Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Pothead im Konzert (Dresden, Dezember 2011)

Pure Rockmusik bringt Saal zum Erbeben

Pothead überzeugen mit purer Rockmusik

Zum Thema

Pothead ist eine Band, von der man getrost behaupten kann, dass sie anders ist, und nicht nur sie, sondern vor allem auch ihre Konzerte.Legten sie schon den umgekehrten Weg vieler Bands hin, nämlich aus Amerika nach Deutschland zu kommen, meiden sie auch alles, was als Effekthascherei ausgelegt werden kann.

Erster Punkt: Sie verzichten auf Vorbands, so auch heute Abend in Dresden. Glücklicherweise spielen Pothead so regelmäßig in der Landeshauptstadt, dass dieser Umstand mittlerweile auch bekannt ist und zu einem pünktlichen Erscheinen zwingt. Fünfzehn Minuten vor Beginn der Show herrscht zwar im Saal des Alten Schlachthofs noch gähnende Leere, doch beim Erklingen des ersten Tons schieben sich auch die letzten Zuschauer in den mittlerweile prall gefüllten Saal. Als diese noch nach einem geeigneten Platz Ausschau halten, werden die drei Berliner mittels Taschenlampe auf die Bühne geführt, und sicher fragt sich mancher an dieser Stelle, ob vielleicht im Dunkeln gespielt wird. Zuzutrauen wäre es ihnen definitiv.

Aber nach dem Opener „Let’s Rock“ wird die Bühnenbeleuchtung doch hochgefahren. Brad begrüßt das Publikum mit einem höflichen „Guten Abend“ und fügt tatsächlich noch hinzu, dass die ersten beiden Songs von ihrem neuen Album „Pottersville“ stammen. Solch ein Redefluss ist bei Pothead allerdings untypisch und bleibt auch für die nächsten gut 90 Minuten die einzige Interaktion mit den Fans. Auf Ansagen wird genauso verzichtet wie auf Posen, die die Zuschauer zum Mitmachen animieren sollen, und trotzdem sind spätestens beim vierten Song „Wild Weed“ alle Banne gebrochen. Es wird mitgesungen, geklatscht und sich seinem Bewegungsdrang hingegeben. 

Bewegung bleibt auf der Bühne allerdings ein Fremdwort; so ist der Gang zum Bier die einzige Aktivität außerhalb des Instrumentenspiels. Dieses effiziente Bühnenverhalten steht  konträr zu ihren rifflastigen, harten Stücken, die immer wieder voranbrechen. Was das Trio anbietet ist purer Stoner-Rock, der oft mit Metalriffs angereichert wird. Die zumeist tiefgestimmte Gitarre und die Bassläufe geben den Songs von Pothead ihren eigenen unverwechselbaren Groove und erfahren durch den variablen Gesang von Brad eine besondere Dynamik. So zum Beispiel bei dem grandiosen „Satisfied“, wo nicht nur Sebastian am Schlagzeug glänzt, sondern Brad in ungeahnte Stimmhöhen schießt. Dies ist auch beiweiten nicht der einzige Song, der durch gelungene Tempoverschiebungen besonders auffällig wird. Die Berliner haben ihren eigenen Sound gefunden und lassen in ihren Darbietungen immer ausreichend Platz für Soloeinlagen. Sicher kommt die Gitarre hier meist vordergründig zur Geltung, doch auch Jeff beweist sich bei „Toxic“ und „You Should Talk“ als Meister der tiefen Töne.

Die Berliner spielen sich durch 20 Jahre Bandgeschichte, bei der Songs wie „I’m A Sinner“ oder „Rock Child“ nicht fehlen dürfen. Aus den Zuschauerreihen werden immer wieder neue Lieder nach vorn geschrieen, diese dort aber geflissentlich ignoriert, denn irgendwann ist auch ein jedes Konzert zu Ende und mit „Black War“ ist es auch hier so weit. Pothead können mit diesem eindringlichen Titel nochmals punkten und verschwinden mit einem höflichen „Danke“ nach zwei Stunden Spielzeit von der Bühne.

Mit einem „Prost“ wird die Zugabe eröffnet, bei der Brad auf das neue Backdrop hinweist und sich dafür bei einem Dresdner bedankt. „EZ1“ folgt und natürlich ein Song, der auf keinem ihrer Konzerte fehlen darf: „Indian Song“. Es wird sich vor dem Publikum verbeugt und diese Verbeugung kommt völlig zurecht, denn dieses feiert auch weiterhin die Protagonisten des Abends. Gute fünf Minuten Dauerapplaus, schreien, pfeifen und trampeln folgen und ernten dann endlich auch den gewünschten Erfolg. Das Trio kehrt zurück auf die Bühne und Sebastian und Brad spielen zur Begrüßung gemeinschaftlich auf dem Schlagzeug, was wiederum den nächsten Begeisterungsschub auslöst - der scheint sich schon längst auf die Bühne übertragen zu haben. Brad bedankt sich, sichtlich gerührt und überschwänglich für den Abend. Es folgen noch zwei weitere Titel und nach 2,5 Stunden ist nun der Punkt des Scheidens gekommen.

Kein Einheizer, keine Ansagen noch Aufforderungen zum Mitmachen, ausgiebige Bewegungen und Posen gibt es nicht - dies alles ist mittlerweile ungewohnt und würde ein langweiliges Konzert vermuten lassen. Doch die tobende Menschenmenge im Saal zeigt, dass es nicht so ist, und zu gerne würde man noch weitere 3 Stunden hier bleiben und die Band genießen. Pothead sind der beste Beweis, dass zum Glück immer noch die Musik das Wichtigste ist und darin sind sie verdammt gut. Pure, gut gespielte Rockmusik reichen eben doch noch, um einen Saal zum Erbeben zu bringen. 

Setlist:

Let’s Rock
Stand
Sea Beggar
Wild Weed
Satisfied
You Should Talk
Stadium
Rock Child
Leg Bone
I’m a Sinner Too
Funkenbus
Never Want It
Fire
Toxic
Could Not Deal
Desiccated Soup
Remember
Ugly Duckling
Saul
Rude 
Chess
Appreciate
Black War

Me Own Shadow
EZ 1
Pun’kin Patch
Indian Song

Constantinople
Atomic
Rocket Boy

comments powered by Disqus

Absolut fantastischer Konzertabend, der kaum überboten werden kann