Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Rogers & Marathonmann im Konzert (Leipzig, Februar 2018)

Fuß kaputt, Stimme im Arsch? Abriss geht trotzdem

Feinste Punk-Rock-Unterhaltung lieferten die Rogers

Zum Thema

Rogers

Die Umbaupause folgt und der Blick bleibt unweigerlich am mittig aufgebauten Stuhl hängen. An dieser Stelle darf man sich doch mal kurz fragen, was mit den Punks von heute los ist? Hat man früher eher Spekulationen angestellt, wann das erste Bandmitglied rotzbesoffen von der Bühne kippt, muss man heutzutage wohl eher Sitzplatz und Krücken bereithalten. Erst zeigte Gunnar von Dritte Wahl wie Punk im Sitzen funktioniert, voriges Jahr schlug sich Sibbi von Itchy mit Schmerztabletten durch den Abend und nun mutiert der hauptamtliche Sänger der Rogers, Chri, zum Frontsitzer.

Zugegebenerweise möchte man nicht nur wegen des gebrochenen Fußes auch nur ansatzweise mit ihm tauschen, immerhin hätte man wohl extremste Bedenken, dass es einen bei dem fetten Einstieg mit „Nie euer Land“ gleich noch vom Hocker haut. Wobei Chri hier noch so ordentlich auf die Gitarre hackt, dass es zu einer etwas bedrohlich aussehenden Schieflage kommt. Und wenn man schon beim Thema schief angekommen ist, die Töne von ihm sind es zwar nicht wirklich, aber dass die Stimme etwas gelitten hat, merkt dann doch durch. Dafür gibt es gleich zum Anfang eine kleine Entschuldigung, welche schweigend angenommen wird und damit geht es hinüber zu „Einen Scheiß muss ich“, bei dem seine Stimme mal sowas von egal ist, immerhin zeigen sich die Besucher bestens zum Mitsingen gerüstet. Aber die Anwesenden geben nicht nur lautstark Auskunft über die Strapazierfähigkeit ihrer Stimmbänder, auch die Knochen scheinen anständig beieinander, mittlerweile dreht sich nun der erste Mosh-Pit durch die Hütte und weil sonst noch zu wenig Bewegung im Saal herrschen könnte, machen sich zugleich die ersten Stagediver auf den Weg. Chri fordert beim ersten Ankömmling noch einen Applaus für den Sprung vom Drei-Meter-Brett, was wohl zusätzlich animiert und zu einer Dauerbelagerung der Bühne führt. Damit wird der Bewegungsradius von Bass und Gitarre zwar weiter verengt, aber im Allgemeinen bleibt ihnen dennoch ausreichend Platz um den Pulk weiter mitanzufeuern.

Musik gibt es natürlich auch und deren Betonung liegt eindeutig auf dem aktuellen Album, wenngleich natürlich auch ein paar ältere Songs wie „Eure Zeit“ abgefeiert werden können. Da sich in den CD-Pack von „Augen auf“ ja noch eine andere Band hinein geschummelt hat, gibt es auch von „Die Roberts“ noch was zu hören. „Kreuzberger Nächte“ und „Ich möcht' der Knopf an deiner Bluse sein“ lassen der Party-Laune freien Lauf, bevor mit einem knappen „Habt ihr Spaß? Damit ist es jetzt vorbei“ ein Akustik-Song auf die Bühne gezaubert wird. Mit „Ich will weg“ steht zugleich der erste ruhigere Titel auf dem Programm, bei dem endlich etwas Zeit zum Luft holen ist. Dies sollte man allerdings auch wahrnehmen, schließlich darf zu „Sie hören zu“ wieder kräftig gemosht werden.

Leider kommt nun allerdings schon der Ausblick auf das Ende des Konzerts. Der letzte Song wird angekündigt und da es ja heute mit dem Weggehen ein Problem sei, einigt man sich gleich auf eine Zugabe. „Früher“ platziert sich also als Schlusspunkt des regulären Sets und mit „Hoch die Tassen“ geht es direkt in die Zugabe hinein, die mit einigen Bierduschen seitens der Zuschauer versehen wird. „Anders als ihr“ hat dann allerdings den schweren Posten des Rausschmeißers, noch einmal wird die Abrissbirne ausgepackt, man dankt sich gegenseitig für den Abend, verspricht ein „Bis bald“, was wiederum mit „Es wird geil!“-Rufen quittiert wird und damit gibt es schon ein abschließendes „Winke, winke“ mit der Krücke.

Durchgängig Stimmung auf höchstem Level, durchgeschwitzte Klamotten und eine bestens aufgelegte Band - was will man mehr? Da bleibt nur zu hoffen, dass das „Bald“ auch baldigst wahrgenommen wird.


Setlist (unvollständig):

Nie euer Land
Einen Scheiß muss ich
Die Nachbarn Von Oben
Eure Zeit
Augen auf
Alles für nichts
Wohin
Stoppt uns
Unter Tränen
Allein
Kreuzberger Nächte
Ich möcht' der Knopf an deiner Bluse sein
Ich will weg
Sie hören zu
Mensch
Früher

Hoch die Tassen
Vergiss nie
Stiller Wunsch
Anders als ihr

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus