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Satyricon & Suicidal Angels im Konzert (Hamburg, September 2017)

Gelungener Tourstart in der Hansestadt

Satyricon

Die letzte, selbstbetitelte Platte war nicht unbedingt der Bringer, mit „Deep Calleth Upon Deep“ jedoch haben die Norweger weitestgehend wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Erwartungsgemäß startet die Band entsprechend mit dem Opener „Midnight Serpent“, um dann mit „Our World, It Rumbles Tonight“ gleich ein Stück des so zwiespältig aufgenommenen Vorgängers nachzuschieben. Der Sound ist gut, was man bei einem Perfektionisten wie Satyr aber erwarten darf – der Kerl sorgt ganz sicher persönlich dafür, dass in diesem Punkt keine Wünsche offen bleiben, ich habe bei Satyricon jedenfalls noch nie schlechten Sound erlebt, egal wo.

Inzwischen trägt Herr Wongraven die Haare wieder kurz, was seiner unvergleichlichen Bühnenpräsenz freilich keinen Abbruch tut. Er zeigt sich sehr gut gelaunt, man merkt, dass er ziemlich Bock darauf hat, ein Jahr on the road zu sein – möglicherweise ja gerade, um sich von seiner Krankheit abzulenken. Von der ist im Übrigen nichts zu spüren, er singt ebenso souverän wie er redefreudig ein paar Anekdoten zum Besten gibt.

Man kennt das ja – immer ist die Stadt, in der sich eine Band gerade befindet, die schönste und beste mit dem geilsten Publikum, und so erklärt auch Satyr, dass Hamburg etwas Besonderes und es eine Ehre sei, hier die Tour zu eröffnen. Man ist aber geneigt, ihm zu glauben, zumal er eine nette Geschichte erzählt, dass er mit 15 Jahren mit einem gleichaltrigen Kumpel hergekommen und man durch die Clubs gezogen sei – mit der augenzwinkernden Anmerkung, welche Eltern denn bitte ihre Kinder mit 15 alleine in ein fremdes Land reisen lassen.

Vom neuen Album spielt das auf der Bühne sechs Mann starke Ensemble insgesamt fünf Stücke – bei dreien davon tritt Sänger und Saxophonist Håkon Kornstad als Gast auf den Plan. Beim Titelsong ist es zunächst opernhafter Hintergrundgesang, der vom Publikum mit viel Beifall honoriert wird; ob man das mag oder nicht, diese hohen Töne muss man erst mal meistern, wofür die Zuschauer erfreulich viel Feingefühl zeigen. Später dann kündigt Satyr „The Ghost Of Rome“ und „Dissonant“ als Doppelpack an, bei letzterem packt Kornstad dann auch sein Saxophon aus. Klar, dass es bei den Fans gut ankommt, wenn der Frontmann darauf hinweist, dass Håkon sicherlich nicht jeden Abend bei der Tour wird dabei sein können, aber heute, beim Auftakt, selbstverständlich schon – es ist halt immer schöner, wenn wirklich alles live gespielt wird und nicht vom Band kommt.

Ebenso klar ist trotzdem, dass, bei aller Freude über den Gastmusiker, die Leute insgesamt bei den neuen Stücken etwas zurückhaltender agieren als bei den Klassikern: Wo „Now, Diabolical“ (ein Song, der quasi „die Essenz von Satyrcon zusammenfasst“, so Wongraven) und „Commando“ mit Mitsingen, Powerfists und Pommesgabeln abgefeiert werden, nimmt man zum Beispiel „To Your Brethren In The Dark“ etwas lethargischer zur Kenntnis. Nichtsdestoweniger eine geile, erhabene Düsterhymne – da fehlt nur noch, dass im Publikum tatsächlich eine brennende Fackel herumgereicht wird, um die Stimmung so richtig feierlich zu gestalten.

So gut die Setlist an sich auch ist – dass auf „The Wolfpack“ oder „Die By My Hand“ verzichtet wird, ist erstaunlich, ein paar mehr alte Klassiker wären außerdem sehr willkommen gewesen: „Repined Bastard Nation“ ist noch das älteste Stück, sieht man vom natürlich unverzichtbaren „Mother North“ ab, das aus vollen Kehlen mitgegrölt wird und als letzte Nummer vor den Zugaben zum Zuge kommt. Was dann folgt, ist eh klar: „The Pentagram Burns“ (hier hat sich Satyr endlich seiner Lederjacke entledigt und greift ebenfalls zur Klampfe, sodass nun drei Gitarren am Werk sind), „Fuel For Hatred“ (er fordert einen Moshpit, doch auch hier sind die Leute eher zurückhaltend, man hat wohl mehr Bock auf Bangen) und selbstredend „K.I.N.G.“, das bei keiner Show fehlen darf.

Das kann man „Auf Nummer Sicher gehen“ nennen – trotzdem ist die Zeit wie im Fluge vergangen und wie immer waren Satyricon großartig – tight wie ein Uhrwerk, enthusiastisch und wild bangend – und könnten nach den euphorischen Reaktionen, die die Band zu beinahe demütig klingenden, vielen Thank yous veranlassen, sicherlich noch weitaus länger spielen als 90 Minuten. Beim letzten Mal hier in Hamburg waren es gut zwei Stunden – dennoch wäre das Meckern auf hohem Niveau und die Stimmen ringsumher hören sich alle positiv an. Außerdem wie erwähnt: Satyr hatte einen Hirntumor, sodass man sich lieber freuen sollte, dass er und seine Mitmusiker überhaupt jetzt schon wieder auf der Bühne stehen und zocken können.

Setlist:

Midnight Serpent
Our World, It Rumbles Tonight
Black Crow On A Tombstone
Deep Calleth Upon Deep
Walker Upon The Wind
Repined Bastard Nation
Commando
Now, Diabolical
To Your Brethren In The Dark
The Ghost Of Rome
Dissonant
Mother North
-------------------------------
The Pentagram Burns
Fuel For Hatred
K.I.N.G.

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