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Rush im Konzert (Frankfurt, Mai 2011)

Wer nicht da war, hat was verpasst!

Rush spielten ihr einziges Deutschlandkonzert dieses Jahr in der Frankfurter Festhalle

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Wenn man einer Band wie Rush, die in ihrer gesamten Karriere bei 19 Studioalben nie eine schlechte Platte herausgebracht hat, überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann den, dass sie viel zu selten nach Europa kommt. Da freut man sich dann schon, wenn Canada’s finest nach längerer Abstinenz auch nur für ein einziges Konzert einen Abstecher nach Deutschland machen – wenngleich dies für manche bedeuten mag, einen 500 Kilometer langen Weg auf sich zu nehmen. Doch wer weiß, wie oft man das Trio noch live erleben kann. Insofern gilt es, diese Gelegenheit unbedingt zu nutzen.

Die Frankfurter Festhalle ist gut gefüllt und für so manchen Zuschauer älteren Semesters (eine Gruppe, die angesichts der Tatsache, dass die Band schon gute 40 Jahre existiert, natürlich einen nicht unerheblichen Teil der Besuchermasse ausmacht) ist es möglicherweise sehr angenehm, dass abgesehen vom vorderen Innenraum und der Galerie nur Sitzplätze vorhanden sind. Für meine Begriffe geht Sitzen beim Rockkonzert aber gar nicht, auch wenn Rush eher Musik zum Genießen als zum Abgehen machen. Wenn man von den Rängen hinuntersieht, wird man das Gefühl nicht los, dass es im unbestuhlten Innenbereich allerdings sardinenbüchsenmäßig eng sein muss, aber wenn schon nur ein Deutschlandkonzert der Prog-Götter ansteht, sollte es auch wenigstens voll sein.

Aber apropos genießen: Genießen kann man nicht nur Musik, sondern auch viele Showeffekte abseits selbiger, denn bei Rush bekommt der Fan bekanntermaßen das volle Programm mit tollen Lichtspielereien, lustigen Filmchen, Pyros und Videos, welche die Songs in jeweils passender Weise untermalen. Sicher, der Eintrittspreis zwischen etwa 55 und 70 Euro ist ganz schön heftig, aber man bekommt wirklich value for money geboten. Rush sind eben mehr als nur Musiker; sie sind Künstler mit Visionen, die audiovisuell unterhalten wollen – dessen sollte sich jeder bewusst sein, der das ganze Drumherum als Overkill ansieht.

Mit etwa zehn Minuten Verspätung – die Leute müssen eben erst mal ihre nummerierten Plätze finden, was dem Ganzen, wären nicht vorne auf der Bühne Mikros, Keyboards und Schlagzeug platziert, einen Hauch von Theater oder Oper verleiht – wird schließlich der erste der erwähnten lustigen Filmchen gezeigt. Die Band ist darin in einer Doppelrolle zu sehen: Geddy Lee als Imbissbesitzer mit extravagantem Bart, Neil Peart als mürrischer Cop und Alex Lifeson als fetter Wissenschaftler, und wiederum alle drei als eine unbedarfte Teenie-Band namens „Rash“, die in dem Laden auftritt und mit einer Polkaversion von „The Spirit Of Radio“ aufwartet. Der Wissenschaftler funktioniert die Combo daraufhin mittels einer Höllenmaschine wahlweise zu einer Disco- oder Popgruppe um. Schließlich aber ist der richtige Sound gefunden und die Originalversion des „Permanent Waves“-Klassikers ertönt. Überflüssig zu erwähnen, dass die Zuschauer bei diesen Tönen sofort lauthals anfangen zu jubeln. Da ist es dann auch so weit: Das Trio betritt die Bühne und legt mit – logisch – „The Spirit Of Radio“ los. Dass die Stimmung großartig sein würde, war angesichts einer nahezu ausverkauften Festhalle und der „Exklusivität“ dieses Gigs sowieso klar, doch mit einer solch unsterblichen Nummer hat man die Leute natürlich in nullkommanichts auf seiner Seite. Wie immer wird bei den Worten „concert halls“ besonders stark gejohlt und die Arme gehen in die Luft.

Waschmaschinen gibt es diesmal nicht auf der Bühne zu sehen, stattdessen haben Geddy und Alex ihre Amps in Zeitmaschinen-Kulissen in Anlehnung an H.G. Wells’ Roman eingehüllt und auch Neils Kit ist in diesem Design gehalten. Allerdings lautet der Tourname ja auch „Time Machine Tour“, weshalb auf der riesigen Leinwand hinter den Musikern auch immer die Zahl des Jahres eingeblendet wird, in dem der als nächstes anstehende Song herauskam. Mit „Time Stand Still“, „Presto“ und „Stick It Out“ folgen drei weitere ältere Tracks aus den Achtzigern beziehungsweise Neunzigern, bevor man mit „Workin’ Them Angels“ den ersten Song neueren Datums präsentiert. Insgesamt bieten Rush einen bunten Querschnitt durch ihr gesamtes Schaffen und versuchen, möglichst viele ihrer zahlreichen Alben zu berücksichtigen. Für diese alten Hasen dürfte es auch von Jahr zu Jahr nicht leichter werden, eine Setlist auszutüfteln, aber Rush haben eben dieses Luxusproblem, nie eine schwache Scheibe herausgebracht zu haben, weswegen eigentlich auch jede berücksichtigt werden sollte.

So gesehen ist es schwer, Highlights hervorzuheben und dies wird eher zu einer persönlichen Angelegenheit; schließlich hat jeder seine eigenen Topfavoriten. Für mich sind das im ersten Set vor allem „Freewill“, „Marathon“ (geil, wie bei der Zeile „a lucky shot in the dark“ passenderweise eine Pyro hochknallt) und das göttliche „Subdivisions“, welches als letzte Nummer vor der Pause ertönt. Doch das stets wunderschöne, verträumte Instrumental „Leave That Thing Alone“ hat zweifellos ebenso etwas für sich. Auch der neue Song „Brought Up To Believe“ kommt recht gut an.

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