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Rock Hard Festival 2019

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Watain

Nun wird’s finster. Nicht nur deswegen, weil langsam die Dämmerung einsetzt, sondern auch musikalisch. Während der Mummenschanz bei Lizzy Borden harmlos war und alles nur Spaß ist, meinen die Vögel von Watain bekanntermaßen alles sehr ernst was sie sagen und machen. Das muss man nicht toll finden (man darf den Satanismus-Kram sogar auch richtig scheiße finden), doch den Die-Hard-Fans im Parkett ist das verständlicherweise egal, sie haben sich längst in Position gebracht, während auf den Rängen nicht nur während der Umbaupause stetige Fluktuation vorherrscht.

Apropos: Die Pause dauert erstaunlich lange, mit etwa zehn Minuten Verspätung erst wird das Set begonnen, was angesichts des strengen Curfews ziemlich ärgerlich ist. Auch filmt der Rockpalast entgegen der Vorankündigung nicht mit, was Fronter Erik Danielsson in einem kurzen Gespräch mit RH-Redakteurin Conny Schiffbauer damit begründete, dass sie aus technischen Gründen nicht die volle Show bieten könnten, weswegen man nicht wollte, dass eine Aufzeichnung erfolgt.

Hört sich alles etwas krude an, aber sei es wie es will: Natürlich ist neben einem Haufen umgedrehter Kreuze trotzdem jede Menge Feuer auf der Bühne zu sehen; die Optik war, ist und wird bei Watain immer ein wesentlicher Aspekt sein und bildet eines der reizvollsten Elemente einer Show, sorry, eines Rituals der Schweden. Als es dann doch endlich losgeht, ist der Auftakt in Gestalt von „Underneath The Cenotaph“ als eher überraschend zu bezeichnen – aber auch durchaus clever, denn mit dieser recht eingängigen Nummer lassen sich vielleicht auch Skeptiker ködern, die die Mucke bislang lediglich als Geholze diskreditierten.

Dass das Blödsinn ist, weiß allerdings jeder, der sich auch nur ansatzweise mit dem Schaffen der Combo auseinandergesetzt hat, die versteckten, unterschwelligen Melodien in grandiosen Hymnen der Marke „The Child Must Die“, „I Am The Earth“ (dem einzig gespielten Song von den ersten beiden Alben; inklusive sehr coolem „The Call Of The Cthulhu“-Zitat am Ende) oder „Total Funeral“ zeigen das hohe musikalische Können der Band und so verwundert es nicht, dass sie immer noch gerne mit Dissection verglichen werden.

Das letzte Album „Trident Wolf Eclipse“ war für viele eher etwas enttäuschend und auch heute gehen die immerhin vier Stücke dieser nur 35 Minuten langen Scheibe neben dem Rest irgendwie ein wenig unter. Schlecht ist das neue Zeug beileibe nicht, aber wenn man dagegen zum Beispiel einen Oberknaller wie „Malfeitor“ als Vergleich heranzieht, kann nur letztgenannter gewinnen.
 
Mit Ansagen hält sich Erik wie gewohnt zurück; wenn er mit viel Pathos die „sons and daughters of Gelsenkirchen“ beschwört oder „Furor Diabolicus“ den „warriors“ in der ersten Reihe widmet, darf man das albern finden, aber es passt nun einmal zur Atmosphäre dieser Band und live sind sie schlichtergreifend eine Macht. Umso ärgerlicher, dass man nach dem späten Start auch noch ein paar Minuten früher Schluss macht – da werden Erinnerungen an den unsäglichen Behemoth-Gig vor zwei Jahren wach, wenngleich Watain zumindest motivierter wirkten als die Polen damals. Trotzdem: Was soll das? Statt eines stundenlangen Outros hätte man beispielsweise die erstklassige Düsterhymne „Legions Of The Black Light“ oder auch „Sworn To The Dark“ oder – wenn man ganz mutig gewesen wäre – die wundervolle Ballade „They Rode On“ spielen können. Somit macht sich trotz eines an sich guten Auftritts ein wenig Enttäuschung breit. Ach ja: Wie kann man bei Watain crowdsurfen? Geht gar nicht! 

Setlist:

Underneath The Cenotaph
Nuclear Alchemy
The Child Must Die
I Am The Earth
Total Funeral
Furor Diabolicus
Sacred Damnation
All That May Bleed
Malfeitor
Towards The Sanctuary
Stellarvore
Holocaust Dawn

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