Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Rock Im Wingert 2011

Hoffentlich nicht das letzte Rock Im Wingert

Orden Ogan lieferten einen würdigen Abschluss

Zum Thema

Orden Ogan

Inzwischen haben wir kurz nach 22 Uhr, das heißt: Alle Minderjährigen raus! Securitys bahnen sich einen Weg durch die verstreute Menge, prüfen Armbändchen und geleiten Betrunken und Teenies zum Ausgang. Überhaupt sind fast mehr Sicherheitsleute da als Gäste, aber wie sagt man so schön – lieber zu viel als zu wenig. In der Umbaupause, die sich wie erwartet ein bisschen hinzieht, enwickelt sich ein Gespräch zwischen der rasenden Reporterin und ihrem Stehnachbarn, der sie fragt, ob sie nicht auch so begeistert ist, Orden Ogan jetzt live zu sehen. Die lapidare Antwort, sie sei eigentlich nur hier, um ihren Bericht zu schreiben, und müsse Orden Ogan jetzt nicht zwangsläufig sehen – schon gar nicht nach der grandiosen Show von Nightmare – entlockt dem jungen Mann einen ungläubigen Blick und ein fast fassungsloses Schnauben.

Die Power-Folk-Metaller bedürfen eigentlich keiner Vorstellung mehr – ihr letztes Jahr wieder veröffentliches Debüt „Vale“ knackte erneut die CD-Spieler der Nation, ebenso wie sein Vorläufer „Easton Hope“. In meinem persönlichen Blickfeld rangierte die Combo bisher immer so am Rande – man kennt sie, weiß in etwa, was auf einen zukommt, muss aber nicht zwangsläufig in Begeisterungsstürme ausbrechen. Ein bisschen Unrecht habe ich den Jungs damit allerdings getan, denn nach dem Auftritt lässt sich zumindest sagen, dass hier gestandene, technisch versierte Musiker zugegen sind, die einen unglaublichen sympathischen Eindruck machen – allen voran natürlich Fronter Seeb, der lapidar verkündet, dass man nach der Show ja noch für Autogramme und Fotos zur Stelle wäre, obwohl er nicht verstünde, warum überhaupt jemand Fotos mit der „hässlichen“ Band machen wollte.

Bei uns konnten Orden Ogan bei Release ihrer Alben selbst von einem sonst eher knauserigen Redaktionsmitglied hohe Bewertungen einfahren, also stellt man sich an diesem schönen Abend einfach mal erwartungsvoll vor die Bühne und harrt der Dinge, die da kommen mögen. Bastard Nations Axel verkündet bereits vor Beginn des Festivals die ungute Nachricht, dass Keyboarder Nils nicht zugegen weil krank ist und deshalb einiges nicht gespielt werden kann. Wir wünschen an dieser Stelle gute Besserung, und können bescheinigen, dass die Abwesenheit des Tastendrückers zumindest keine Tränen in den Gesichtern der Fans hinterlassen hat – von der ersten Sekunde an werden die Vier mit tosendem Beifall empfangen, „To New Shores Of Sadness“ legt den Grundstein für konstantes Headbangen und Fäuste, Pommesgabeln und Haare teilen sich den Luftraum über der Bühne mit überschwappendem Gerstensaft. Gitarrist Tobi hat von Beginn an ein Dauergrinsen im Gesicht und auch Seeb freut sich sichtlich über den großen Zuspruch.

Trotz des recht langen Soundchecks gibt es bei „Welcome Liberty“ die ersten Schwierigkeiten mit der Gitarre. Das tut der guten Stimmung natürlich keinen Abbruch und glücklicherweise kann das Set direkt weiterkommen. Jetzt wird klar: Trotz weniger Bandshirts sind viele nur für Orden Ogan gekommen, jubeln bei jedem Song wie irre und können jeden Text mitsingen und jedes Riff in der Luft mitspielen. Natürlich darf das obligatorische „Hallo Publikum!“ – „Fuck you, Pussy!“ nicht fehlen, das den Übertrack „We Are Pirates“ einleitet. Obwohl der Platz vor der Bühne gut gefüllt ist, herrscht zumindest nach dem wohl bekanntesten Song der Band nicht mehr ganz so viel Stimmung und an die Begeisterung, die Nightmare verbreiten konnten, reicht das jetzige Ausmaß auch nicht mehr heran, was vielleicht auch daran liegt, dass einige Leute bereits zu „Mystic Sympony“ den Heimweg antreten. „Angels War“ wird wie auf jeder Show der letzten Tour als Rausschmeißer gespielt, aber damit ist es natürlich noch nicht getan – die Menge verlangt lautstark nach mehr und als Zugabe wird dann direkt mal die Death-Metal-Keule mit den Worten ausgefahren „Das solltet ihr niemandem erzählen – eurer Mama nicht und schon gar nicht unserer Plattenfirma, denn dann verlieren wir an Glaubwüdigkeit“ – sprachs und growlt den Zweiteiler „Splattered In Seconds“/“Splattered In A Half Minute“, beides kurze, knackige Stücke, in denen der Tod einer Fliege behandelt wird; beziehungsweise der Tod zweier Fliegen, wir haben es ja hier nicht mit Zombie-Insekten zu tun. Kurz vor Mitternacht wird mit dem Running Wild-Cover „Riding The Storm“ noch eine Hommage an die Band geliefert, die Orden Ogan maßgeblich beeinflusst hat – weitere „Zugabe!“/“Flughafen!“-Rufe werden laut (wer die Sache mit dem Flughafen losgetreten hat, gehört übrigens geteert und gefedert), aber pünktlich zur Geisterstunde verabschiedet sich die Band dann in die wohlverdienten zehn Minuten Pause, bevor es an den Merchandisestand geht.

Alles in allem hat Rock Im Wingert tatsächlich das Zeug, sich als regelmäßiges kleines Metalfestival zu etablieren. Faire Preise, gemütliche Atmosphäre, gerüchteweise sehr saubere Dixieklos und eine gute Bandauswahl steht auf der Habenseite der Organisatoren – wenn sie jetzt noch den Wettergott bestechen, dürfte einer 2012er Auflage nichts im Wege stehen.

Setlist:

To New Shores Of Sadness
Reality Lost
Farewell
Welcome Liberty
Easton Hope
The Lords Of The Flies
Mystic Symphony
Angels War

Splattered In Seconds/Splattered In A Half Minute

Riding The Storm

Seite
comments powered by Disqus

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen