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Rock Hard Festival 2015

Are you guys ready auf den Rängen?

Refuge

Wie war das noch? Der König ist tot, lang lebe der König: Anfang Februar wurde bekannt, dass die drei Rage-Mitglieder Peter Wagner alias Peavy, Victor Smolski und André Hilgers in Zukunft getrennte Wege gehen, da man von den musikalischen Vorstellungen einfach zu weit auseinandergedriftet sei. Die Band soll zwar fortgeführt werden, wer dann allerdings Gitarre und Schlagzeug übernehmen wird, ist noch ungewiss. Fest steht lediglich, dass Peavy allem Anschein nach erst mal keinen Bock mehr auf Orchester-Bombast und übertrieben komplexe Songstrukturen hat, das legt allein die Gründung des Refuge-Projekts nahe. Hier nämlich handelt es sich zwar nicht um die allererste Rage-Besetzung, aber zumindest eine sehr frühe und die erste, die sich tatsächlich über einen Zeitraum von etlichen Jahren hielt. Und hier geht es doch etwas bodenständiger zur Sache als bei den zuletzt immer symphonischer und pompöser tönenden zeitgenössischen Rage.

Es ist wieder voller geworden im Rund, es scheinen also eine ganze Menge Leute Lust auf alte Rage-Klassiker aus der Peavy/Schmidt/Efthimiadis-Ära zu haben – immerhin hat das Trio, wie Peavy selbst während des Konzerts informiert, seit 21 Jahren nicht mehr zusammengespielt (dabei hatten sie schon letztes Jahr im Sommer als Tres Hombres beim 28. Rockspektakulum am Stennert vollauf begeistern können; Anm. d. Red.). Anfangs gibt es gleich kleine Soundschwierigkeiten, da es ein paar Sekunden dauert, bis der Soundmann aus seinem Tiefschlaf erwacht, denn für einige Momente ist kein Gesang zu hören.

Doch auch wenn nicht immer alles perfekt läuft – man merkt, dass die Herren einfach Bock auf die alten Songs haben, ganz genau wie das Publikum, das natürlich stetig mit Hey-Anfeuerungen und Pommesgabeln bei Fuß steht und auch fleißig crowdsurft. Außerdem sind die Drei einfach nur sympathisch; wenn Peavy nach dem zweiten Song „Solitary Man“ feststellt, dass man ihm keine Setlist hingelegt hat und er deswegen „erst mal bei Manni gucken muss, denn ich habe keine Ahnung, was jetzt kommt“, ist das einfach liebenswert, genauso wie wenn er fragt, ob der Sound okay ist und alles durchkommt, weil er selbst nichts hören würde. „Das erste Mal benutze ich In-Ear-Monitoring und gleich kackt das Teil ab“, so der Frontbär und Manni ergänzt augenzwinkernd: „Naja, aber dafür ist es doch ganz okay.“

Augenzwinkernd dürfte auch Peavys Frage an die Zuschauer bei der Ankündigung zu „Death In The Afternoon“ sein, dessen Titel beängstigend gut zur momentanen Tageszeit passt, ob man den denn noch kenne – aber hallo, wenigstens die älteren Anwesenden werden sicherlich noch mit dieser fett eingängigen Hymne vertraut sein. Kein Zweifel, die Fans sind selig und genießen Klassiker wie „Invisible Horizons“, bei dem Manni zwischendurch den Refrain übernimmt, „Shame On You“ oder auch „Baby, I’m Your Nightmare“, das der Fronter (zwischendurch mit „Peavy“-Sprechchören gefeiert) als „Liebeslied der etwas rougheren Art“ ankündigt.

Dass auch hier trotz allem Spaß noch Zeit für einen kurzen ernsten Moment bleibt, verleiht der Truppe gleich noch ein paar Bonuspunkte mehr auf der Sympathieskala, fordert Manni doch zwischendurch vom Publikum mit den Worten „Pommesgabel hoch und gen Himmel gucken“, für einige Augenblicke dem verstorbenen Jörg Litges zu gedenken. In Form von „Don’t Fear The Winter“ (Peavy: „Ohne den einen wollen wir natürlich nicht gehen!“) ist dann vorerst Schluss, letztlich packt man aber mit „Refuge“ noch den Song, nach dem sich die Band benannt hat, aus. Auch das reicht den Leuten nicht, sie wollen mehr, aber man kennt das ja: für außerplanmäßige Zugaben ist schlicht keine Zeit.
 
Setlist:

Firestorm
Solitary Man
Nevermore
Death In The Afternoon
Enough Is Enough
Invisible Horizons
Certain Days
Light Into The Darkness
Shame On You
Baby, I’m Your Nightmare
Don’t Fear The Winter
Refuge

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