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Rock Hard Festival 2014

Ausverkaufte Hitzeschlacht im Gelsenkirchener Amphitheather

Intensiver geht es nicht: Triptykon

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Triptykon

Vor drei Jahren legten Triptykon das Gelsenkirchener Amphitheater mit ihrem zähflüssigen, tiefschwarzen Lavasound das erste Mal in Schutt und Asche – anno 2014 mit einem brandneuen Album im Gepäck, das mindestens so stark wie das Debüt ausgefallen ist, schicken sich Tom Warrior und seine drei Sidekicks an, dies zu wiederholen; erneut als Headliner am Freitag. Dass diese Band abends bzw. nachts spielen muss, versteht sich wohl von selbst und obwohl es zu Beginn des Konzertes noch nicht ganz dunkel ist, entfalten die Lichtshow und der mahlende Sound mit ultraverzerrten und grabestief gestimmten Gitarren schnell ihre Wirkung. Augen schließen und Zeitlupen-Banging sind hier angesagt – dass ein paar Fans meinen (wenn auch sehr wenige), zu dieser Düstermucke Crowdsurfing zu betreiben, wirkt trotz der vorigen Ankündigung „viel Spaß mit Triptykon“ (ob „Spaß“ das richtige Wort ist…) schon arg deplatziert.

Die Schweizer, bei denen die kontinuierlich und kompromisslos bangende Bassistin Vanja Slajh einmal mehr den absoluten Blickfang darstellt, legen gleich mal mit dem längsten Stück ihres aktuellen Meisterwerkes „Melana Chasmata“, „Black Snow“ betitelt, los, und besonders beim epischen Schlusspart wirkt der Klang noch etwas breiig, doch spätestens ab der vierten Nummer haben die Soundleute alles im Griff und das Ganze tönt glasklar und differenziert. In Form von „Goetia“ wird gleich noch ein Longtrack hinterhergeschickt, bevor man mit „Circle Of The Tyrants“ einen alten Celtic Frost-Klassiker auspackt, der selbstredend abgefeiert und mitgesungen wird.

Zur Mitte des Sets zieht das Quartett das Tempo ordentlich an, indem mit „Visions Of Mortality“ und „The Usurper“ noch zwei weitere Frost-Songs ins Publikum gefeuert werden, deren Originale im Vergleich zu den Triptykon-Versionen schon fast niedlich wirken. Einfach unfassbar, wie faszinierend pechschwarz, dunkel und erbarmungslos mächtig diese Band klingt und mit welcher Inbrunst, Authentizität und Intensität Tom Warrior seine Texte vorträgt. Bestes Beispiel ist das wahnsinnig aufwühlende „Altar Of Deceit“ mit seinem tierisch wütenden, überrollenden Refrain.

Wenig überraschend hält sich Tom mit Ansagen eher zurück, vielmehr lassen die Eidgenossen die Musik sprechen, doch wenn er redet, verfehlt dies seine Wirkung nicht. Es wirkt zugleich seltsam und doch so passend, dass der Frontmann sehr zurückhaltend und langsam spricht, ganz im Gegensatz zu den einnehmenden, übermächtigen Soundwällen, die die Formation mit Instrumenten und Stimme kreiert. Wie dem auch sei: Als Warrior erklärt, viel sei passiert und viel habe sich verändert und man wolle das heutige Konzert einem Freund widmen, denken sicherlich die meisten im Rund an den kürzlich verstorbenen Künstler HR Giger, wegen dessen Tod die Gruppe auch den Gig beim Maryland Deathfest in den USA absagte. Als er dann jedoch erklärt, dass es sich um den im Januar geschassten Ex-Rock-Hard-Chefredakteur Götz Kühnemund handle, ist die Überraschung genauso wie der Jubel im Publikum doch ziemlich groß. Dass sich die heutige RH-Spitze nicht allzu sehr darüber gefreut haben dürfte, darf zumindest angenommen werden – sowohl die Ansage selbst als auch den darauffolgenden Jubel kann man schon als ziemlichen Tritt in den Allerwertesten der RH-Chefetage verstehen.

Auch als Tom fragt „Gefällt’s euch?“ und ihm ein tausendfaches „Yeah!“ entgegenschlägt, antwortet er wiederum mit einem sehr coolen „Na, mal sehen, ob wir das ändern können“ – dies passt einfach dazu, dass Triptykons Musik eben keine Mucke ist, die in dem Sinne „gefällt“, sondern die permanente Schläge in den Magen bedeutet und einen mit einem leicht verstörten Gefühl zurücklassen soll. Beschlossen wird der Auftritt mit einem inzwischen auch schon Fast-Klassiker und weiteren Epos, dem 20-minütigen „The Prolonging“, das auf keinem Konzert der Truppe fehlen darf. Schon interessant, dass ein so langes Stück tatsächlich zum festen Liverepertoire einer Band gehört.

Gerne hätte man auch noch die ebenfalls sehr geilen neuen Stücke „Demon Pact“ oder auch „In The Sleep Of Death“ bringen können, aber man kann ja nicht alles haben. Völlig zweifelsfrei haben Triptykon aber das für viele vielleicht beste Konzert des gesamten Festivals abgeliefert – intensiver geht es jedenfalls wirklich nicht mehr. Eine schöne Randnotiz außerdem: Die Schweizer haben verfügt, dass die Fotografen nicht nach drei Songs wie sonst üblich den Graben verlassen müssen, sondern während des kompletten Gigs knipsen und kommen und gehen dürfen, wann sie wollen, was laut Kollege Jörg eine sehr viel entspanntere Atmosphäre beim Fotografieren zur Folge hatte. Möglicherweise sollten andere also ebenfalls über diese Maßnahme nachdenken.

Setlist:

Intro Crucifixus
Black Snow
Goetia
Circle Of The Tyrants (Celtic Frost-Cover)
Tree Of Suffocating Souls
Abyss Within My Soul
Visions Of Mortality (Celtic Frost-Cover)
The Usurper (Celtic Frost-Cover)
Altar Of Deceit
Messiah (Hellhammer-Cover)
The Prolonging
Outro Winter

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