Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Rock Hard Festival 2011

Auch Regen konnte ein erneut großartiges Festival nicht verderben

Iced Earth

Ausnahmsweise mal das Fazit zuerst: Iced Earth waren brillant und das Konzert unfassbar emotional. Und wenn man hört, wie Matt Barlow immer noch singt, will man fast anfangen zu heulen: „Nein, bitte – geh nicht!!!“

Klar, dass bei diesem Auftritt Freude und Wehmut Hand in Hand gehen; es ist schon eine komische Situation, wenn man weiß, dass der Sänger aussteigen, aktuell aber noch für ein paar Konzerte auf der Bühne stehen wird. Es kribbelt schon vor dem Gig, doch als dann mit „Burning Times“ ein furioser Triumphzug eingeleitet wird und der Jubel wie eine Welle aufschwappt, überkommt einen nur noch eine Gänsehaut nach der anderen. Dieser tolle Opener vom „Something Wicked This Way Comes“-Album zeichnet die Marschroute für die kommenden anderthalb Stunden vor: Die beiden Alben aus der Ripper-Ära waren beileibe nicht schlecht, und auch „The Crucible Of Man“ hatte ein paar nette Momente, aber ganz ehrlich, an einem Abend wie diesem, an dem einer der ganz großen Metalsänger seinen Abschied von einer der wichtigsten Power-Metal-Bands aller Zeiten erklärt, will jeder nur alte Sachen hören. Die gibt es dann auch, bitteschön: Das an „Burning Times“ gekoppelte „Declaration Day“ bleibt der einzige neuere Song (obwohl mittlerweile auch schon sieben Jahre alt), danach werden jedoch vor allem die beiden Götterwerke „Dark Saga“ und „Something Wicked This Way Comes“ beackert: „Vengeance Is Mine“, „Violate“, „The Hunter“ und die gesamte „Something Wicked“-Trilogie – wie geil ist das bitte?

Dazwischen werden dann auch noch ältere Klassiker wie „Last December“ und „Travel In Stygian“ ausgepackt (wäre noch „Dante’s Inferno“ dabei gewesen, hätte es wohl Tote gegeben) und mit „Jack“ der leider schwächste (und trotzdem immer noch sehr gute) Track von „Horror Show“ zum Besten gegeben, und diese werden allesamt logischerweise genauso abgefeiert, doch am ergreifendsten und packendsten ist die Stimmung bei den Balladen: „I Died For You“ ist dermaßen traurig und schön und dabei komplett kitschfrei, dass einem die Spucke wegbleibt, „Melancholy (Holy Martyr)“ ist dessen Gegenstück auf „Something Wicked...“ und „Watching Over Me“ ist und bleibt einer der ganz großen Fan-Favoriten (und für Bandboss Jon Schaffer ein sehr persönlicher Song, wie Matt Barlow noch einmal betont). Es ist der schiere Wahnsinn, wenn man miterlebt hat, wie der Chorus dieses Stücks von tausenden Kehlen mitgesungen wird.

Noch einmal: Es darf eigentlich nicht sein, dass Barlow geht. Der Mann hat – auch wenn die fast knielange Matte zum Leidwesen vieler Frauen schon lange verschwunden ist – eine unvergleichliche Bühnenpräsenz und singt immer noch wie ein junger Gott; auch die spitzen, hohen Schreie stellen für ihn anscheinend nach wie vor keinerlei Herausforderung dar. Immer wieder wird er mit Sprechchören gefeiert, wenn vielleicht auch nicht ganz so frenetisch wie vor drei Jahren, als ihm – so Götz Kühnemund in seiner Ankündigung für das heutige Konzert – sogar die Tränen kamen, aber gerührt zeigt er sich auch an diesem Abend.

Jon Schaffer, der ganz schön grau geworden ist, rifft daneben in gewohnt souveräner und ultrapräziser Manier und überlässt – heute natürlich erst recht – ansonsten seinem Sänger das Feld. Wenig überraschend, dass der Gig mit der Bandhymne endet, also Iced „motherfucking“ Earth, wie es der wie ein Alexi Laiho fluchende Matt Barlow ankündigt. Niemand will danach, dass es vorbei ist, noch minutenlang erschallen Zugabe-Rufe, doch wer nicht noch zu Rock am Härtsfeldsee, nach Wacken oder zum Dong Open Air fährt, hat die Band in dieser Besetzung heute zum letzten Mal in Deutschland live gesehen.
Kann es sein, dass die Leadgitarre des Öfteren mal nicht richtig zu hören war, dass zum Beispiel das Solo bei „Birth Of The Wicked“ fast völlig unterging? Ja, und so was nervt, aber heute Abend sind solche Nebensächlichkeiten das, was sie tatsächlich sind: eben Nebensächlichkeiten. Nebensächlich sollte da ebenfalls die Tatsache sein, dass es zwischendurch wieder etwas geregnet hat, doch laut Augenzeugen huschen während des Gigs in Iced-Earth-Shirts gehüllte Menschen durchs VIP-Zelt. Auf die Frage, was sie hier tun, wenn doch ihre Band draußen spielt, lautet die lapidare Antwort: „Es regnet doch.“ – Ohne Worte...

Setlist:

Intro: 1776
Burning Times
Declaration Day
Vengeance Is Mine
Violate
Watching Over Me
Last December
The Hunter
I Died For You
Travel In Stygian
Jack
Melancholy (Holy Martyr)
Prophecy
Birth Of The Wicked
The Coming Curse
Colors
Iced Earth

Seite
comments powered by Disqus

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin

Willkommen in der Husumer Sauna