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Saltatio Mortis, Nachtgeschrei im Konzert (Dresden, November 2015)

Packender Mittelalter-Rock mit Statement und Muskelkatergefahr



Saltatio Mortis

sind nun am Zug und diese warfen mit ihrer neuen Scheibe „Zeitgeist“ die Frage auf, wieviel Gesellschaftskritik man auf Platten bringen darf. Ein volles Haus und die in der Pause einsetzenden „SaMo“-Rufe dürften hierzu Antwort genug sein.

Mit der Frage „Wo sind die Clowns!“ geben Saltatio Mortis die Manege frei und räumen mit dem ersten Knaller völlig ab. Passendes Outfit und ein Bühnenbild, welches einem Zirkuszelt nachempfunden wurde, tun ihr übriges um ein rundes Gesamtbild zu erzeugen. „Willkommen in der Weihnachtszeit“ wird gleich hinterher geschossen und damit die Hütte komplett zum Brennen gebracht. Mit ihrer unbändigen Energie und Spiellust entfachen die Mittelalterrocker einen Flächenbrand ohne Gleichen, der scheinbar nicht zu stoppen ist. Gestoppt wird allerdings kurz der Bewegungsdrang von Frontmann Alea, der nur knapp einer Kollision mit dem ebenfalls völlig euphorisch zur Tat schreitenden Bassisten Bruder Frank entgeht, was beiderseitig eine kurze Schrecksekunde auslöst.

„Nachts weinen die Soldaten“ wird mit dem Hinweis auf das dazu entstandene Video angekündigt, welches eine einhellige Unterschrift trägt: Nie wieder Krieg. Ganz davon abgesehen, dass diese stimmungsvolle Ballade für sich alleine spricht, lassen es sich Alea und Drummer Lasterbalk der Lästerliche nicht nehmen, fast jeden Song anzusagen und auch ihre Sichtweise auf die Dinge zu verkünden. So zum Beispiel auch zu „Augen zu“, bei dessen Entstehung wohl die Frage aufkam, wo denn die angesprochenen braunen Horden seien, die damals nur wenig wahrnehmbar waren und nun oft mit geschlossenen Augen verdrängt werden. Mit diesem Titel setzt Saltatio Mortis ein eindringliches Statement für Zivilcourage, bei welchem sich vor allem Alea stimmlich beweisen kann. Und man kann durchaus anmerken, dass er in den letzten Jahren  eine immense Entwicklung hingelegt hat.

Aber damit die Feierlaune nicht zu sehr leidet, wird getreu des Mottos „wer tanzt, stirbt nicht“ mit „Wir sind Papst“ ein wirklicher Tanzflächenabräumer nachgeschoben, der seine Wirkung nicht verfehlt. „Geradeaus“ und „Koma“ lassen weiter die Beine über das Parkett stampfen, bis „Erinnerung“ wieder in ruhige Gefilde führt. Lange hält diese andächtige Phase allerdings nicht an, „Satans Fall“ wird angestimmt und hier nimmt man zu Beginn einen extrem aggressiven Gesangpart wahr, den man der Formation gar nicht so zugetraut hätte, auch wenn er sich als unheimlich passend darstellt. Von Satan geht es hin zu „Todesengel“, welches sich auf das Buch „Ich hab den Todesengel überlebt“ bezieht.

„Eulenspiegel“ taucht in regenbogenfarbenes Lichtermeer ein und liefert zugleich noch einen Geschlechterkampf im Gesang, der sich zu einem kräftigen Zwiegesang steigert. „Prometheus“ hält das Feuer am Leben, bevor mit „Früher war alles besser“ zwar noch eine Rakete abgeschossen wird, aber hiermit zugleich das Konzert abgeschlossen wird.

Wirklich verabschieden müssen sich Saltatio Mortis aber nicht, denn sofort setzen Zugabe-Rufe und Gesänge ein, die auf eine baldige Rückkehr deuten. Die Dreingabe wird schließlich mit „Tritt ein“ eröffnet, um mit „Trinklied“ nicht nur die Partylaune aufzufrischen, sondern auch die Zuschauer zu einem ultimativen Lautstärketest herauszufordern. Auf diesem hohen Dezibelpegel verbleibt man auch zu „Worte“ und „Rattenfänger“, bevor mit „Spielmannsschwur“ der Abschluss des Konzerts bevorsteht. Und genau bei diesem Song ist es amtlich: Bei keinem einzigen Titel blieben die Arme unten, es wurde geklatscht, die Fäuste nach oben gestreckt, ein Meer aus Händen gebildet und zusätzlich ununterbrochen getanzt oder gesprungen. Dies spricht zwar sicher für die gute Arbeit der Band, aber an dieser Stelle sei dem Publikum ebenfalls ein Riesenrespekt gezollt und nicht wenige von ihnen werden sicher am nächsten Tag mit einem anständigen Muskelkater zu kämpfen haben. Damit endet ein gewaltiges Konzert, welches in allen Belangen überzeugen konnte.

Setlist:

Wo sind die Clowns?
Willkommen in der Weihnachtszeit
Wachstum über alles
Nachts weinen die Soldaten
Habgier und Tod
Idol
Augen zu
Maria
Wir sind Papst
Geradeaus
Koma
Erinnerung
Satans Fall
Todesengel
Eulenspiegel
Prometheus
Früher war alles besser
Tritt ein
Trinklied
Worte
Rattenfänger
Spielmannsschwur

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