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Rock Hard Festival 2019

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Possessed

Wieder einmal ist totales Kontrastprogramm angesagt: Nach den eher gemütlichen Magnum folgt mit Possessed – so viel sei bereits vorab verraten – ein Abriss allererster Güte. Was sich in den folgenden ca. 70 Minuten abspielt, ist schon der absolute Irrsinn. Das Rund ist gut gefüllt und unten im Parkett tobt spätestens ab dem zweiten Song ein Moshpit, der stetig anwächst und der wirklich bis zur letzten Minute des Auftritts anhält. Übrigens befindet sich darin auch Visigoth-Sänger Jake Rogers über einen ziemlich langen Zeitraum. Doch als wäre dies nicht genug, tummeln sich auch Crowdsurfer noch und nöcher im Publikum – die Security kann sich über mangelnde Arbeit wahrlich nicht beklagen. Dabei werden die Surfer sogar teilweise über den Moshpit gehievt; schön zu sehen, dass dabei alles ohne Zwischenfälle vonstattengeht.

Nüchtern betrachtet haben Possessed lediglich drei Full-Length-Alben am Start – das letzte, „Revelations In Oblivion“ kam sogar erst in diesem Jahr heraus, geschlagene 33 (!) Jahre nach dem Zweitling „Beyond The Gates“, und mit „No More Room In Hell“ ist es denn auch der Opener des aktuellen Werkes, der das akustische Massaker einleitet, angekündigt von bedrohlichen Glocken, die das Gefühl verleihen, das Jüngste Gericht würde anstehen.

Im Mittelpunkt steht dennoch ganz klar und wie nicht anders zu erwarten das Klassikeralbum „Seven Churches“ mit sechs Songs, wobei das neue Material in puncto Brutalität dem alten in nichts nachsteht. Bei „Abandoned“ beispielsweise geht es im Pit genauso ab wie bei „Pentagram“, „Evil Warriors“ oder „Death Metal“ und der Zugabe „Burning In Hell“. Doch es ist nicht der Kultstatus allein, die Amis liefern eben auch nach allen Regeln der Kunst: Die Tightness ist kaum mit Worten zu beschreiben – die Soli der beiden Gitarristen sind ein einziger Genuss und was Drummer Emilio Márquez an der Schießbude betreibt, ist einfach nur unfassbar. Der Kerl verprügelt sein beeindruckend großes Kit mit ebenso viel Kraft wie Präzision – die Wirbel sind der völlige Wahnsinn, selbst ein Hochleistungssportler würde gegen diese Energie alt aussehen.

Und was Jeff Becerra betrifft, kann man gar nicht genug Respekt vor dieser Leistung haben. Der Mann ist bekanntermaßen nach einem Raubüberfall 1990 an den Rollstuhl gefesselt, dies hindert ihn jedoch nicht daran, wirklich alles beim Performen zu geben. Im Gegenteil: Während er beim Singen mit der rechten Hand das Mikro hält, umklammert er mit der linken Hand häufig fest die Rollstuhllehne, um so maximale Kraft herauszuholen. Immer wieder aufkeimende „Jeff! Jeff! Jeff!“-Sprechchöre belohnen den Sänger völlig zurecht, der trotz seines Handicaps auch immer wieder über die Bühne rollt, statt lediglich an einem Ort zu verweilen.

Sein breites Lächeln und seine verschmitzten, kalifornisch lässigen Ansagen („Normalerweise ist der letzte Song immer irgendwas Kommerzielles, aber heute Abend denke ich mir: ,Fuck it‘ – ,Burning In Hell‘“) beweisen, dass er tierisch Bock hat hier zu sein und jedem einzelnen Zuschauer dankbar ist – wenn er „gut wieder in Deutschland zu sein“ zum Besten gibt, ist das bei Becerra garantiert nicht einfach nur eine Plattitüde. Was für ein sympathischer Mensch und was für ein geiler Auftritt, an dem auch der tierisch in die Fresse knallende und trotzdem differenzierte Sound einen großen Anteil hat. Um dagegen anzustinken, müssen Anthrax sich nun aber echt ins Zeug legen!
 
Setlist:

No More Room In Hell
Pentagram
Tribulation
Demon
Evil Warriors
The Heretic
Abandoned
Storm In My Mind
The Eyes Of Horror
Graven
The Exorcist
Fallen Angel
Death Metal
Burning In Hell

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