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Rock Hard Festival 2010

Auch die achte Ausgabe des Rock Hard Festivals war wieder ein voller Erfolg

The Devil's Blood

Bevor es weitergeht, warnt RH-Chefredakteur Götz Kühnemund noch vor Taschendieben und sagt ein paar Worte zu den jüngst verstorbenen Metalgrößen Peter Steele und Ronnie James Dio, und fordert außerdem zu einer Schweigeminute für letzteren auf, die zum Glück nur von sehr wenigen brüllenden Spacken gestört wird. Anschließend wird der Name des kleinen Mannes mit der so großen Stimme in frenetischen Sprechchören skandiert, bevor Götz betont, man solle sich trotzdem nicht den Spaß verderben lassen und jetzt eine der besten Bands, die er in den letzten Jahren erleben durfte, begrüßen.

Das kann man so oder so sehen, eines muss man The Devil’s Blood aber auf jeden Fall lassen: Sie sind kompromisslos in dem, was sie tun und ziehen ihr Ding konsequent durch. Obwohl sie heute zum ersten Mal Headliner bei einem Open-Air-Festival sind, findet wie immer keine einzige Ansage statt, gibt es außer Headbangen von der Saitenfraktion keinerlei Stageacting, und werden minutenlange Instrumentalpassagen zelebriert (bei denen Sängerin F mit dem Rücken zum Publikum vor dem Drum-Set verharrt, und die aufgrund des psychedelischen Flairs an die verdrogten Jamsessions der Sechziger Jahre erinnern), und ob das beim Publikum ankommt oder nicht, beziehungsweise ob es das Konzept, das hinter all dem stecken soll, versteht oder nicht, interessiert die Band nicht – sie spielt sich selbst ins Delirium. Heute auf jeden Fall: Jene instrumentalen Parts ufern geradezu aus, steigern sich in unbeschreiblicher Manier von Takt zu Takt immer eine kleine Nuance mehr bis zur Ekstase und werden von Gitarrensoli gekrönt, die das Prädikat „nicht von dieser Welt“ verdienen.

Man merkt, dass ich (David) ebenfalls ein Befürworter dieser Formation, von dem, was sie an diesem Freitagabend bietet, völlig berauscht bin und daher recht subjektiv über das Konzert berichte. Aber bei The Devil’s Blood ist Objektivität nun mal kaum möglich: Denn auch wenn selbst der größte Kritiker wohl einräumen muss, dass die Satansanbeter zumindest handwerklich einfach tierisch was auf der Pfanne haben und die Bandmitglieder mit seltener Musikalität gesegnet sind, ist natürlich klar, dass diese Band polarisiert und man sie nur mögen oder ablehnen kann. Lange Instrumentalsequenzen im Sechziger-Jahre-Stil sind nicht jedermanns Sache – heutzutage ist schließlich nicht mehr jeder zweite Konzertgänger auf LSD. Auch was das Inhaltliche, die Ideologie betrifft, kann man Aussagen wie die, dass sich die Band als Kanal zwischen Linker Seite und irdischer Welt sähe, durchaus als durchgeknallt empfinden. Wer das Sextett jedoch blutbesudelt auf die Bühne schreiten und dann spielen sieht und beobachtet, wie F einfach nur ins Leere zu starren scheint, als wären gar keine Zuschauer anwesend, dem wird mit Sicherheit schnell deutlich, dass die das absolut ernst meinen.

Das muss man nicht unbedingt verstehen oder gutheißen, aber die Shows haben dadurch nun mal eine ganz eigene Atmosphäre, die zum okkulten, psychedelischen Charakter der Musik passt, aber wenn ich das als ekstatisch bezeichne, sehen andere das als langweilig an. Auch die Headlinerposition empfinden viele als nicht gerechtfertigt, zumal auf einem Metalfestival für eine Band, die zwar ideologisch zumindest der Black Metal-Szene nahesteht, aber de facto musikalisch eher wenig mit Metal zu tun hat. Das Rock Hard wird sich daher sicherlich wieder die ewigen Vorwürfe anhören müssen, diese Band zu hypen.

Bei uns in der Redaktion sind die Meinungen über The Devil’s Blood sowohl im allgemeinen als auch, was den heutigen Auftritt anbelangt, genauso unterschiedlich wie für die diesjährigen Rock-Hard-Festival-Besucher, von denen während des „Rituals“ nicht wenige nach und nach die Flucht ergreifen, während sich andere später total begeistert zeigen. Und auch für den Verfasser ist es – unabhängig von der diskussionswürdigen Ideologie – schlicht großartig, was die Niederländer darbieten und er versinkt in jeder einzelnen Note eines jeden einzelnen dieser irrwitzigen Gitarrensoli, dieser Wahnsinns-Jams, dieser phantastischen Songs wie „Come, Reap“, „A Waxing Moon Over Babylon“, „Evermore“, „The Yonder Beckons“, „The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood“, „Christ Or Cocaine“ und natürlich „The Anti-Kosmik Magick“, die allesamt mit genialen Riffs und herrlichen Melodien versehen und unheimlich vielschichtig arrangiert sind.

Was an der Show allerdings so „special“ sein sollte, wie angekündigt, wird nicht wirklich deutlich. Gut, es sind drei Background-Sänger mit an Bord, die den Sound schon etwas bereichern und bei der Ballade „Angel’s Prayer“ im Anfangsteil etwas in den Vordergrund treten dürfen, diese wirken für mich aber dennoch irgendwie deplatziert, weil sie einfach nicht ins Bild passen. Außerdem wurde noch eine Videoleinwand mit psychedelischen Sequenzen aufgefahren, aber ansonsten macht die Gruppe, was sie sonst auch tut: Jede Menge Kerzen auf den Verstärkern anzünden, Räucherstäbchen an die Monitore kleben und wie erwähnt nicht mit dem Publikum kommunizieren. Fazit: Es ist halt so, der eine findet’s komplett daneben, der andere findet’s total geil – wie meine Wenigkeit. Obwohl die Atmosphäre in Clubs bei einer Combo wie The Devil’s Blood sicherlich noch intensiver ist, gehe ich sogar so weit zu sagen, dass dies gerade wegen der besonders stark ausgedehnten Instrumentalorgien und der vorzüglichen Setlist sogar der vielleicht beste Auftritt war, den ich bisher von den Holländern sehen durfte. Und vielleicht kann man sich den Gig später sogar noch einmal ansehen, da gemunkelt wird, das heutige Konzert solle für eine DVD aufgenommen werden – man darf gespannt sein.

Setlist:

Come, Reap
River Of Gold
I’ll Be Your Ghost
The Yonder Beckons
The Graveyard Shuffle
Evermore
A Waxing Moon Over Babylon
Rake Your Nails Across The Firmament
The Heavens Cry Out For The Devil’s Blood
Angel’s Prayer
The Anti-Kosmik Magick
Voodoo Dust
Christ Or Cocaine

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