Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Rages Elite Zombie Cruise 2018

Delirious und Terrorblade im Rausch der Kanalfahrt

Terrorblade und Delirious sorgen für thrashige Begleitung bei der Schiffstour

Zum Thema

Unbarmherzig brennt die Sonne hernieder und verwandelt das sacht wogende Kanalwasser in eine gleißend silbrig schimmernde Flut, geschäftige Musiker schleppen schweißüberströmt ihre Habseligkeiten über den fest gemauerten Steg, die erste Gäste stehen oben an der Zufahrt zum Schiff und mümmeln in vorfreudiger Erwartung an eisgekühlten Bierflaschen bzw. -dosen, die ersten Fans haben eh schon eingecheckt, sich mit Bier bewaffnet und die raren Sitzplätze auf dem Oberdeck belegt... bis die betriebsame Stille durch ein kräftiges „Pillemann Fotze Arsch“ einen erregten Beigeschmack erhält: Endlich wieder unter normalen Leuten, so sicher die meisten der heutigen Gäste, die mit derlei zotigen Begrüßungen vertraut ebenfalls den Kahn entern, denn die Ragers Elite Zombie Cruise mit den beiden Thrash-Metal-Vollbedienungen Delirious und Terrorblade will schließlich zelebriert werden.

Mit leichter Verspätung legt die Santa Monika III dann ab, wiegt sich mit kaum merkbarem schaukelnden Schlingern schnittig ins Zeug und lässt das geborgene Anschmiegen ans Ufer hinter sich. Die Meute auf Deck derweil kippt eine Runde nach der anderen in den biergierigen Schlund, die späte Frühlingssonne sorgt zumindest bei einem Fahrgast für einen temporären Aussetzer, der das Schiff entlang klettert und sich kurz in Rettungsboot pflanzt – die Kellnerinnen, schon durchaus Metaller-erprobt durch die Metal on Moni-Shows, wirken erst ein bisschen irritiert, schnell ist die Situation aber durch Chef-Organisator Frank geklärt.

Während oben auf dem Deck die Party Zug um Zug unter alkoholisierter Flagge steht, wird unter Deck noch fleißig aufgebaut – die Technik muss stehen, auch wenn die Hitze so schon kaum erträglich ist. Kurze Zeit später eine kurze Ansage, Terrorblade geben den Thrash-ruppigen Auftakt und schaffen es sogar, ein paar Leute nach unten zu locken, nur allein: Nach wenigen Minuten steht man in riesigen, klebrigen Schweißpfützen, die Suppe rinnt literweise und spült jede Maurerritze.

Eigentlich sollte heute ja auch Release einer neuen Split-LP werden, aber das Presswerk braucht länger, den Spaß lässt sich trotzdem keiner verderben, ein Fan setzt auf die Etikette der „Kleiderordnung“ einen dicken Haufen, spielt erst mit seiner Wampe und zieht sich sogar ganz aus – das anschließende Crowdsurfen bietet so tiefgehende Einblicke mit Klötzewarnung. „Anziehen, anziehen“, skandiert Schlagzeuger Fridi und ist nach einer Weile sogar erfolgreich. Neue Songs, alte Thrasheruptionen, ein Striptease und die problemlose Biernachversorgung – da ist der Auftakt beim maritimem Ambiente durchaus geglückt.

Nach einer kurzen Umbaupause und irgendwie weiter gesteigerten Temperaturen sind nun Delirious an der Reihe, die gleich reichlich Bay Area-Luft ins Unterdeck spülen und genauso Schwierigkeiten haben, die Fans bei heiß-schwülen Aussichten nach unten zu locken. Dabei verpasst man reichlich: Zum einen die neuen Songs der Truppe aus Hamm, demnächst ja auf Vinyl, dazu ein Frontmann, der zurecht sich feiern kann, passt er doch nach Jahren wieder in ein XL-Shirt, sicherlich der größte persönliche Gewinn überhaupt. Gleichzeitig aber auch wird spürbar, wie gut der Kerl singen kann, nun auch mit deutlich mehr Puste ausgestattet – da bleibt die Powerfaust nicht lange in der Kapitänstasche, der Blick auf den Hafen in Lünen wird zur Nebensächlichkeit und die zahlreichen KanalrandbesucherInnen mit thrashigen Feinperlen bekehrt.

Nur normale Leute eben, die metallische Kaffeefahrt endet ohne Zwischenfälle – wie zu erwarten – und nicht wenige, die mit einem „könnte man häufiger machen“ vom still ankernden Schiff schwanken. Der Reiz des Besonderen wäre schnell hin, aber auch so wird die Tour auf der Santa Monika III sich als Landmarke im Thrashfirmament eingenistet haben – wenn man schon endlich unter normalen Leuten ist.

comments powered by Disqus

Schritt für Schritt zu einem erfolgreichen Abend

„Singen ist Sport, egal was für einen Stil, da machen wir uns nichts vor...“

Ausverkauftes Café Nord im „Erste-Klasse-Gewalt“-Fieber