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Rockharz Openair 2008

Zum Thema

Bereits zum fünfzehnten Mal öffnete das Rock Harz Open Air (im Zeitraum vom 17. bis zum 19. Juli 2008) in dem beschaulichen Dörfchen Förste bei Osterode seine Pforten.

Und obwohl das Festival innerhalb der letzten zwei Jahre beträchtlich gewachsen ist, kam das Event bis dato nicht über dessen Geheimtipp-Status hinaus. Dies mag in erster Linie am Billing liegen, welches stets auf einer ausgewogenen Mischung aus durchaus hochkarätigen Acts neben ebenso zahlreich vertretenen Newcomern beruht. Zudem bietet das Festival eine überaus hohe Dichte an verschiedensten Genres, welche zu einer durchaus gelungenen und funktionierenden Symbiose verschmelzen.

 

Zurückgegriffen wurde beim diesjährigen Ableger des Events auf dasselbe Gelände wie bereits im Vorjahr, welches mit seinen zwei Bühnen insgesamt betrachtet noch recht übersichtlich anmutet.

Somit gestaltete sich die Running Order erfreulicherweise auch recht linear. Nacheinander spielte jeweils eine Band abwechselnd auf der Main bzw. Second Stage. Somit artete die Angelegenheit zwar zeitweise in Stress aus, da es zwischen den Gigs keinerlei Pausen gab und somit auch die Möglichkeit entfiel, zwischenzeitlich das ein oder andere Bierchen zu zischen, aber immerhin verpasste man keine Band aufgrund von Überschneidungen.

 

 

 

Donnerstag , 17.07.08

 

Die ersten Bands, Noise Drug (Gewinner des Dooload-Bandcontest) und Kissin' Dynamite, waren aufgrund von berufsbedingten Einschränkungen und diversem organisatorischen Kram leider nicht in Augenschein zu nehmen.

Die erste Band, die wir also für euch sichten durften, war daher die Mittelalter-Fun-Formation Feuerschwanz. Diese, zugegebenermaßen etwas merkwürdigen, Spielleute frönen sich ganz und gar dem Metier der „Mittelalter-Comedy“, wie sie ihr Schaffen selbst betiteln. Man darf sie folglich also nicht allzu ernst nehmen. Inhaltlich und auch in musikalischer Hinsicht haben wir es hier mit einem Zwitter aus Schandmaul und J.B.O zutun. So könnte man Feuerschwanz wohl noch am ehesten beschreiben, welche damit scheinbar den Nerv der, hauptsächlich jüngeren, Hörerschaft voll getroffen haben. Stilecht in Rittertracht, mittelalterlich anmutenden Gewändern und dergleichen gehüllt, gab man also Material aus den beiden letzteren Studiowerken „Prima Nocte Snippet“ und „Met und Miezen“ zum Besten, gespickt mit zwar relativ inhaltsarmen aber durchaus lustigen Zwischenansagen, die zumeist eine Appellation an den (scheinbar erwünschten) Alkoholkonsum des Publikums waren. Soundtechnisch lag soweit alles im Grünen Bereich - die Band zeigte sich überaus spielfreudig, was sich letztlich auch in der Performace manifestierte, und hatte zudem mit „Met und Miezen“, „Verteidiger des wahren Mets“ und „Der Teufel hat den Schnaps gebraut“ ein paar echte Live-Granaten in Petto, welche vom Publikum sichtlich gut aufgenommen wurden. Alles in allem kann man also von einem durch und durch gelungenen Auftritt sprechen, zumal die Band sich überaus menschlich gab und sich nach dem Gig auch durchaus auf einen Plausch mit den Festivalmenschen einließ.

 

 

 

 

Eine etwa halbstündige Umbaupause später gaben sich die V8 Wixxer die Ehre.

Um etwa Missverständnisse vorzubeugen: Die V8 Wixxer sind das deutschsprachige Pendant zu den V8 Wankers, welche in dieser Form auf dem Rock Harz ihr Live-Debüt gaben.

Sowohl musikalisch als auch von den lyrischen Ergüssen her konnte ich keinen Unterschied zwischen den beiden Projekten ausmachen (abgesehen von der Sprache selbstredend).

Präsentiert wurde dem Publikum relativ geradlinige Kost der härteren Gangart mit einer beträchtlichen Nähe zum Punk. Besungen wurden also in bester Proll-Manier die Themen „Fußball, Ficken, Alkohol“.

Als Lückenfüller ging das durchaus in Ordnung aber prinzipiell nichts, was man hätte länger konsumieren können/müssen. Wenngleich die Kutten auf den behaarten, nackten Oberkörpern ziemlich maskulin anmuteten.

 

Auf der Second Stage vernahm man bereits die ersten Klänge des unbestrittenen Meisters der Heimorgel: Mambo Kurt.

Entweder man liebt oder hasst den jungen, etwas kauzigen Herren, welcher im Übrigen Doktor der Chirurgie ist. Tatsache jedoch ist, dass der Mensch in jeder Hinsicht sein Handwerk versteht und unterhaltsam ist es in jedem Falle.

So gab es neben einer Heimorgel-Interpretation von „Number of the Beast“, Van Halens „Jump“ zu bestaunen. Auch das obligatorische „The Final Countdown“ durfte nicht fehlen, bei welchem wirklich jeder begeistert die Fäuste in die Luft recken konnte.

Zwischendurch stellte er die Orgel auf Automatik um, um das Publikum zum Mitfeiern zu animieren. Es folgten die Metallica Nummer „Enter Sandman“, welche jedoch nicht gänzlich positiv aufgenommen wurde und „Paradise City“ von Guns ´n´ Roses, welches die Masse wieder besänftigen konnte.

Den Schluss des Sets markierte schließlich ein großartig adaptiertes „South of Heaven“. Dannach war dann aber auch Schluss und es ging nahtlos weiter mit den Dimple Minds.

 

Die im Jahre 1986 gegründete Deutschpunk-Band erntete zu Beginn der 90er Jahre ihre größten kommerziellen Erfolge und zeichnete sich vor allem durch ihre Affinität zum Metal-Genre aus, was sie auch durchaus für Freunde der härteren Gangart interessant machte.

Bis vor einem Jahr war es zwar noch recht still um die Band, bis diese sich mit ihrem neuesten Output „Toleranz ist heilbar“ zurückgemeldet hatten, jedoch durfte angesichts der gleichnamigen Tour auch das Rock Harz Festival beehrt werden.

So gaben sie in ihrer Orthopäden-Tracht rund eine Stunde Livematerial zum Besten, wobei sich Sänger Ladde bereits nach zwei Stücken seiner Hose entledigte.

Nun, wie sollte es anders sein ? Auch hier waren der Alkohol und die mangelnde finanzielle Liquidität zentrales Thema. Insgesamt kein wirklich überragender Auftritt, aber für zwischendurch ging der Gig durchaus in Ordnung.

 

Nahtlos ging es sodann zur Second Stage, wo bereits das zweite Set von Mambo Kurt auf das geneigte Publikum wartete, welches mit „I still loving you“ eingeläutet wurde (als Soundcheck).

Deutlich besser jedoch kam die Clawfinger Verlade von „Get It“ beim Publikum an. Ebenso wurde der Nirvana-Evergreen „Smells like Teen Spirit“ verheizt, bei welchem Mambo Kurt zugleich eine krasse Kopfstimme offenbarte.

Mit „Dancing Queen“ und dem daraufhinfolgenden „Sing Halleluja“ fischte man zum Abschluss nochmal in fremden Gewässern. Zu letzterem wurden amüsanterweise noch zwei Headbang-wütige Gesellen auf die Bühne geladen, welche beherzt ihre Matten in ganz und gar untypischerweise zum obigen Popsong schütteln konnten.

 

Mit Torfrock folgte dann auch schließlich der Headliner des Abends, welcher zugegebnermaßen auch ein Zugeständnis an die Dorfgemeinde war, deren Bewohner das Spektakel für lau sichten durften.

Torfrock gehören ja mittlerweile zu den älteren Semestern, welche also vor allem auf ein reichlich bestücktes Evergreen-Portfolio zurückgreifen können.

Neben „Rut mit´n Torf (dat matscht so schön)“, „Karola Petersen“ und „Rollo, der Wikinger“ wurde das feierwillige Publikum ebenso mit der Torfrock-Hymne „Beinhart“ beglückt.

Performancetechnisch durfte man naturgemäß eher Hausmannskost bewundern, sodass vor allem die Zwischenansage ein Schmunzeln hervorriefen. Auch wenn das „Vielen, Viele Danke!“ nach jedem Beifall auf die Dauer etwas nervtötend wirkte.

Dennoch gestalteten sich die rund 90 Minuten Spielzeit äußerst amüsant, sodass die Nordlichter ein sichtlich vergnügtes Publikum in die Nacht entließen.

 

Erwähnenswert ist an dieser Stelle noch die „After Show Party“, welche in der Mehrzweckhalle Förste beheimatet war (200m vom Campground entfernt) und das noch nicht allzu träge Publikum mit den größten Klassikern und Hits des Metals versorgte. Ebenso bot diese eine Metal-Karaoke-Show, bei welcher die bestplatzierten Gesangskünstler „fürstlich“ belohnt wurden.

Kosten tat das ganze nichts, lediglich ein Mindestverzehr von 2€ war zu entrichten.

 

Freitag, 18.07.08

 

Am nächsten Tag fand ich mich gegen zwei auf dem Festivalgelände wieder.

Gerade richtig um die brasilianische Truppe Torture Squad zu sichten, welche aus dem fernen Sao Paulo stammt und sich bereits Anno 1990 zusammengefand.

Und auch wenn sie in ihrem Heimatland bereits auf eine recht beachtliche Fangemeinde und eine ebenso stolze Discographie zurückblicken können, sind sie wohl in hiesigen Breitengraden ein noch unbeschriebenes Blatt.

Dass sie keinesweges Neulinge auf ihrem Terrain sind, haben sie mit ihrem Auftritt auf jeden Fall bewiesen. Der rifffixierte Death/Thrash Mix kam gerade richtig, um die noch verschlafene und halbverkarterte Meute wach zu bekommen. Technisch äußerst versiert präsentierte uns die Band eine wahrhaft schlagkräftige und brutale Show. Die intelligent gesetzten Breaks setzten sich zusammen mit den bombastischen Soli und dem qualitativ anspruchsvollen Songwriting zu einer explosiven Symbiose zusammen.

In einer knappen halben Stunde schaffte es die Band, das Publikum auf ihre Seite zu locken, was nicht zuletzt an der überaus starken Rhythmusfraktion gelegen haben mag.

Doch auch Sänger Vitor Rodrigues konnte auf ganzer Linie überzeugen.

Seien es nun tiefe, grollend-voluminöse Growl-Attacken oder beißende Shouts auf der höheren Tonebene. Er konnte sowohl durch seine Bühnendarbietung als auch durch seine gesanglichen Fähigkeiten überzeugen, was sich in einer explosiven Pit-Atmosphäre manifestierte.

So können sie durchaus von sich behaupten, den ein oder anderen Anhänger hinzugewonnen zu haben.

 

Weniger überzeugen konnten hingegen RAW, welche mit ihrer emoesquen Attitüde wohl vor allem die jüngere Hörerschaft anlocken sollten. Tatsächlich entpuppte sich die Musik als grottenlangweiliger, minimalistischer Metalcore, der ebenso melancholische als auch aggressive Elemente enthalten sollte, was aber nur bedingt zu funktionieren schien. Am ehesten konnte noch der Frontmann mit seiner vielseitigen Stimme überzeugen. Dabei blieb es dann aber auch, was sich auch in der eher bescheidenen Publikumsresonanz wiederspiegelte.

 

Die nächste Band, welche ich mir zu Gemüte führte, war Alestorm, welche in diesem Jahr mit „Captain Morgan´s Revenge“ ein in jeder Hinsicht beeindruckendes Erstwerk ablieferte.

Entsprechend gespannt war ich, wie sie sich live machten. Und auch wenn bereits Running Wild den Piraten-Lifestyle in Reinkultur zelebrierten, so sind auch Alestorm durchaus unterhaltsam.

Und wenn man vom Teufel spricht: Eingeläutet wurde das Set vom Running Wild Klassiker „Under Jolly Roger“. In ihrer Musik vermengen Alestorm auf eine knackig-kompakte Weise Folk-, und Power-Metal-Elemente, welche sich auch durch ihre schottischen Einflüsse auszeichnen.

Vor allem durch Kracher wie „Over the Seas“ oder „Captain Morgan´s Revenge“ konnte die Band die ganze (halbstündige) Spielzeit über begeistern. Da sah man auch schon über die kleinen Defizite von Gitarrist Gavin Harper hinweg, dessen Spiel vor allem zu Beginn noch arg unsicher rüberkam.

Besondere Erwähnung findet hier das merkwürdige Keyboard, welches wie ein antiquitiertes Schiffsklavier klang.

Insgesamt ein durchaus netter Auftritt, der auf jeden Fall eine ganze Menge Spaß gemacht hat.

 

 

 

Weiter im Programm ging es mit Tyr:

Die Färöer gaben eine durchwegs solide Show ab. Und die Anhänger waren sichtlich begeistert.

Uneingeschränkter Favorit ist hier wohl das grandiose „Hail to the Hammer“ gewesen, welches von den Fans lechzend aufgenommen wurde. Soundtechnisch war so weit alles im Grünen Bereich.

Bandleader Heri Joensen hat sein Publikum zweifelsohne fest im Griff.

 

Beloved Enemy bedienten dann wiederum ein gänzlich anderes Publikum.

Gothic Rock mit latenten Metal-Einflüssen war angesagt. Frontmann Ski-King „Dead L-Vis“ entpuppte sich mit seinen tätowierten Kotelleten und seinem massiven Körperbau als eine wahrhaftig imposante Erscheinung. Mit den Stücken ihres letzten Schaffens „Enemy mine“ konnten die Rock Harz-Pilger durchaus überzeugt werden. Lediglich die technischen Probleme machten der Band zu schaffen.

So war die Lichtanlage erst nach dem dritten Stück gewillt zu funktionieren und zwischendurch verabschiedete sich immer wieder mal der Bass-Sound.

Dennoch ein mehr als guter Auftritt, mit dem sicherlich ein paar neue Fans hinzugewonnen werden konnten.

 

Brainstorm setzten dann wieder auf Power Metal der eher klassischen Machart und zogen somit vor allem das traditionelle Heavy-Metal Publikum an. Nach der überwiegend positiven Resonanz ihres aktuellen Studiowerkes „Downburst“ war ich sehr gespannt auf den Gig.

Entgegen der eher spärlich besuchten Headliner-Tour im Frühjahr dieses Jahres und den immer wiederkehrenden gesundheitlichen Problemen von Frontmann Andy, schien man auf dem Rock Harz putzmunter und interagierte perfekt mit dem Publikum.

Songs wie „Shiva´s Tear“ oder „Fire walk with me“ rissen dieses dann auch aus der Schlechtwetter-Lethargie. Einziger Wehmutstropfen dürfte wohl sein, dass vor allem ältere Stücke außer Acht gelassen wurden. Ansonsten ein souveräner, routinierter Auftritt, der durchaus Laune gemacht hat.

 

 

 

Ein persönliches Highlight dieses Festivals waren für mich Knorkator.

Wer die illustre, aber umstrittene Boygroup kennt, der weiß worauf er sich einzustellen hat.

Die Herren gaben sich wie gewohnt betont würdevoll und gesetzt. Quatsch! Natürlich hatten sie auch dieses Mal eine hochgradig absurde Bühnenshow im Gepäck und rasteten auf der Bühne völlig aus.

Wie üblich zelebrierte Stumpen leicht bekleidet einen autoerotischen, extatischen Ausdruckstanz, während Alf kräftig auf die Percussions eindrosch. Buzz Dee hingegen verzog wie üblich keine Miene.

Ganz unüblicherweise war der Großteil der meisten Band der Welt ganz in Weiß gekleidet, was angesichts des wirklich saumäßigen Wetters schon sehr gewagt war.

Typisch für ein Knorkator-Konzert waren neben dem gewohnt absurd-kafkaesken Liedgut die recht tollkühnen Show-Einlagen.

Neben Songs vom letzten Output wie dem „Lied vom Pferd“, „Geld“ und „Eigentum“ konnte man dem wohlbekannten „Ich hasse Musik“ sein Ohr schenken. Auch das allseits beliebte Stück „Alter Mann“ wurde gespielt und von der Meute begeistert aufgenommen und mitgeträllert.

Zu Bemängeln waren lediglich die spärlich gesetzten Zwischenansagen (angesichts der bevorstehenden Auflösung hätte man sich in dieser Hinsicht sicherlich etwas Originelles einfallen lassen können) und die kurze Spielzeit (wofür die Band jedoch nichts konnte).

So neigte sich eines der Höhepunkte des Festivals dem Ende.

 

 

Doch auch Turisas konnten begeistern.

Die dämonisch schwarz-rot beschminkten Kriegermannen um Mathias Nygård und Jussi Wickström, welche zwischen dem Viking und Pagan-Genre pendeln und auch unverhohlen ihre finnischen Einflüsse in ihre Musik mit einfließen lassen, blicken erst auf eine Discographie von zwei Longplayern zurück, konnten aber trotzdem eine große Anhängerschar auf dem Rock Harz für sich verbuchen.

Der Auftritt war großartig, jedoch machte erneut die Technik einige Zicken, deren Basspegel furchtbar übersteuert war.

 

 

 

Haggard Gigs sind im Allgemeinen verhältnismäßig rar gesäht, umso erfreuter war ich, sie dieses Jahr auf dem Rock Harz zu sehen. Im sonstigen Metal-Einerlei sind Haggard mit ihrer knapp 20 Mann starken Truppe definitiv eine imposante Ausnahmeerscheinung. Auf dem Rock Harz hingegen traten sie stark minimalisiert auf (12 Menschen), um ihr Klassik-Mittelalter-Metal-Orchester ausdrucksstark zur Geltung zu bringen. Vom neuesten Output wurde zwar nichts vorgetragen, dafür wurde der Schwerpunkt auf bandinterne Hits wie „Final Victory“, „Awakening The Centuries“ oder der ganz eigenen Interpretation der mittelalterlichen, altschwedischen Ballade „Herr Mannelig“ gelegt.

Insgesamt hat mich der Auftritt trotz der oben genannten Einschränkungen durchaus überzeugt.

Zwischendurch kam es jedoch zu einer weiteren Panne und das Konzert drohte abgebrochen zu werden.

Ein Kleinkind, welches sich zusammen mit dem Vater den Weg nach vorne gebannt hatte, hatte seinen Ohrenschutz nicht aufgesetzt, was den Sänger zu folgender Ansage veranlasste:

„Entweder, das Kind bekommt den Ohrschutz sofort wieder auf oder wir brechen das Konzert auf der Stelle ab.“ Angesichts dieser verantwortungsvollen Tat konnte sich der Haggard-Fronter bei vielen Festivalbesuchern viele Sympathie-Boni einheimsen.

 

Auch den Atrocity Gig hatte ich mir herbeigesehnt, welche auf dem Rock Harz mit ihrer Werk 80 Show vertreten waren. Dem Namen zufolge, gab es demnach ausschließlich Songs ihrer beiden „Werk 80 (II)“ Scheiben zu hören. So gab es 80er Jahre New-Wave Klassiker der Marke „Tainted Love“ von Softcell, „Shout“ von Tears for Fears oder „Wild Boyz“ von Duran, Duran zu hören.

Atrocity konnten zudem auf die wohl üppigste Bühnendeko zurückblicken, so war die Bühne auf eine industriell anmutende Weise ausgeschmückt. Zudem gab es immer wieder ein paar nette Pyroeffekte zu bestaunen, während sich das männliche Auge vor allem angesichts der zwei Go-Go Girls erfreuen konnte, welche sich im Hintergrund hinter Gittern lasziv räkelten.

Den weiblichen Background Gesang übernahm wie gewohnt Krulls Frau Liv-Kristin. Die orchestralen Playback Elemente nervten mich ein wenig, waren aber zu verschmerzen.

Weniger begeistert war ich von dem vorzeitigen Abbruch des Sets, welches auf die erneuten technischen Schwierigkeiten zurückzuführen war. Enttäuschend, aber der Band sei verziehen, sie konnte schließlich nichts dafür.

 

 

 

Der Saltatio Mortis Auftritt als Überbrückung zum Finale ist durchaus als gelungen zu bezeichnen. Songtechnisch schöpften die Jungs um Alea, dem Bescheidenen, aus ihrer gesamten Discographie, vor allem aber natürlich aus ihrem jüngst erschienenen Werk „Aus der Asche“.

Dem Publikum hat es sichtlich gut gefallen, ich war ebenfalls durchaus zufrieden.

Ingesamt also eine nette und kurzweilige Angelegenheit.

 

Saxon kann man ja immer wieder mal auf den Wacken-Wiesen bewundern, dieses Mal hatte es die New Wave of British Heavy Metal – Pioniere in den Harz verschlagen.

Die Briten um Sänger Biff Beford legten einen herzhaft routinierten Gig an den Tag und spielten die ganzen Standards wie „Motorcycle Man“, „Strong Arm Of The Law“, „Heavy Metal Thunder“, „Crusader“ oder „Princess Of The Night” runter. Natürlich wurden auch jüngere Stücke nicht außer Acht gelassen. Saxon gaben einen durchwegs souveränen Auftritt ab, wenngleich die Herren in bewegungstechnischer Hinsicht ein wenig stagnierten. Nun ja, sind ja auch nicht unbedingt die Jüngsten.

Und somit neigte sich nach einer durchaus erfreulichen Show auch der Freitag dem Ende.

 

Samstag, 19.08.2008

 

Angesichts des immer noch miesen Wetters und der zunehmenden Schlammlawinen, überkam meinereiner eine gewisse Lethargie, welche mich und viele andere dazu veranlasste, erst am Nachmittag zum Festivalgelände zu pilgern.

 

Tatsächlich kam ich gerade passend zum Auftritt der etwas obskuren Kapelle Diablo Swing Orchestra, welche mich ehrlich gesagt sehr positiv überraschte.

Der zugegebenermaßen sehr krude Stilmix aus Metal nach schwedischer Machart und Swing konnte mich jedenfalls durchwegs überzeugen.

 

 

 

 

Secrets of the Moon tingeln ja bereits seit rund dreizehn Jahren durch den Black Metal-Untergrund und auch seit der letzten Veröffentlichung sind bereits zwei Jährchen vergangen.

Umso mehr sind sie auf eine sehr ausgeprägte Live-Präsenz angewiesen, welche ihnen auf dem Rock Harz auch gewährt wurde.

Jedoch kann ich nun aber auch nachvollziehen, weshalb sie nie über den Geheimtipp-Status hinauskamen. Zu lustlos wirkte das ganze runtergerattert, zu herz- und seelenlos und im Ganzen zu minimalistisch. Zudem war der Sound furchtbar überdreht und der Basssound wucherte sich auf unangenehme Weise durch die Gehörgänge.

Einer der wohl mitunter schwächsten Auftritte auf dem diesjährigen Rock Harz.

 

 

 

Mit Crematory konnte man einen weiteren Act aus dem Gothic-Metal Bereich bestaunen, welche in diesem Jahr recht zahlreich vertreten waren.

Felix und seine krematorischen Zornesbrüder (und Schwestern) können auf einen grundsoliden Auftritt zurückblicken, welcher lediglich durch die erneuten technischen Macken (und dem damit verbundenen Abbruch des Gigs) getrübt wurde. Schade.

 

 

 

Sodom stehen ja sowieso als Garant für eine grandiose Party. Insofern kann man hier nichts falsch machen. So auch auf dem Rock Harz. Die Ruhrpott-Thrasher ballerten sich auch hier durch ihren jahrzehntealten Backkatalog.

Eingeläutet wurde das Spektakel mit „Blood on your Lips“ , fortgeführt mit „Outbreak of Evil“, welches nochmals aus den tiefsten Tiefen der 80er Jahre Mottenkiste hervorgekramt wurde.

Doch auch „M-16“ konnte die Masse begeistern. Das höllische Dreigespann Angelripper/Bernemann/Schottkowski hatte sein Publikum sichtlich fest im Griff. Weiter ging es mit „City of God“, bis schließlich das deutschsprachige Zweigespann „Der Wachturm“ und „Die Stumme Ursel“ für Furore sorgten, dürften sie doch vor allem eingeschlagene Sodom-Anhänger damit sehr erfreut haben. Nebenbei wurde eine Gummipuppe der Marke Sandy (respektive auch Mandy und Chantal) auf die Bühne befördert.

Dazwischen fungierte Tom für ein heiratswilliges Paar kurzerhand als Priester und gab den beiden seinen Segen. Danach ging es weiter im Set mit „In the Signs of Evil“ und „The Saw Is The Law“, welche beide auf recht stimmige Publikumsresonanz stießen.

Als dann aber tatsächlich das uralte „Obsessed By Cruelty“ angespielt wurde, war die Meute nicht mehr zu halten, immerhin hört man sowas auf einem Sodom-Konzert nicht alle Tage.

Ein wunderbar kurzweiliger und energiegeladener Auftritt, welchen ich somit als weiteren Höhepunkt des Festivals markiere.

 

Amon Amarth wurden bereits von vielen sehnsüchtig erwartet.

Und auch wenn ich mit deren musikalischen Ergüssen nicht allzuviel anfangen kann, so konnte ich mich doch an einer guten Show mit beeindruckenden Pyro-Spielereien und guter bewegungstechnischer Performance laben. „Across The Rainbow Bridge“, “Death In Fire”, “Victorius March”, “Cry Of The Black Birds”, „Pursuit Of Vikings“ und “Asathor” waren dann auch musikalisch die persönlichen Highlights.

Jedenfalls gab es bezüglich der Setlist keinerlei Beanstandungen.

Auch Soundtechnisch schien der Gig, entgegen den immer wiederkehrenden Technik-Faux Pas, absolute spitze, sodass man in dieser Hinsicht von einem guten Konzert sprechen kann.

Um auch ein Wort zum Publikum zu verlieren: Dieses zeigte sich herzhaft ausgelassen, sodass auch hier für reichlich Stimmung gesorgt war. Nach dem Gig ging es auf den Förster Strassen und den Campgrounds recht chaotisch zu, da viele nach dem Amon Amarth Auftritt das Festival verließen.

 

 

Anschließend sorgte die NDT-Truppe Eisbrecher für Aufsehen, welche ja in erster Linie aus den Ex-Megaherzlern Wesselsky und Noel Pix besteht.

Diese konnten mit ihrer martialischen Präsenz und der düster-brachialen, von meterhohen Gitarren/Synthiewänden geprägten, Musik überzeugen.

Das Publikum zeigte sich offenkundig sehr begeistert und die Band konnte auf sehr stimmiges, eingängiges Material zurückgreifen.

 

Den „krönenden“ Abschluss bildeten schließlich unsere holländischen Nachbarn von Within Temptation, welche wohl den kommerziellen Thron des Rock Harz Festivals erklommen haben.

Doch trotz ihrer millionenfach verkauften Platten, sind die Live-Qualitäten noch durchaus ausbaufähig, wenngleich es die standhaften Fans natürlich keineswegs gestört hat, welche die Band hübsch abfeierten. Keine oder nur wenige Zwischenansagen waren die Regel, auch im Hinblick auf die Performance zeigte man sich arg zurückhaltend. Immerhin war der Auftritt schön inszeniert und verwöhnte das Auge des Betrachters.

Musikalisch zeigte man sich sehr gesangsorientiert, was ich aber als relativ angenehm empfand.

Zwar in keinster Weise innovativ, aber grundsolide mit verbesserungswürdigen Aspekten, so lässt sich dieser Auftritt wohl letztlich am ehesten beschreiben.

 

Es gibt Stimmen die flüstern, Rock Harz sei wie ein Wacken der kleineren Rangordnung. Das stimmt in allen Belangen. Sowohl in sanitärer Hinsicht als auch was die Organisation angeht.

Der diesjährige Ableger kann als durchaus gelungen bezeichnet werden, sofern man von den unattraktiven wetterlichen Bedingungen absieht.

Rund 8000, zumeist friedliche, Pilger haben fröhlich die drei Tage durchgefeiert und so die vergangenen Besucherzahlen in den Schatten gestellt.

Trotz der häufig auftretenden technischen Macken kann man auf ein hübsches Festival zurückblicken, welches sich vor allem durch ein rundum gelungenes Billing ausgezeichnet hat.

 

Für die Fotos bedanke ich mich recht herzlich bei Mareike Rother und David Repenning, welche diese zur Verfügung stellten.

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