Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Rock Hard Festival 2014

Ausverkaufte Hitzeschlacht im Gelsenkirchener Amphitheather

Carcass füllen nicht ganz die Rolle eines Headliners

Zum Thema

Carcass

Wenn das mal nicht ein bisschen hochgegriffen ist, Carcass als Headliner zu verpflichten und glatt noch eine Spielzeit von neunzig Minuten anzudichten. Genug Spielraum also, eine blutige Spur durch die eigene Discographie zu metzeln, vor allem mit dem Hintergrund, dass sie ja bei ihrer Tour im vergangenen Herbst als Support für Amon Amarth nur begrenzt ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen konnten. „Na, ganz gut, aber Headliner?“, so dann nicht wenige Stimmen auf den Rängen, doch gehen will anscheinend so schnell keiner, ist doch das Amphitheater auch zu später Stunde und vor allem nach dem thrashenden Abrissinferno Sacred Reich richtig gut gefüllt, was sich insofern gegen Ende der Show ändert, als dass die ersten FestivalbesucherInnen gen Parkplatz und Zelt oder gar heimwärts von dannen ziehen.

Vor der Bühne aber zeigt der Mob trotz der monströsen Temperaturen des Tages noch bemerkenswerterweise keinerlei Ermündungserscheinungen, denn auch hier wird gecirclepittet, was das Zeug hält, und natürlich dürfen auch hier diverse tief fliegende Surfer einmal mehr nicht fehlen. „Rock Hard, alles klar? Habt ihr Bock zu rocken?“, will Bassist und Frontmann Jeff Walker wissen und wirkt dabei irgendwie karikaturistisch, denn die Fans wollen lieber die totale Zerstörung als nur hüftwackelndes Wohlgefallen.

An der statischen Bühnenpräsenz haben die britischen Death-Metal-Götter nicht gerade viel geändert, darüber können die wenigen Headbangeinlagen der beiden Gitarristen Bill Steer und Ben Ash auch nicht wirklich hinwegtäuschen, bei der Setlist aber greifen die Vier dann ganz tief in die eigene Schatztruhe und reanimieren so manche Klassiker, die sicherlich viele so nicht auf dem Schirm haben. Als da wären beispielsweise „Genital Grinder“ oder „Pyosisfied“ vom seinerzeitigen Debüt „Reek Of Putrefaction“, dessen Titeltrack ebenfalls in die schwüle Nachluft geblasen wird.

Dennoch wird vor allem bei den rasenden Parts deutlich, dass der Schlagzeugsound nicht unbedingt bestens ausklamüsert wirkt, sind gerade die hektisch schnellen Snareanschläge mehr zu erahnen als zu hören. Den Leuten im Moshpit scheint das jedenfalls egal zu sein. Zwar können sie sich nicht Jeffs Wodkaflasche genehmigen, da tröstet das „Skol“ dann auch nur bedingt hinweg, aber ohne jegliche Mangelerscheinung startet immer wieder der Moshpit zu seinem verwüstenden Feldzug. Das mit fettem Applaus bedachte „Noncompliance…“ – wo das Mitsingen der kryptischen Zahlenfolge dann doch eher zum stotternden Rohrkrepierer wird – oder das mit einem unübersichtlichen Meer an Pommesgablen abgefeierte „Captive Bolt Pistol“ halten das Stimmungsbarometer hoch, allerdings nicht ganz so hoch wie noch bei der Band zuvor. Und für genau jene Sacred Reich und auch Obituary fordert Jeff nochmals Applaus ein und macht so deutlich, dass er ebenfalls von diesen beiden Bands nicht nur bestens unterhalten, sondern auch beeindruckt wurde.

„Zeit noch für einen Song, okay?“, will Jeff halb fragend wissen, denn mit Blick auf die Uhr und die straffen Curfew-Regeln – um 23 Uhr muss Schluss sein – neigt sich dann auch der zweite Festivaltag dem Ende entgegen, nur ein paar letzte vereinzelte Crowdsurfer schweben über den eher wogenden Moshpit, dem dann doch noch die Puste auszugehen droht.

Setlist:

Buried Dreams
Incarnated Solvent Abuse
Cadaver Pouch Conveyor System
Carnal Forge
No Lost Love
Unfit For Human Consumption
Edge Of Darkness/ This Mortal Coil/ Reek Of Putrefaction
The Granulating Dark Satanic Mills
Noncompliance To ASTM F 899-12 Standard
Genital Grinder/ Pyosisfied (Rotten To The Core)/ Exhume To Consume
Captive Bolt Pistol
Corporal Jigsore Quandary/ The Sanguine Article
---------------------
Black Star/ Keep On Rotting In The Free World
Ruptured In Purulence/ Heartwork
Carneous Cacoffiny

Seite
comments powered by Disqus

Sieben Alpha-Hein-Mücks

Doomiges Live-Konzert in eine mögliche neue Normalität

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna

Von Jahr zu Jahr kommt man einfach immer mehr auf den Boden der Tatsachen