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Rock Hard Festival 2011

Auch Regen konnte ein erneut großartiges Festival nicht verderben

Metal Inquisitor

Kommen wir zu einem der definitiven Highlights des diesjährigen Rock Hard Festivals: Den Bericht über die Koblenzer Metal Inquisitor könnte man allein mit den legendären Ansagen des Frontmannes komplett füllen. Schon direkt vor dem Gig, als Götz Kühnemund in seiner Ankündigung auf die „schönen Stiefel“ von Gitarrist Blumi hinweist, den man wegen selbiger auch „KobiSatri“ nennen würde und der seine Schuhe dann auch prompt dem Publikum präsentiert, wird in liebenswerter Art herumgealbert, doch während des Auftritts kommt man zwischen den Stücken kaum noch aus dem Lachen heraus, wenn Frontmann El Rojo in herrlichstem Rheinländisch seine Sprüche reißt und dabei verdeutlicht, was für einen unglaublichen Spaß er auf der Bühne hat.

„Wir wollen keine Zeit mit peinlichen Ansagen vertrödeln“, ist noch ein leichter Lacher, doch mit dem Hinweis auf das komplett schwarze Backdrop und den Worten: „Ein richtiges Backdrop ist bestellt, aber nicht rechtzeitig angekommen“ liefert er sogleich den ersten amtlichen Brüller ab. Ja, dieser Mann hat mindestens so viel Bock auf dieses Konzert wie das Publikum, welches von Anfang an voll dabei ist, wenngleich die ersten Crowdsurfer erst ab der Mitte des Sets auszumachen sind. Kein Wunder, „Extinction“, der Opener der aktuellen Scheibe „Unconditional Absolution“ ist der perfekte Einsteiger, doch mit „Persuader“ und „Doomsday For The Heretic“ folgen sofort die nächsten Hammer-Tracks. Einmal mehr wird somit klar, dass Achtziger Metal niemals totzukriegen ist; wenn man so gute Songs am Start hat wie Metal Inquisitor und dabei zwar retro, aber zu keinem Zeitpunkt angestaubt klingt, hat man einfach alles richtig gemacht. Vielleicht ist das auch der Unterschied zu den zuvor aufgetretenen Atlantean Kodex, die einfach nur altbacken klangen.

Einen weiteren großen Unterschied allerdings macht selbstredend El Rojo aus, der über die Bühne wirbelt, das Publikum immer wieder animiert und völlig ekstatisch fast permanent Luftgitarre spielt. Seinen Spitznamen hatte er ursprünglich mal wegen seiner roten Haarpracht, die mittlerweile jedoch einer Fleischmütze gewichen ist. Kein Grund, deswegen Trübsal zu blasen, vielmehr muss man solchen Umständen mit Selbstironie begegnen: „Dat is’ dat erste Mal, dat ich hier ohne Matte auftrete“, verkündet der Sänger und man kann nicht anders, als sich wegzuschmeißen, „aber ich sehe hier jede Menge begnadete junge Männer mit Matte bis zum Arsch – und die will ich verdammt noch mal bangen sehen – bei mir geht dat ja nich’ mehr!!“

Richtig so, beim sich anschließenden Midtempo-Stampfer „Betrayed Battalion“ besteht gar keine andere Möglichkeit, als den Schädel rhythmisch hin und her zu bewegen, nur um anschließend schnell wieder den Notizzettel hervorzukramen, um ja alles aufzuschreiben und nichts zu verpassen, was der ehemals Rote an göttlichen Mitteilungen vollzieht. „Die zwanzig Prozent Frauen sollen mitbangen, wir leben ja in einer politisch korrekten Welt“, ist ein weiterer Kracher und die Aufforderung an die Ränge, doch bitte etwas mehr in Bühnennähe zu kommen, hat wohl auch noch niemand so cool herübergebracht: „Die da oben sitzen wie auf Malle rum und lassen sich ihre Longdrinks servieren... ach, ihr wisst ja, is’ alles nur Spaß!“

Es soll hier nicht der Eindruck einer One-Man-Show entstehen, denn die gesamte Band brilliert mit einem glänzenden Set, funkensprühender Spielfreude und fantastischem Sound (ganz zu Anfang sind die Vocals zu leise, aber das Problem wird zum Glück schnell in den Griff gekriegt), aber dieses Entertainment darf man einfach niemandem vorenthalten: „Wenn ich im grauen Alltag daran denke, kriege ich ’n Ständer“, ist dann wohl das absolute Highlight einer Fülle von Åkerfeldt-liken Knaller-Ansagen, nachdem die Anwesenden El Rojos Ansage, kräftig zu schreien, nachgekommen sind. Beim finalen „Take Revenge“ darf sich die erste Reihe schließlich eine verdiente Bierdusche abholen, während Bassist Cliff mit dem Publikum Chöre zum Besten gibt. Abschließend bleibt nur zu sagen: Note 1 mit Sternchen für Metal Inquisitor – besser geht’s nicht; eine formidable Mischung aus arschtretenden, traditionellen Metalsongs und großartigem Entertainment!

Setlist:

Extinction
Persuader
Doomsday For The Heretic
Betrayed Battalion
Quest For Vengeance
Casuality Evacuation
Restricted Agony
Daze Of Avalon
Take Revenge

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