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Sabaton, Grailknights im Konzert (Essen, Dezember 2009)

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Sabaton haben ihr drittes Album ausgiebig betourt und waren ganz 18 Monate unterwegs. Auf dieser langen Reise haben sie 25 Länder besucht und ihren guten Ruf mehr als ausgebaut. Beendet wurde das Ganze an dem Ort, an dem es auch begonnen hatte – dem Turock in Essen. Vor diesem hat sich bereits früh eine lange Schlange gebildet, da das Turock als Raucherclub gewissen Regeln unterworfen ist, die den Einlass erheblich verzögern. Der Laden ist dennoch komplett voll und das obwohl es a) ein Montag ist und b) der Einlass erst ab 18 ist. Das spricht für die Popularität der Schweden.

Grailknights

Den Auftakt bilden aber die Grailknights, die sich auf dieser Tour schon oft die Bretter mit Sabaton geteilt haben. Diese Band polarisiert auf eine ähnliche Weise wie es J.B.O. auch tun, denn nicht wenige werden sie für völlig albern halten. Mit ihren bunten Ganzkörperkostümen und ihren diversen (ebenfalls kostümierten) Gästen wie „Zapf-Beauty die Bierstute“ und natürlich „Dr. Skull“, der wie immer den Gral stiehlt und mehrfach durchs Publikum schlendert, sind die Hannoveraner auf jeden Fall eine ganz eigene Erscheinung. Mit ihren zahlreichen Gags, lockeren Ansagen und dem begeisterten Publikum fällt es, wie bei jedem Konzert der Band, nicht weiter auf, dass ihr Songmaterial zu keiner Sekunde etwas Besonderes darstellt. Lieder wie „Return To Castle Grailskull“ sind nett gemachter Melodic Viking Death Metal, der zudem ziemlich eintönig gesungen wird. Aber was solls, den Fans gefällt es und das ist ja schlussendlich das, was zählen sollte. Ich persönlich kann dem Treiben auf der Bühne mit jedem Mal weniger abgewinnen, da die Konzerte, mit einigem Abstand betrachtet, stets dem selben Schema folgen. Hätte ich aber etwas von dem „Grailsquell“ Bier getrunken, wäre dieser Punkt aber sicherlich hinfällig gewesen. Die Einstimmung auf den Headliner ist jedenfalls gelungen.

Sabaton

Und der weiß diese Vorlage traumhaft zu verwerten, denn was in den folgenden zwei Stunden abgeht, macht nicht nur die Band selbst mehrfach sprachlos. Schon beim Opener „Ghost Division“ vom bisher stärksten Album „The Art Of War“ explodiert das seit Wochen ausverkaufte Turock förmlich, was sich bis Mitternacht auch nicht mehr ändern wird. Der Sound ist nicht optimal, lässt die Lieder aber etwas härter als auf den Alben klingen. Motiviert bis in die (kurzen) Haarspitzen tobt Sänger Joakim über die Bühne, natürlich wie immer in seinem charakteristischem Outfit aus Tarnhose, „Rüstungs-Shirt“ und der großen, verspiegelten Sonnenbrille. Offensichtlich will die Band zum Abschluss ihrer Tour noch einmal alles aus sich herausholen und den Fans einen ganz besonderen Abend bieten. Denn nach dem grandiosen „Cliffs Of Gallipoli“ dürfen die Fans selbst entscheiden, welche Lieder sie hören wollen. „Unbreakable“ kriegt die Band zwar nicht mehr auf die Reihe, aber ansonsten werden alle Wünsche erfüllt.

„Light In The Black“, „Nuclear Attack“, „Panzerkampf“....es ist völlig egal, was die Band spielt. An diesem Montag (man kann es nicht oft genug wiederholen) wird so hemmungslos gefeiert, als gäbe es so profane Dinge wie Arbeitszeiten, Schule oder Uni überhaupt nicht. Joakim Brodén ist sichtlich überwältigt und spricht vom „besten Publikum, was wir jemals hatten“. Und ganz ehrlich: Das glaube ich ihm sogar. Wer noch Zweifel hat, dass diese Band bereit für den nächsten Schritt ist, war definitiv nicht dabei, als am 14.12. 2009 „Attero Dominatus“ im Turock erklang. So laut habe ich ein Publikum nur äußerst selten mitsingen hören. Das beeindruckt den Sänger offenbar so sehr („Fuck, ihr wart lauter als unsere Monitore hier vorne!“), dass er sich sogar von seiner Brille trennt und sein Grinsen nun gar nicht mehr ablegen kann.

Das braucht er aber auch, denn es ist der Tourabschluss und das bedeutet, dass man als Headliner gut aufpassen muss. Nur allzu gerne werden selbigen nämlich derbe Späße gespielt, wobei Sabaton noch relativ glimpflich davonkommen. Die werden nämlich lediglich Opfer von ihren Soundmann Chris (oder Kris), der Joakim öfters einen „Darth Vader-Effekt“ auf das Mikro legt, was den Sänger mehrfach aus der Fassung bringt. Seine Mitstreiter haben da mehr Glück und können sich an ihrer abermals tadellosen Leistung an ihren Instrumenten und beim Backgroundgesang erfreuen. Aus der Reihe tanzt nur der „Gayboarder“ (hey, es steht so auf seinem Keyboard) Daniel Mÿhr, der sich nach einiger Überredungskunst von seiner Kleidung trennt und diese in die begeisterte Masse feuert. Ich hoffe, der junge Herr auf der Treppe hat Freude an seiner verschwitzten Unterhose.

Weitere musikalische Highlights sind „The Price Of A Mile“ und, natürlich, „Panzer Bataillon“, „Primo Victoria“ und der ewige Rausschmeißer „Metal Machine“, die wie den ganzen Abend über schneller als auf den Platten gespielt werden. Ein in allen Belangen denkwürdiger Abend endet aber erst mit „Rise Of Evil“, „Into The Fire“ und dem allerersten Crowdsurfen von Joakim Brodén, dessen Shirt im Übrigen tatsächlich so schlimm riecht, wie es von den Grailknights vorher angekündigt wurde. Das macht aber nichts, denn gute Musik muss schweißtreibend sein. Sabaton sind auf dem Weg nach ganz oben und werden, wie ihr den News entnehmen könnt, schon bald das vierte Album folgen lassen. An der darauf folgenden Tour kann man als Power Metal Fan mit Sicherheit nicht vorbeikommen.

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