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Ragnarök Festival 2006

Zum Thema

Beginnen wir diesen Festivalbericht mit der Anekdote zum „Raganöck in Lichtentels“. Donnerstag am Bahnhof angekommen wird sofort der Zeitungsausschnitt der „Fränkischer Tag“ gelesen, in dem vom kommenden Ragnarök Festival berichtet wird. Nur scheint der dafür angeheuerte Redakteur sich nicht ganz mit der Materie auseinandergesetzt zu haben, denn er schreibt konsequent im ganzen Artikel „Raganöck“ statt „Ragnarök“. Nun gut, das ist ja nur die Hälfte des Ausrufes, der an dem Wochenende auf dem Parkplatz zum Kampfruf mutierte. Die zweite Hälfte findet der geneigte Festivalist an seinem Handgelenk. Denn auf dem Eintrittsbändchen steht statt „Stadthalle Lichtenfels“ nämlich „Stadthalle Lichtentels“. Für Nicht-Besucher des Festivals vielleicht uninteressant, aber ich bin der Meinung, dass dies hier Platz gefunden haben sollte.

 

Beginnen wir nun mit dem eigentlichen Bericht vom Festival der dritten Götterdämmerung, auf dem sich am 7. und 8. April 2006 die Creme de la Creme der deutschen und europäischen Folk, Viking und Pagan Metal-Szene ein Stelldichein gab. Vorweg, das Ragnarök 3 war ein extrem geiles Festival, das nur so nach Nummer 4 schreit. Die Besucheranzahl von ca. 2800 Menschen pro Tag bestätigt dies, nachdem im Vorjahr nur etwa die Hälfte an Besuchern gezählt wurde.

 

Kommen wir zum wesentlichen Teil des Festivals, nämlich zu den Bands. Vorweg muss gesagt werden, dass zwei Bands nicht gespielt haben. Sycronomica haben kurzfristig wegen der Erkrankung ihres Drummers absagen müssen. Und bei Black Messiah waren ihre eigene Gutmütigkeit (Running Order-Platz mit Turisas getauscht) und die schlechte Organisation (Techniker zu spät, große zeitliche Verschiebungen, Sperrstunde um 3 Uhr) die Gründe, dass die Ruhrpottwikinger nicht mehr auf die Bretter durften. Äußerst schade für die Fans, aber Ivo (der Veranstalter) hat beiden Bands sofort die Zusage für das Ragnarök 4 im Jahre 2007 gegeben.

 

Fangen wir nun Freitag an:

 

Varg

Der lokale Opener versuchte schon im Vorfeld im offiziellen Ragnarök-Forum die Besucher auf seine Seite zu ziehen, nachdem es im Vorfeld schon viele vernichtende Kritiken gegeben hatte. Ich muss sagen, dass ebenjene schlechte Bewertungen durchaus gerechtfertigt sind. Varg präsentieren mit schlechtem Sound Coverversionen bekannter Lieder von Amon Amarth und Finntroll. Höhepunkt ist noch das Metwettsaufen. Will heißen: Hoch die Hörner und auf die erste richtige Band warten.

 

Gernotshagen

Diese erste richtige Band kommt dann auch in Form von Gernotshagen auf die Bühne, welche mit noch nicht optimalem Sound ihren melodischen Pagan Black Metal zelebrieren. Hightlight des Auftritts ist ohne Frage der Song „Kriegshorn“.

 

Odroerir

Mit den Folkern von Odroerir, die es sich auf ihrem letzten Album „Götterlieder“ zur Aufgabe gemacht haben, die Edda zu vertonen, kommt nun Kontrastprogramm auf die Bühne. Mehr Melodien, mehr akustische Instrumente, mehr Klargesang. Letzteres aber nicht nur von Männern, sondern auch die elfengleiche Stimme der neuen Sängerin Natalie bezaubert die Zuschauer. Während des Auftritts herrscht im ganzen Publikum eine sonderbar magische Atmosphäre. Wenn man einen 500-Mann-und-Frau-Chor „Iring“ singen hört, dann ist Gänsehaut vorprogrammiert. Aber mit „Zur Taverne“ wird auch ordentlich gerockt. Eine phänomenale Dreiviertelstunde.

 

Equilibrium

Ein Blick auf die vor die Bühne stürmenden Massen und mir war trotz Running-Order-Chaos klar, wer jetzt spielt: Equilibrium. Schon beim Line-Check vernimmt man „Helge“-Rufe, bis dann das Intro den Gig einläutet. Vom ersten Riff an befindet sich das Publikum in Ekstase, die Musiker im Rausch (auch wenn man ihnen das nicht wirklich ansieht) und die Fotografen haben große Angst um ihre Kameras. Dass Equilibrium die erste Zugabe des Abends spielen dürfen, ist wohl nicht nur der allerersten Livepräsentation des Bonus-Songs der Turis Fratys-Platte „Shingo Murata“ zuzurechnen, sondern auch dem extrem aktiven Publikum, welches sich in den ersten Reihen die Seele aus dem Leib pogt. Es ist wirklich ein Bild für die Götter die gesamte Meute, schätzungsweise 1000 Personen, zum Partyknaller „Met“ moshen zu sehen – Wow!

 

Korpiklaani

Verschnaufpause? Fehlanzeige. Die Finnen legen gleich voll los mit ihrem schnellen Folk Metal. Ein professioneller Auftritt, bei dem sowohl alte Krache wie „Beer Beer“ und der „Hunting Song“ gespielt werden, aber auch Lieder vom neuen Album wie „Korpiklaani“ zum Besten gegeben werden. Während der ganzen Show herrscht eine angenehme Feier- und Tanzstimmung, die wohl auch durch die gute Abmischung der Instrumente zustande kommt.

 

Primordial

Gerade auf Tour mit den noch folgenden Moonsorrow machen beide Bands auch in Lichtenfels halt, wo sie von einer euphorischen Meute empfangen werden. Primordial zelebrieren ergreifenden Black Metal mit irischer Note. Für mich sind die Schwarzheimer eine der Überraschungen des Festivals. Der Sänger ist einfach eine Macht auf der Bühne und versteht es gut, den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Ich fasse einfach noch einmal den Auftritt in ein paar Worten zusammen: Ergreifend, emotional, drückend, atmosphärisch, glaubwürdig, überzeugend, düster.

 

Moonsorrow

Schon spät in der Nacht dürfen Moonsorrow die Bretter stürmen. Ein beachtlicher Teil des Publikums sieht sich die Show nur noch von den Rängen aus an. Der Sound ist matschig, die Spielfreude nur wenig zu sehen und für die fortgeschrittene Uhrzeit sind die Songs schlicht zu langatmig. So wie mir scheint es vielen zu gehen und die Halle leert sich nach und nach.

 

Samstag:

 

Orlog

Durch den langsamen Einlassverkehr müssen Orlog vor noch relativ lichten Reihen ihr Black Metal-Brett vorführen. Auf CD kommen die Songs alle klarer rüber, man kann die kleinen Feinheiten erkennen. Dies ist live leider nicht der Fall. Trotz allem legt die Truppe um den schmächtigen Sänger Angantyr einen soliden Auftritt ab.

 

Thrudvangar

Eigentlich eine solide Liveband, haben Thrudvangar an diesem Samstag wohl ihren Pechtag erlitten. Der Sound ist einfach nur schrecklich. Mehrere Rückkopplungen pro Lied und das lediglich zu erahnendem Keyboard, welches eigentlich die Melodie bringen soll, machen den Auftritt nicht wirklich zur Freude. Den mittlerweile stark angewachsenen Fankreis scheint dies aber nicht zu stören, dieser gröhlt mit Freude Songs wie „Piraten des Nordens“ mit. Auch einige verheißungsvolle neue Stücke finden den Weg in die Gehörgänge des geneigten Pagan Metallers. Freuen wir uns also auf das neue Album, welches über Einheit Produktionen vertrieben werden soll.

 

Creature

Warum? Warum spielt Creature auf dem Ragnarök Festival? Diese Frage stellen sich noch viele der Besucher und nach dem ersten Kennenlernen der Band wird die Halle immer leerer. Geboten wird heftiger Dunkelkreisch, gepaart mit fast peinlichem Auftreten der Musiker in Corpse-Paint und Nieten-Outfits. Die Musik überzeugt nicht und auch der Giftzwerg am Mikro reißt das Ruder nicht mehr rum.

 

Fallen Yggdrasil

Auf dem ersten Blick genau so fehl am Platze wie Creature, spielen sich Fallen Yggdrasil mit ihrem straighten Death Metal doch noch in die Wikingerherzen. Bestens abgestimmtes Kontrastprogramm zum Mähneschütteln, wenn man dazu überhaupt kommt und nicht dauernd den wie ein Derwisch über die Bühne fegenden Sänger anstarren muss. Nur wissen diesen Auftritt ziemlich wenige Leute zu schätzen.

 

XIV Dark Centuries

Merklich voller wird es, als nun die Thüringer XIV Dark Centuries die Bühne stürmen. Ein solider Gig ohne große Höhepunkte. Alles vorgetragen in rauer Manier und in Gewandungen gehüllt.

 

 

Nomans Land

Der erst zweite Deutschland-Auftritt der Russen, die bei Einheit Produktionen unter Vertrag stehen, entpuppt sich für viele als Überraschung. Nichtkenner der Band waren hellauf begeistert, Kenner eher enttäuscht vom miesen Sound. Das Keyboard ist zu laut und die melodieorientierten Gitarren zu leise. Dazu kommt das nüchterne Stageacting, welches sich auf kurze, in schlechtem Englisch vorgetragene Ansagen beschränkt. Wirklich schade, aber ich hatte nach der grandiosen CD wohl zu viel erwartet.

 

Skyforger

Nach Russland schickt nun Lettland seine heidnischen Recken auf das Feld der Schlacht. Und mit was für einer Wucht Skyforger den Anwesenden ihr perfektes Gemisch aus Folklore und Metal um die Ohren ballert – wow! Mit schöner Bühnenkulisse, glaubwürdiger Gewandung und interessanten Instrumenten (neben Flöten und Dudelsack auch ein mir unbekanntes Saiteninstrument) wissen die Letten das Publikum vollends zu begeistern. Eine dementsprechend lange und abwechslungsreiche Show mit Zugaben wird präsentiert, bis die Musiker am Ende erschöpft und komplett überwältigt die Bühne verlassen. Nicht nur für mich einer der Höhepunkte des Ragnarök Festivals.

 

Menhir

Epischen, deutschen Pagan Metal legen Menhir vor und das Publikum weiß ganz genau, was es von dieser Combo zu erwarten hat. Einen souveränen Auftritt mit den allseits beliebten Songs und als letztes Lied noch den Kracher „Ziuwari“, bei dem die ganze Halle mitzusingen scheint. Professionell aber mit nicht so viel Atmosphäre wie auf den Langspielern wird der Gig heruntergezockt.

 

Turisas

Nach Running-Order-Wechsel spielen die Headliner nun schon früher. Für das Publikum eine außerordentlich sinnvolle Entscheidung, da nach so vielen Bands langsam doch die Konzentration nachlässt. Aber Turisas wecken mit ihrer kraftvollen und perfekt einstudierten Show jeden Recken wieder auf. Es wird getanzt, gepogt, gebangt, die Musiker scherzen und machen Humppa-Spielereien mit Geige und Akkordion (u.a. Reign in Blood, Lambada und die Euro-Melodie) – alles ist eine riesengroße Party. Der glasklare Sound, die ausgelassene Stimmung und natürlich die Musik, welche als Battle Metal beschrieben wird, sorgen dafür, dass Turisas die größte Fanresonanz des gesamten Festivals bekommt. Tausende in die Höhe gereckte Fäuste zu Songs wie „Battle Metal“ oder „One More“. In diesem Sinne: „Wollt ihr ein Geigensolo?“

 

Riger

Nachdem das Tanzbein geschwungen worden ist, darf nun wieder die Nackenmuskulatur beansprucht werden. Riger greifen mit ihren schneidenden Riffs an und erobern die Stadthalle Lichtenfels im Sturm. Der nicht ganz perfekte Sound (Lead-Gitarre etwas zu leise für meinen Geschmack) tut der Stimmung keinen Abbruch und alle feiern Songs wie „Brandschiff“, „Des Blutes Stimme“ und das erhabene „Auf die Ahnen“ mit.

 

Helheim

Nach den letzten beiden Acts kommen nur noch die ganz Harten und die ganz Besoffenen vor die Bühne. Norwegen beendet den Abend und will mit Helheim den atmosphärischen Mid-Tempo Viking Metal nach Deutschland zurückholen. Schon lange sind sie im Geschäft und dementsprechend professionell wird das Set heruntergespielt. Trotz des passenden, rohen Sounds, lassen sich kaum Headbanger ausmachen. Schade, wäre der Beginn des Festival ein bis zwei Stunden früher gewesen, hätten Helheim vor mehr Leuten spielen können und die wegen der Sperrstunde ausgefallenen Black Messiah hätten auch noch spielen dürfen.

 

Wenn ich den Bands also Punkte für ihren Auftritt geben müsste, so wären das folgende:

 

Varg 1/10

Gernotshagen 5/10

Odroerir 8/10

Equilibrium 8/10

Korpiklaani 9/10

Primordial 9/10

Moonsorrow 6/10

-

Orlog 6/10

Thrudvangar 3/10

Creature 1/10

Fallen Yggdrasil 6/10

XIV Dark Centuries 4/10

Nomans Land 5/10

Skyforger 10/10

Menhir 7/10

Turisas 10/10

Riger 7/10

Helheim 6/10

 

Noch ein paar Worte zu einigen Teilbereichen des Festivals:

Halle

Die Stadthalle Lichtenfels verdient für Konzerte in dieser Größenordung das Prädikat „äußerst wertvoll“. In der kleinen Halle finden eine große Menge Merchandise-Stände Platz und auch die Toiletten sind gut zu erreichen. Über zwei Eingänge (einen unten, einen oben) erreicht man in Windeseile die große Halle, in der die Bühne aufgebaut ist. Die Bühne in der Mitte, links und rechts daneben Stände zur Verpflegung. Frontal vor der Bühne ist durch das Mischpult leider nicht so viel Platz, aber man hat eigentlich von überall einen recht guten Blick und auch der Sound ist nicht so arg unterschiedlich an den anderen Ecken der Halle. Ein ganz großes Plus verdienen die Ränge. Direkt hinter der Halle gibt es die Tribünen auf einer angenehmen Höhe. Man kann sitzen, alles sehen und gut durch kommt man auch. Was will man mehr, wenn man eine Band einfach nur genießen will, ohne sich die Birne wegzubangen ?!

 

Organisation

Man muss bedenken, dass Ivo der alleinige Veranstalter ist und alles auf ihn abfällt, doch gibt es noch so einiges zu bemängeln. Der Einlass am Freitag war mehr als chaotisch. Niemand wusste, wo genau jetzt die Schlange für die Schlafhallen-Bändchen und wo die für die Festivalbändchen ist. Die Schlafhalle war zwar eine wunderbare Idee, doch dass am Nachmittag noch der örtliche Kinder-Ringer-Verein dort Training hatte, war nicht ganz so schön. Dann noch die schon erwähnten, ständigen Running-Order-Wechsel und das Ärgernis, dass die Techniker zwei Stunden zu spät kamen. Trotz allem möchte ich hier auch ein Lob an Ivo aussprechen, der sich wirklich die Arbeit gemacht hat, dieses große Festival zu organiseren.

 

Festivalgelände

Vor der Halle gab es einen Parkplatz, der aber bei weitem nicht alle Besucher fassen konnte. Wer zu spät kam, musste weiter weg parken. Gecampt werden konnte illegalerweise direkt neben dem Auto auf dem Parkplatz, obwohl hinter der Halle eine riesige Fußballwiese gewesen wäre. Bäcker, Discounter und Tankstellen sind zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen gewesen, obwohl man diese durch die gute und recht günstige Verpflegung in der Halle selber nicht in Anspruch hätte nehmen müssen. Einzig das Festivalbier stieß vielen bitter auf. „Leikeim“ - das schmeckt so, wie es heißt.

 

Merchandise

Das Festivalshirt zum Ragnarök 3 ist außerordentlich gut gelungen. Dementsprechend schnell war das schwarze Shirt mit Golddruck (vorne Bild aus nordischer Mythologie, hinten alle Bands mit Logo) auch ausverkauft. Nachbestellt werden kann über die Homepage. Aber auch die Merchandise-Stände in der kleinen Halle hatten eine sehr große Auswahl und machten so manchen Besucher arm. Sowohl heidnische Artikel von Mittgard, als auch CDs und Shirts von Grau, Trollzorn, Folter und vielen anderen gab es zu kaufen. Metalius hatten auch ihren eigenen Stand, an dem neben Autogrammstunden auch der Verkauf des offiziellen Programmheftes stattfand. Ein sehr nett aufgemachtes, kleines Heftchen als Festivalbegleitung.

 

Fans

Nach einigen Unterhaltungen mit anderen Besuchern, muss ich meine Meinung, dass wenige Nazis vor Ort waren, wohl revidieren. Ich habe nur wenige Personen, die offensichtlich zum braunen Pack gehörten, wahrgenommen, dafür haben aber andere Bekannte teilweise sehr schmerzvolle Erfahrungen mit den unerwünschten Besuchern gemacht. Berichten nach zu urteilen soll sich die Security auch nicht sonderlich darum gekümmert haben. Da wünsch ich mir für das nächste Mal doch ein härteres Durchgreifen. Ansonsten war das Publikum friedlich und in Feierlaune. Man hat zusammen gequatscht, gesoffen und sich für das nächste Jahr verabredet. So muss das sein. Heiden halten zusammen!

 

Außerdem haben wir eine ganze Menge Fotos geschossen, von denen wir die besten herausgesucht haben, um euch diese gepackt und in Originalgröße zu Verfügung zu stellen. Die Datei ist eine ca. 30 MB große WinAce-Datei (sollte sich mit allen gängigen Entpackprogrammen öffnen lassen): -> zu den Fotos

Ein ganz großes Dankeschön an dieser Stelle an Stefan Thiem, meinen unermüdlichen Fotografen.

 

So bleibt mir als Schlusswort noch zu sagen, dass ich dieses Festival außerordentlich genossen habe und mich auf ein Ragnarök 4 mit den schon bestätigten Bands Sycronomica, Black Messiah und Kromlek freue.

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