ist gut gefüllt, wenn auch nicht ausverkauft, und die ersten paar Stücke werden ohne Pause durchgeballert, bevor Satyr sich erstmals ans Publikum wendet: „Wir waren schon so oft in Hamburg, es ist immer wieder schön hier. Und die Kombination Freitagabend in der Hamburger Markthalle – da wussten wir sofort, dass das gut wird.“ In der Tat können sich die Norweger nicht über mangelnde Resonanz beklagen – am nächsten Tag werden sie auf ihrer Facebookseite sogar schreiben: „Thank you Hamburg. That was the best time we’ve ever had there.“ Wenn das keine deutliche Aussage ist…

Sehr erfreulich ist auch, dass die Band einen Keyboarder angeheuert hat und nicht etwa alle Tastenpassagen, wie sonst häufig der Fall, nur vom Band laufen lässt. Der Kerl wirkt zwar etwas verloren, steht ziemlich unbeweglich im Hintergrund, während die Saitenfraktion, Satyr und Frost ordentlich Gas geben, noch dazu sieht er im Vergleich zu seinen Kollegen ziemlich brav und bieder aus, nichtsdestotrotz sorgt er für die nötigen atmosphärischen Farbtupfer, auch in Form einiger kurzer, spaciger Interludes zwischen einigen Songs.

Satyricon bieten wie erhofft einen bunten Querschnitt durch ihre gesamte Karriere, wobei ganze fünf Lieder von der „Now, Diabolical“-Scheibe stammen. „Filthgrinder“ ist die erste ältere Nummer, bei der es entsprechend zur Sache geht; unfassbar hierbei einmal mehr Frosts Performance, der trotz des Tempos, das immer schneller und schneller wird, nicht einen Jota an Genauigkeit einbüßt. Trotzdem fällt auf, dass das Publikum hier ein bisschen zurückhaltender wirkt – offenbar sind diejenigen, die eher mit den neueren Satyricon vertraut sind, etwas in der Überzahl, aber dass nicht alle mit der jetzigen Ausrichtung Satyricons glücklich sind (und daher heute Abend wohl gar nicht erst angetrabt sind), stellt ja kein Geheimnis dar.

So oder so läutet „Filthgrinder“ einen Block mit älteren Material ein, sieht man mal von „Ageless Northern Spirit“, das der aktuellen Platte entnommen ist, ab; ein besonderes Highlight markiert „Walk The Path Of Sorrow“, der Opener des ’93er Debütwerks „Dark Medieval Times“, bei dem Satyr erstmals selbst zur Klampfe greift, sodass nun drei Gitarren vorhanden sind. Für die alten Fans auf jeden Fall ein Fest, dass man diese immer noch äußerst geile Nummer in der Setlist berücksichtigt hat.

Die richtigen Mitsinghymnen haben sich die Herren jedoch für den Schluss aufgehoben; der Chorus von „Die By My Hand“ wird lautstark vom Publikum mitgegrölt, immer wieder animiert vom anpeitschenden Satyr, der zuvor noch auf die Live-DVD „Live At The Opera“ hinwies, von der man eben dieses Stück auch bereits als Vorgeschmack bei YouTube hochgeladen hat. „The Pentagram Burns“ und „The Wolfpack“ sind ebenfalls Mitsingnummern à la bonne heure, während das recht langweilige „Tro Og Kraft“ den Set eher ausbremst; in anderen Städten spielte man „The Infinity Of Time And Space“, was für meine Begriffe auch der klar stärkere Song ist.

Letztlich aber völlig egal, denn insgesamt machen Satyricon heute alles richtig. Auch die Aktion, einen Fan für eine kurze gemeinsame Jamsession auf die Bühne zu holen, ist nett, wenngleich der Jam selbst, bei dem der Mann, der auf die Bühne geholt wird, seine Künste an der Querflöte demonstrieren darf, sicherlich nicht gerade die aufregendste Improvisation aller Zeit genannt werden kann. Wenn er schon Querflöte spielt, wäre eine Performance von „Dark Medieval Times“ sicherlich cooler gewesen, aber man kann ja nicht alles haben.

Am Ende stehen frenetische „Satyricon!“-Sprechchöre zu Buche, sodass die Band nach „Mother North“ gar nicht erst die Bühne verlässt, sondern gleich zu den Zugaben übergeht. Bei „Fuel For Hatred“ verlangt Satyr nach einem „Old-School-Moshpit“ und bekommt ihn auch, während beim Rausschmeißer „K.I.N.G.“ die Stimmung noch mal ordentlich hochkocht und sogar ein Crowdsurfer (!) zu sehen ist. Auch danach wird die Truppe noch lange gefeiert, doch nach ziemlich exakt zwei Stunden Spielzeit ist das Konzert beendet. Egal, was so mancher Kritiker über diese Band sagt – die Jungs haben heute tierisch abgeräumt und eine absolut großartige Show geboten. Nicht einmal der stinkbesoffene Typ, der quasi unfreiwillig im Sausebrand mehrere Leute äußerst unsanft angerempelt hat und schließlich von der Security nach draußen befördert werden musste, oder das ziemlich konsequente Ignorieren des Rauchverbots können diesen Eindruck trüben. 

Setlist:

Voice Of Shadows (Intro)
The Rites Of Our Cross
Our World, It Rumbles Tonight
Now, Diabolical
Black Crow On A Tombstone
Filthgrinder
The Dawn Of A New Age
Ageless Northern Spirit
Walk The Path Of Sorrow
A New Enemy
Die By My Hand
Tro Og Kraft
The Pentagram Burns
The Wolfpack
Jam
With Ravenous Hunger
Mother North
-------------------------------
Fuel For Hatred
K.I.N.G.

Seite
comments powered by Disqus