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Rock Hard Festival 2019

Familiäre und friedliche Metalparty am Kanal, Take 17

Gamma Ray

Wieder einmal könnte der Gegensatz kaum größer sein: Nachdem Cannibal Corpse den Laden mit ihrem technischen Death Metal nebst freundlichen, Schwiegermutter-kompatiblen Texten auseinandergenommen haben, folgt mit Gamma Ray nun eine Band als Headliner, die so ziemlich das genaue Gegenteil der Todesstahlwalze aus Florida markiert; so direkt hintereinander könnten die beiden Gruppen wunderbar als repräsentative Beispiele für die Vielfältigkeit des Metal dienen. Klar ist so allerdings ebenfalls, dass in der halbstündigen Pause ein reges Gewusel herrscht, denn die Schnittmenge an Fans zwischen den Kannibalen und den Gammastrahlen dürfte nicht unbedingt riesengroß sein.

Die Truppe um Kultfigur Kai Hansen hat seit Ende 2016 keinen Auftritt mehr absolviert, in NRW sind sie sogar seit 2015 nicht mehr auf einer Bühne gewesen; das Rock Hard Festival hat ja auch im Vorfeld bereits nicht ohne Stolz verkündet, dass die Power Metaller hierzulande ihre erste Show seitdem spielen werden. Da stellt sich die Frage, wie gut eingespielt man sich präsentiert und natürlich auch, wie die Setlist aussehen wird.

Und weil das RHF wie kaum ein zweiter Ort im Metalsektor einen Unterschlupf der Nostalgie darstellt, verwundert es nicht allzu sehr, dass die Hamburger ein Programm zusammengestellt haben, das in erster Linie auf den alten Alben à la „Heading For Tomorrow“ und „Land Of The Free“ fußt – wobei man insgesamt schon konstatieren muss, dass die Band zumindest versucht, fast alle Phasen ihrer elf Studioalben starken Karriere abzudecken. Es kommt auch Material neueren Datums zum Zuge, im Mittelpunkt steht jedoch ganz klar das alte Zeug.

So geht es (mit nur zwei Minuten Verspätung, nachdem sich zuvor wegen technischer Schwierigkeiten ja alles um ca. eine Viertelstunde nach hinten verschob) auch gleich mit „Land Of The Free“ los; dieser tolle, treibende Song mit seinen hübschen Melodien lässt die ersten umgehend in Ekstase verfallen, mit „Man On A Mission“ vom selben Album macht man anschließend old-schoolig weiter. Erst mit dem an dritter Stelle stehenden „Master Of Confusion“ begibt man sich wieder mehr in die späteren Jahre zurück, wenngleich – passend zum Titel, wie auch Kai Hansen selbst anmerkt – zunächst ein wenig Unklarheit darüber herrscht, ob dieser Song eigentlich als nächstes dargeboten wird oder nicht.

Überhaupt ist der Gamma Ray-Chef mal wieder die Sympathie in Person, kaum ein Metalmusiker dürfte in der Szene derart beliebt sein – und das zurecht. Seine Kalauer in Interaktion mit dem seit 2015 in der Band als Leadsänger fungierenden Frank Beck mag man albern finden, aber so sind die Jungs halt und zumindest beweisen sie, dass sie nach längerer Bühnenabstinenz wieder richtig Bock auf Livemucke haben.

Die Krux daran ist, dass eben hin und wieder auch durchschimmert, dass die Band länger nicht mehr gemeinsam musiziert hat – nicht alle Einsätze sitzen sattelfest, gerade Frank Beck, der ansonsten souverän singt, schläft da manchmal ein wenig, und warum Kai selbst nicht mehr komplett allein singen will, wird anhand von nicht selten gequält klingenden Vocals ebenfalls des Öfteren deutlich. Aber ganz ehrlich: Darüber kann jeder hinwegsehen oder besser -hören, weil das Ganze einfach viel zu viel Spaß macht, um sich über solche Einzelheiten zu echauffieren.

So brüllt gefühlt das komplette Amphitheater aus voller Kehle immer wieder „Heavy Metal Universe“, wenn sie im entsprechenden Song von Frank und Kai dazu aufgefordert werden, da wird fast den gesamten Gig über mitgeklatscht und gecrowdsurft, permanent werden „Gamma Ray“-Sprechchöre initiiert und selbst bei der – machen wir uns nichts vor – sagenhaft kitschigen Ballade „The Silence“ wiegen sich die Fans selig hin und her und singen so laut wie nur geht mit.

Die Rückkehr auf die Bühne kann für Gamma Ray also einzig und allein als absoluter Triumphzug verbucht werden; neben einigen schludrigen Einsätzen kann man noch anmerken, dass Kais Gitarre im Gegensatz zu der von Henjo Richter gerade bei den Soli leider meistens zu leise war. Doch auch das lässt sich angesichts dieses sehr unterhaltsamen Konzerts verschmerzen, das erstaunlicherweise nicht mit einem alten Klassiker, sondern dem neun Minuten langen „Avalon“ vom letzten Album „Empire Of The Undead“ beendet wird. Wobei hinzugefügt sei, dass eigentlich noch eine weitere Nummer geplant war, die wegen des strengen Curfews jedoch leider gestrichen werden muss. Haben anscheinend doch ein bisschen zu viel gequatscht, die Herren…   

Setlist:

Land Of The Free
Man On A Mission
Master Of Confusion
Garden Of The Sinner
Heavy Metal Universe
Induction (Intro)
Dethrone Tyranny
The Silence
To The Metal
Rebellion In Dreamland
Heaven Can Wait
Hellbent
Avalon

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