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Saltatio Mortis, Cumulo Nimbus im Konzert (München, November 2011)

Ihr müsst doch nur sagen "Ja wir wollen Scheißdreck!"

Seine Kollegen haben sich sehr bemüht für ihn: Luzy das L

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Saltatio Mortis

Und die Euphorie ist wirklich gewaltig. Schon bevor das Intro erklingt, fordert das Publikum mit lautem Geschrei den Hauptact auf die Bühne. Vorne ertönt „Saltatio“ und von hinten kommt die Antwort „Mortis“. Die Band betritt nach und nach die Bühne und man erkennt... neue Scheibe, neue Aufmachung! Man präsentiert sich ganz nobel im weißen Hemd, was ein bisschen an Huckleberry Finn erinnert. Nur Alea, der im gewohnten Dress, nur komplett in weiß, erscheint, und Luzy fallen dabei etwas aus der Reihe. Da die Tour dem neuen Album „Sturm aufs Paradies“ gewidmet ist, wird auch gleich mit „Ode an die Feindschaft“ losgelegt. Wie die Verkaufszahlen in den ersten Wochen gezeigt haben, wundert es nicht, dass der Großteil der Fans mit Textsicherheit nur so glänzt. Die Zeile „Merkt euch diesen Satz“ wird auch hemmungslos einstimmig aus dem Leib gebrüllt. Nahtlos geht es über zu „Habgier und Tod“, dass das Einleitungsstück der aktuellen Scheibe ist.  

Nach „Sündenfall“ richtet Frontmann Alea die ersten Worte an die Menge, die sich vor ihm versammelt hat. Mit einem herzlichen Willkommen und die Frage, ob man Lust auf einen Tanz hätte, wird sogleich auf „Hochzeitstanz“ übergeleitet. Und der Refrain wird fast alleine von den Fans gesungen. Der Sänger stimmt das erste Lied des Abends an, das nicht auf der Neuen zu finden ist. „Wirf den ersten Stein“ muss von ihm nur angesungen werden, den Rest erledigen die Fans vor ihm. Alea scheint nun nur für die Optik auf der Bühne zu stehen, aber ganz lässt er sich von dem Posten nicht vergraulen. Die Einsatzbereitschaft, die vom Publikum ausgeht, springt vollkommen auf die Musiker auf der Bühne über und spornt diese zur Höchstleistung an. 

Nach „Miststück“ greift Lasterbalk zum Mikro. Er erzählt, dass er eine ausgiebige Diskussion mit seinem Imageberater hatte, ob eine politsch unkorrekte Ansage in München angebracht sei. Als er allerdings seine Entscheidung auf eine 08/ 15 Ansage offenbart, hagelt es einige Buh-Rufe. Darauf kontert er „Ihr müsst doch nur sagen: Ja wir wollen Scheißdreck!“ worauf die Antwort prompt folgt. Aber der Drummer stellt daraufhin klar, dass Saltatio Mortis keine Spaßvögel sind und sich durchweg mit ernsten Themen beschäftigen wie z. B. mit Strahlung, zuviel davon sei schließlich schlecht für das Gehirn, was man auch an den Lichttechnikern sehen kann. Auch Frank muss in Sachen Strahlung wieder einiges wegstecken; eine perfekte Einleitung für „Fiat Lux“. 

Alea weist die Fans an, die Hand des Nachbarn zu ergreifen, was er selber auch mit Mümmelstein zur besseren Veranschaulichung vorzeigt, die Augen zu schließen und zu vertrauen, dass die Hand einen festhält, falls man ins „Koma“ fällt. Mit „Jetzt ist aber genug“ entreißt er sich wieder der Umklammerung seines Bandkollegen und fordert die Menge auf, die Schulter seines Nebenstehenden zu umgreifen und zu hüpfen. 

Bei der nächsten Ansage outet sich Lasterbalk als Märchenonkel. Ein Nebenjob, der auf langer Saltatio Mortis-Tradition beruht. Er ist gerade dabei, eine kleine Enzyklopädie zu erstellen, die auf den Namen „Luzy, das einsame L“ getauft wird. Und wie jede Erzählung dieser Art auf einer wahren Begebenheit beruht, gehört auch diese unter die Kategorie „Geschichten, die das Leben schreibt“. Hintergrund ist Aleas Mittelalterhochzeit, als Luzy in der Docu-Soup kundtat, dass das Leben als Spielmann schon sehr einsam sei. Natürlich erweisen sich seine Bandkollegen als echte Freunde und starten jedes Mal einen kleinen Appell an die Frauenwelt für ihn. Doch bis jetzt leider erfolglos. Auch nach enormen Einsatz der Mitstreiter wurde der Einsamkeit von Luzy kein Ende gesetzt. Nun wolle man es mit dem anderen Geschlecht probieren. Warum, soll das nächste Lied erzählen, nämlich „Nachtigall und Rose“. 

Das nächste Werk präsentiert der Mann hinter dem Schlagzeug als ein Stück, das als erstes vom neuen Album live vorgetragen wurde. Natürlich wissen eingefleischte Anhänger, um welches es sich handelt und trällern den Refrain noch während Lasterbalk in seinen Ausführungen vertieft ist. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um „Eulenspiegel“. Ein echt genialer Song, der nicht nur ins Ohr, sondern auch in die Stimme geht. Alea versucht in diesem Zusammenhang herauszufinden, ob Männer oder Frauen nun das lautere Organ haben und lädt zum Kontest ein. Wer allerdings letztendlich gewonnen hat, bleibt offen, denn was begonnen wurde, will auch beendet werden. 

Alea kommt nun ins Schwärmen von der Afrika-Reise. Wenn da auch mal irgendwelches zirpendes Kleingetier inne hält, ist es dort richtig still. Man kann hören, wie sich der Tinnitus in den letzten Wochen entfaltet hat, das Schnarchen im Nachbarzelt dieses in voller Akustik erbeben lässt und auch Lasterbalk, der .... nun ja, sagen wir mal mit anderen Dingen beschäftigt ist. Doch nach den Annehmlichkeiten, die so eine Idylle mit sich bringt, ist man doch wieder froh on Tour zu sein. Am Anfang der Ansage erhoffen bestimmt einige Fans „Orpheus“ zu hören, doch wahrscheinlich fehlt der weibliche Gegenpart dazu. Da haben die Herren wohl einigen Anwesenden ein Schnippchen geschlagen, denn stattdessen kommt „Wieder unterwegs“ aus den Boxen. 

Auch Schlagzeuger haben Gefühle und dieser erzählt, dass er sich in eine schöne Maid verliebt hatte, die ihm allerdings nicht lange blieb. „Nach Jahr und Tag“ steht nun auf dem Programm. Die beste Gelegenheit für Elsi, seinen ganz besonderen Dudelsack aus dem Repertoire zu holen. Die Luftsäcke dieses Instruments werden unter die Achseln geklemmt und mit abwechselndem Drücken des Oberarmes gespielt. Danach ging es weiter mit „Tritt ein“ und „Tod und Teufel“, wobei sich die Meute wieder richtig verausgaben kann. Alea versucht später Lasterbalk einige Intimitäten herauszukitzeln, doch der schwenkt gleich wieder zu einem anderen Thema. Es gibt ja noch eine Aufgabe zu erledigen. Nämlich Luzy sprichwörtlich an den Mann zu bringen. „Meine sehr verehrten Herren, habt ihr Lust auf ein Spiel mit dem Feuer“ leitet gleich auf den nächsten Song über. Ob dem Aufruf jemand gefolgt ist, werden wir wahrscheinlich nie erfahren. 

Mit „Prometheus“ versuchen die Spielleut einen Schlussstrich zu ziehen, aber natürlich kehren sie nach all dem Geklatsche und dem eingangs erwähnten Sprechchor mit „Rastlos“ wieder auf die Bühne zurück. Zwar zeigen einige schon ein paar Müdigkeitserscheinungen, doch kaputt machen lassen sich die Fans nicht. Mit dem Nachfolger „Worte“ versucht der Fronter das letzte Fünkchen Energie aus der Menge zu kitzeln. Nach einem ausgedehnten Dankeschön und „Uns gehört die Welt“ verschwinden die Herren wieder kurz von der Bühne. Egal, die Fans singen alleine weiter. Härtnäckig singen sie den berühmten Part von „Spielmannsschwur“. Es wird stur auf Repeat geschaltet, bis sich nach kurzer Verschnaufpause die Band wieder auf dem Podest versammelt, allerdings fehlt der Sänger. „Falsche Freunde“ wird angestimmt und die Stimme von Alea erschallt. Der hat sich zwischenzeitlich unbemerkt nach hinten geschlichen um sich auf Händen wieder nach vorne tragen zu lassen. Nun wurde der Wunsch der Menge erfüllt und es wird endlich „Spielmannsschwur“ gespielt. Mit diesem Song sagen Saltatio Mortis nun endgültig „Auf Wiedersehen“. Man versucht wieder unnachgiebig mit Rufen und Gesang die Musiker wieder zum Erscheinen zu bewegen und siehe da: Für ein kurzes Dankeschön und das Versprechen auf ein baldiges Zusammentreffen erklimmen sie wieder das Podium. 

Natürlich gibt es Saltatio Mortis auch zum Anfassen, denn traditionsgemäß stehen die Helden wieder am Merchstand für Autogramme und ein kleines Pläuschchen bereit. 

Setlist:

  • Ode an die Feindschaft
  • Habgier und Tod
  • Sündenfall
  • Hochzeitstanz
  • Wirf den ersten Stein
  • Miststück
  • Fiat Lux
  • Koma
  • Nachtigall und Rose
  • Manus Manum Lavat
  • Eulenspiegel
  • Wieder unterwegs
  • Nach Jahr und Tag
  • Tritt ein
  • Tod und Teufel
  • Spiel mit dem Feuer
  • Prometheus
  • Rastlos
  • Worte
  • Uns gehört die Welt
  • Falsche Freunde
  • Spielmannsschwur
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