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Rantanplan im Konzert (Leipzig, März 2019)

Und das Rudel feiert jeden Ton

Rantanplan stellen ihr neues Album "Stay Rudel - Stay Rebel" vor

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Ende Januar veröffentlichten Rantanplan ihr neuestes Werk „Stay Rudel – Stay Rebel“, mit welchem es bereits eine Woche später auf Tour ging. Mittlerweile ist genug Zeit vergangen, um sich etwas Textsicherheit zu holen und diese wird heute Abend in der Leipziger Moritzbastei getestet. Damit ist man nicht nur in einem der schönsten Studentenclubs angekommen, wo man zwar anfangs lieber Mate denn Bier trinkt, sondern man kann auch gleich noch auf einen gut gefüllten Saal schauen.

Das Publikum zeigt sich dabei bunt gemischt, hier stehen Studenten, Punks, Skins und Alternative in angespannter Ruhe, die sich mit dem flotten Titelsong des neuen Albums in Sekunden in den ersten Pogo-Rausch auflöst. Wenn man hier nicht von einem Auftakt nach Maß sprechen kann, wo dann?

Dabei sind die Hamburger gar nicht mal so leichtfüßig unterwegs, ihre Titel klingen fast durchweg etwas rauer und kantiger als bei anderen Genre-Kollegen, aber wahrscheinlich macht genau dies den Kult-Status der Band aus. Und damit man sich gar nicht erst zu viele Gedanken um dieses Thema macht, werden die nächsten beiden Titel gleich zackig hinterher geschossen. Nach „Peking Bordell“ heißt es nur kurz und knapp: „Moin, moin! Wir sind Rantanplan und kommen aus der kleinen Enklave St. Pauli“. Was als Vorstellung erstmal reichen muss, immerhin hat man noch ein paar Songs in petto und die Spielzeit dürfte durch die nachfolgende Disco etwas begrenzt sein.

Mit „Maschine“ geht es wieder ins neue Album hinein, um kurz darauf kräftig in die Mottenkiste zu greifen und „Staub“ hinauszubefördern. Laut Frontmann Torben gibt es den Song ja nun schon so lang, dass er bekannt genug sei, um gar Tantiemen dafür zu erhalten, die so ungefähr für eine Packung Zigaretten reichen würden. Aber auch um Kippen braucht man sich gerade mal so gar keine Gedanken machen, schließlich muss man zu „Revolution“ nicht rauchen, stattdessen sollte lieber getanzt werden. Und die Revolution der Enklave-Bewohner ist tatsächlich tanzbar, Posaunist Gero macht es mitten in der Menge mal anständig vor und sorgt damit gleich für eine neue Welle der Begeisterung. Da freut es einen doch glattweg, dass nach „Nachtzug nach Paris“ die Gitarre nicht mehr hörbar ist. Technische Probleme sorgen bei der Deutschen Bahn vielleicht zu Ärgernissen, hier wird dies als willkommene Pause gefeiert. Dies ist insofern auch erforderlich, da die Hamburger bisher einen Titel nach dem anderen rausdroschen und mit „Unbekanntes Pferd“ bald schon der nächste Knaller auf dem Programm steht. Trompeter Wido reitet nun auf Bassist Kalle durch die Nacht und im Saal fühlt man sich direkt dazu animiert, nun ebenfalls aufzusatteln und den Song auf den Schultern der besseren Hälfte mitzuerleben.

Von den Schultern geht es wieder hinunter und gleich wieder in die Höhe, „Partytrick“ lädt zum gemeinschaftlichen Springen und da dies noch nicht zum kompletten Energieverlust führt, dreht sich zu „Kiel“ schon wieder der schönste Pogo-Reigen. „Kill den Spiegel“ überzeugt wieder mit schönen Bläsersätzen, selbst wenn hier etwas Ruhe einkehrt, was sich zu „The Rudel“ allerdings schlagartig ändert. Kein Bein was am Boden bleibt, jetzt heißt es skunken bis der Arzt kommt oder eben das Ende des Konzerts, denn hiermit verabschieden sich Rantanplan von den Leipzigern.

Das „Tschüss“ heißt aber nur „Auf Wiedersehen“, denn mit „Natural Born Altona“ meldet sich der Ska-Punk-Fünfer zurück und geht in eine fette Zugabe, bei der nochmals alles abverlangt wird. Ob „Dummheit tut weh“ oder „Rudegirl From Outta Space“ – abgefeiert wird alles und zu letzterem Titel versteigern die Hamburger direkt noch ein CD-Set, dessen Erlös für Seawatch gespendet werden soll. An der Stelle bleibt nur zu hoffen, dass es noch zur Übergabe kam, immerhin ist der Höchstbietende beim nachfolgenden „Hörbie“ nicht mehr zu sehen. Dafür sieht man nun einen Musiker nach dem anderen ebenfalls von der Bühne verschwinden, wieder auftauchen, dies allerdings nur um Drummer Marlon nach und nach seines Instruments zu berauben. Schließlich wird er mitsamt Hocker und verbliebener Trommel in die Katakomben getragen, was dann das endgültige Ende des Konzerts bedeutet. Witziger Abschluss und starke Vorstellung von Rantanplan, da springt das Ska-Punk-Herz doch selbst am nächsten Tag noch frohlockend vor sich hin.

Setlist:

Stay Rudel Stay Rebel
Durch die Nacht fällt Schnee
Peking Bordell
Maschine
Monsterschiss
Staub
Revolution (Emma G.)
Comandante
Explosion (Tocotronic Cover)
Nachtzug nach Paris
Tu es
Wir sind nicht die Onkelz
Unbekanntes Pferd
Partytrick
Ich erinner' mich an alles
Schweinesand
Kiel
Großversuch (in Sachen Leben)
St. Pauli
Kill den Spiegel
Alles wird Pop
The Rudel

Natural Born Altona
Dummheit tut weh
Jeder so wie er kann
Fass die Uhr nicht an
Rudegirl From Outta Space
Hörbie

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Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann