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Party.San Open Air 2006

Zum Thema

„Wachse Rübchen, wachse…“ so oder so ähnlich heißt es in einem weitläufig bekannten Märchen. Und das trifft auch auf das Party San Open Air im Thüringischen Bad Berka zu. Von Jahr zu Jahr pilgern mehr Anhänger extremer Klänge in den kleinen, beschaulichen Ort und feiern dort alle gemeinsam eines der besten Open Airs dieser Größenordnung.

Augenzeugen zufolge wurden bereits am Dienstag die ersten Anreisenden gesichtet. Wer will es den Partyhungrigen verdenken, zumal auch dieses Jahr der Anteil ausländischer Besucher wieder zugelegt hat. Habe ich jedenfalls so empfunden.

 

Im Jahr 2005 haben wir unser Zelt fast am Rande des Campingareals aufgeschlagen. Nach uns kamen höchstens noch 3 Reihen. In diesem Jahr war nicht mehr viel Platz bis zum eigentlich gut entfernten Waldrand. Ich schätze mal grob, dass 1.000 Fans mehr als im letzten Jahr zum Party San gepilgert sind. Es scheint, dass der ein oder andere keinen Bock mehr hat auf die großen Festivals und lieber den kleineren den Vorzug gibt. Es ist doch entspannend, muss man nicht von einer Bühne zur anderen hetzen oder verpasst sogar noch ne coole Band, weil irgendwo eine andere spielt, die man auch gerne sehen will. Denn beim Party San gibt es immer nur eine Bühne. Egal ob am Donnerstag und Sonntag früh (Zeltbühne) oder aber die große Hauptbühne.

 

Trotz des regen Besucherstromes ging die Organisation im Großen und Ganzen reibungslos über die Bühne. Zwar gab es wieder die üblichen Verzögerungen beim mittäglichen Einlass auf das Festivalgelände, doch der Mensch ist je ein Gewöhnungstier. Und warum mit Traditionen brechen?

 

 

Was mir im Zusammenhang mit dem Party San immer schon auf den Zeiger ging, das war das Thema Nazis bzw. rechtes Gedankengut. Klar find ich es gut, wenn der Veranstalter schon im Vorfeld darauf hinweist, dass solche Leute nicht erwünscht sind. Und ich find es auch richtig, dass bestimmte Personen vom Gelände geschmissen werden, weil sie einfach nichts kapieren. Doch hier und da ein ganzes Festival madig zu machen oder sich permanent zu beschweren, geht mir wie gesagt gegen den Strich. Der Vorteil auf dem Party San ist doch, dass NS-Black Metaller oder ähnliches ohne Probleme zu erkennen sind, wenn sie Shirt´s ihrer „Lieblingsbands“ tragen oder deren Mucke hören. Da kann dann gegen vorgegangen werden. Aber was schätzt ihr Meckerer und Schwätzer denn, wie viele Kaputte z.B. auf dem Rock am Ring oder ähnlichen Pussyfestivals rumlaufen, ohne dass man die erkennt? In meinen Augen und nach Erfahrungen von Bekannten ist der Anteil dort deutlich höher. Also übertreibt bitte nicht immer in irgendwelchen Internetforen oder sonstigen Nachschlagewerken. Das Problem will ich nicht verniedlichen, keineswegs. Doch bleibt bei eurer Kritik gegenüber dem Veranstalter fair.

 

Ein mehr als sympathischer Punkt sind natürlich die Preise auf dem Party San. Zeigt mir irgendeine Großveranstaltung, die mit solchen Preisen mithalten kann: 0,4 l Bier = 2,00 Euro. Zum selben Preis und darunter gab es die nichtalkoholischen Getränke. Na und beim Essen war zwischen 1,00 Euro für ein paar Pommes und 3,50 Euro für allerlei Gesottenes und Gebratenes alles dabei. Wer sich da beschwert, dem ist nicht mehr zu helfen…

 

Der in meinen Augen einzige große Kritikpunkt am diesjährigen Party San ist das Konzept mit den Zeltkonzerten am Donnerstag. Ok, all die Jahre hat das sicherlich ohne Probleme funktioniert. Aber anhand der immer größer werdenden Menschenmengen sollte dieses Konzept einfach noch mal überdacht werden. Bei Helrunar zum Beispiel war das Zelt knüppeldick voll, so dass es kein Durchkommen irgendeiner Art gab. Danach machte ich den Fehler und wollte mir auf der rechten Seite des Zeltes etwas zu trinken holen, doch ich hatte nicht mit der Masse an Menschen gerechnet, die nach dem Konzi ebenfalls das „kühle Nass“ aufsuchen wollten. Wie Sardinen in einer Büchse standen alle Durstigen nachher. Nicht gerade entspannend oder?

Vorne am Eingang wurden dann sogar die Kontrollen eingestellt, weil man die Massen der einströmenden Fans nicht mehr überblicken konnte.

Bisher fand ich den Donnerstag immer recht entspannend zur Vorbereitung auf die Vollbedienung an den restlichen Tagen. Dieses Jahr war der Abend extrem stressig. Sollte man wie eingangs gesagt überdenken die Geschichte mit dem einleitenden Abend oder irgendwie anders organisieren.

 

Donnerstag – Zeltbühne

Die ersten eigenhändig gespielten Töne des Festivals kamen von der noch relativ unbekannten deutschen Truppe Eroded, die mit ihrem schwedisch angehauchten Death Metal so einiges reißen konnten. Klar kam ihnen auch zugute, dass sie die erste Band des Festivals waren und die Anwesenden endlich Bock auf gitarrenlastige Beatmusik hatten. So gab es während des Intros schon lauthals Jubel und Klatschorgien. Als die Band dann noch anmerkte, dass sie aus dem Ruhrpott kommen würden, gab es extra frenetischen Beifall. Wo die Mucke noch sehr überzeugend war, mussten die Zuschauer beim Stageacting doch Abstriche machen. Wirkte alles etwas steif. Aber ok, wer kann es einer jungen Band verübeln, die vielleicht noch nie vor einer so großen Menschenmasse gespielt hat. Ich denke mal, dass ein Demo und eine 7-Inch nicht die einzigen Tonträger sein werden, die man von Eroded zu hören bekommt. Da steckt Potential hinter.

 

Bei den folgenden Helrunar platze dann das Zelt aus allen Nähten. Mir scheint, dass sich die Band mit dem letzten Album „Frostnacht“ eine ansehnliche Fangemeinde erspielt hat. Meinereiner zählt sich dazu, denn ihr Mix aus teils rasendem, teils verhaltenem Black Metal mit obergeilen Melodien hat es mir doch arg angetan. Es waren definitiv nicht wenige, die Texte wie „Frostnacht“, „Älter als das Kreuz“ oder auch „Dreifach Dorn“ mitgegröhlt haben. Ältere Songs wurden natürlich auch zum Besten gegeben, doch damit war der ein oder andere eher weniger vertraut.

Die Fans fraßen dem Sangeskünstler gleich von Beginn an aus der Hand und kamen jeglicher Aufforderung zum mitmachen gehorsam nach. Und da auch schon wie bei der Vorband soundtechnisch keine Wünsche offen blieben, konnte das nur zu einem Triumphzug für Helrunar werden.

Was besonders lässig kam, dass war, dass sich der Sänger bis auf Bangattacken kaum bewegt hat, jedoch die flankierenden Fronten aus Bass und Gitarre was fürs Auge geboten haben. Ein Konzept, dass auf dem Party San jedenfalls funktioniert hat. Ich für meinen Teil zähle die Stunden bis zum neuen Album.

 

Bei Hate musste ich im Vorfeld des Festivals wissenstechnisch passen. Untergekommen ist mir der Bandname definitiv schon, doch hätte ich auch nicht gedacht, dass die polnischen Knüppler bereits 15 Jahre auf dem Buckel haben. Na ja, wieder was gelernt.

Geboten wurde sauber gespielter Death Metal, teils rasend schnell, teils mit richtig fetten Grooves durchzogen. Klingt zu Beginn wie eine krude Mischung, funktioniert live aber richtig gut. Zwar verlassen nach Helrunar nicht wenige Zuhörer das Zelt, doch es sind immer noch genug da, um von „richtig schön voll“ sprechen zu können. Leider habe ich die Band vorher noch nie gesehen und kann damit keine Vergleiche anstellen, ob sie nun einen guten oder schlechten Tag erwischt haben in punkto Spielfreude und Bewegungsdrang. Doch wie jeder andere gehe ich mal davon aus, dass sie sich vor so vielen Leuten mächtig ins Zeug legten. So wird es alles in allem ein solides Death Metal Feuerwerk ohne extrem große Highlights aber auch ohne Durchhänger.

 

Die Nordmannen Watain trieb es als nächstes auf die Bühne. Bis zur Tour als Support von Dissection 2004 war diese Band wohl nur den im Underground stöbernden Black Metallern bekannt. Doch aufgrund vieler ausverkaufter Hallen im Rahmen der angesprochenen Tour verbreitete sich der Bandname mehr als zügig. Aber wie dem auch sei, Watain polterten ihren Old School Black Metal punktgenau und präzise in die anwesenden Massen. Den Die-Hard-Fans stand die Freude im Gesicht, der Rest verzog sich in die hintere Hallenhälfte oder nach draußen. Ob man das Gerumpel der Truppe nun mag oder nicht, eine anständige Performance haben sie auf alle Fälle zustande gebracht. Mir persönlich wurde es auf die Dauer zu viel.

 

Auch wenn manchen Nasen noch kein Ton der Band ans Ohr gedrungen ist (soll ja vereinzelt vorkommen), den Namen Master haben doch schon irgendwie alle einmal vernommen. Kein Kunststück, gehören Speckmann und Co. zu den wenigen Bands, die den Death Metal ans Tageslicht gefördert und von Beginn an auf diesen Sound gesetzt haben. Klar sind die Glanzzeiten der Band schon vorbei, doch liefern sie heute immer noch annehmbare Scheiben und vor allem geile Liveshows ab. Ich habe jedenfalls keinen gesehen, der sich auf irgendeine Weise über den Headlinergig beschwert hat. Souverän und mit viel Spielfreude in den Backen wurden sowohl alte Kracher als auch neue Kompositionen feilgeboten. Begleitend dazu eine amtliche Präsenz, von der sich viele junge Bands eine große Scheibe abschneiden können. Mir gefällt jedenfalls Masters Cocktail aus Death Metal und Thrash Metal noch immer und dieser strapazierte ein ums andere Mal meine Nackenmuskulatur. Ein würdiger Abschluss einer starken Auftaktnacht.

 

Und Helrunar wünsche ich mir nächstes Jahr auf die Hauptbühne…

 

Freitag – Hauptbühne

Auf Killing Spree war ich schon extrem neugierig, hatte ich in der jüngeren Vergangenheit doch schon viel Gutes über die Band aus Cottbus gelesen und gehört. Also Augen und Ohren aufgesperrt und kräftig mitgebangt.

Die Band hat natürlich damit zu kämpfen, dass sie die erste Band dieses Nachmittags sind und bei vielen der Kater noch ordentlich im Gebälk brummt. Trotzdem geben sie mucketechnisch Vollgas und überzeugen den überwiegenden Teil der Anwesenden mit ihrem Stilgebräu aus knallender Härte und atmosphärischen Passagen. Dass sie dabei das Keyboard geschickt in ihren Sound einbauen, ist ein großes Plus. So wirkt das Gesamtgebilde nicht verwässert oder zu synthiüberladen. In punkto Bewegungsradius hätte aber für meinen Geschmack die ein oder andere Schippe draufgelegt werden können. Trotzdem nicht zum Wegschauen geeignet. Interessante Band.

 

„Rest in peace“ heißt es für Kaamos nach dieser Show in Bad Berka. Wo auch immer die Gründe liegen…Fakt ist jedoch, dass sich die Schweden nach diesem Gig aus dem Musikzirkus zurückziehen. Jedenfalls als Kaamos und in dieser Bandkonstellation. Darum waren wohl auch nicht wenige Nasen anwesend, als es hieß, der Truppe die letzte Ehre zu erweisen. Alles an Highlights der Bandkarriere wurde verbraten. Zur Spielfreude muss man wohl wenig sagen…die Herren legten sich zum Finale mächtig ins Zeug. Todesblei-Metal, der keinen Nacken unberührt lassen sollte und 99% der Geländegänger zumindest zum vorsichtigen Kopfnicken animierte. Mal schauen, ob die Band bei ihrer Auflösung bleibt, nachdem die Akteure in die Augen so vieler zufriedener Gesichter geschaut haben.

 

Ein gepflegtes Ohrenwegsprengkommando gefällig? Dann sollten Severe Torture mehr als geeignet für den Job sein. Hier wird das erste Mal im Rahmen des diesjährigen Party San geholzt bis kein Baum mehr steht. Oberbrutaler Death Metal mit Cannibalen/Morbid Angel-Schlagseite ist angesagt. Hauptaugenmerk legen die Holländer dabei auf ihr letztes Werk „Fall Of The Despise“, was ja auch noch nicht viele Monate auf dem Buckel hat. Und siehe da…gerade bei den neuen Stücken macht sich doch hin und wieder ein gebremster Part breit und verleiht dem restlichen Material noch viel mehr Druck. Außerdem laden gerade diese Passagen zum fetten Bangen ein. Schade nur, dass der Funke so insgesamt nicht auf das Publikum überspringen will. Von einem leeren Bühnenvorplatz kann keiner sprechen, doch die richtige Stimmung können Severe Torture nicht rauskitzeln. Die Mucke zündet in einem kleinen Club eher denke ich.

 

Fall Of Serenity können einem im Vorfeld ihrer Show wirklich leid tun, haben sie doch die unmenschliche Aufgabe, für den ausgefallenen Gig von Dew-Scented zu entschädigen. Aufgrund von Besetzungsproblemen konnte die deutsche Death/Thrash-Institution leider nicht in Bad Berka antreten. Man sieht wirklich viele enttäuschte Gesichter auf dem gesamten Gelände. Aber was soll’s, so was kann bei einem Festival dieser Größenordnung immer mal passieren und schließlich sind Fall Of Serenity kein unbeschriebenes Blatt. Jedenfalls habe ich das Gefühl, die Band will vom ersten Ton an den Beweis antreten, dass sich der Veranstalter nicht getäuscht haben soll, als er sie kurzfristig als Ersatz verpflichtet hat. Ihr schwedisch angehauchter Death Metal moderner Ausrichtung prügelt sich verdammt tight und auf den Punkt aus den Boxen. Keine Zeit für zuckersüße Refrains oder allzu versöhnliche Melodien. Hier regiert die hässliche Fratze tiefgestimmter Gitarren. Die Jungs können den Gig sicherlich als gelungen abhacken, obwohl die extrem überschwänglichen Reaktionen ausgeblieben sind. Aber wen wundert es, wenn man wie gesagt eine so populäre Band wie Dew-Scented ersetzen muss. Da kann man sich schon über die in die Höhe gestreckten Fäuste einiger anwesender Fans freuen.

 

Des einen Leid ist ja bekanntermaßen des anderen Freud. Fall Of Serenity durften durch die Absage von Dew –Scented auf dem Party San spielen und Deströyer 666 sind ein Platz im Billing nach oben gerutscht. Und das nutzen sie gnadenlos aus und feuern eine Vernichtungssalve nach der anderen in Richtung hungriger Meute. Hier ist wohl eine der Bands, auf die viele Festivalbesucher gewartet haben. Ich werte dass mal so, denn das Areal füllt sich zusehends. Thrash alter Schule in Verbindung mit ein bisschen Death und einem Schuss Black, so lässt sich ihr Soundcocktail gut beschreiben. Damit eint die Band alles an Sound, für was das Party San steht. Die beste Voraussetzung also, um einen mehr als ehrwürdigen Gig abzureißen. Gestreckte Arme, Pommesgabeln und geballte Fäuste so weit das Auge reicht. Dazu ihm Ohr hitverdächtige Melodien…es ging definitiv nicht besser. Für mich eines der Highlights, wenn nicht sogar das ultimative Highlight des gesamten Wochenendes. Schade schade, dass die Truppe ihre hiesigen Fans nicht gerade üppig mit Konzerten eindeckt. Da müssen wir uns wohl wieder etwas gedulden, bis wir diese geile Truppe wieder sehen. Na ja, was macht man nicht alles…

 

Mit Turisas verhält es sich meiner Meinung nach so ähnlich wie mit Watain. Auch hier kam der Band eine fette Tour (Support von Die Apokalyptischen Reiter) als Sprungbrett gerade richtig. Ihr selbsternannter „Battle Metal“ ist auch relativ leicht verdaulich, tut nicht weh und ist mit der ein oder anderen schönen Melodie versehen. So sehen es wohl auch die meisten anwesenden Gestalten. Reaktionen von gereckten Armen bis zur vollkommenen Ablehnung. Ich selber bin mir nicht schlüssig, wie ich den Gig finden soll. Fakt ist jedoch, dass mir die Band in einem kleinen Club wesentlich besser gefallen hat als auf der großen Festivalbühne. Zugute kommt der Band ohne Frage, dass ihr Mix aus Black Metal mit viel Keyboard und folkloristischen Einlagen derzeit sehr angesagt ist, so dass sie sich im Groben nicht über die Publikumsreaktionen beschweren können.

 

Ok, ich gebe zu, dass ich mit Nifelheim überhaupt nichts anfangen kann. Ihr räudiger Old School Black Metal ist absolut nicht meine Baustelle, weil sich das irgendwie nach permanentem Krach anhört. Trotzdem hat es die Combo zu einem Kultstatus gebracht, den auch ich neidlos anerkenne muss. Na wie auch immer. Auf alle Fälle habe ich versucht, mir die Show vom Beginn an bis zum Ende anzusehen, um irgendwie was Sympathisches zu entdecken. Pustekuchen…für mich war das nix. Ich habe die Segel gestrichen und bin Richtung Bierzelt dem Krach entflohen. Zwar ließen die vorderen Reihen vor der Bühne doch die ein oder andere größere Lücke, so manchen Schwarzmetaller öffneten die Krawallbrüder jedoch das Herz.

 

Die nachfolgenden Cryptopsy standen ganz oben auf meiner „Will ich unbedingt sehen“-Liste. Nicht weil ich ein riesiger Fan von denen bin, dass wirklich nicht, sondern weil diese technische Perfektion einfach nur atemberaubend ist. Die Kanadier machten von Anfang an keine Anstalten, irgendwelche Gefangenen machen zu wollen. Knall auf Fall brach ein Riffgewitter nach dem anderen aus den Boxen und hinterließ bei nicht wenigen Anwesenden ein ehrfürchtiges Schweigen. Selbst viele Musiker der anderen Bands pilgerten vor die Bühne, um sich die technischen Kapriolen von Cryptopsy anzusehen. Nein, auch nach dieser wirklich großartigen Show werde ich kein Fan ihrer Mucke. Dafür ist mir ihr technischer Death Metal zu vertrackt und schwer verdaulich. Doch mein Respekt gegenüber dem technischen Können jedes einzelnen Musikers ist noch mehr gewachsen.

 

Obwohl aufgrund der Uhrzeit nicht wenige geneigte Hörer anwesend waren, stießen Enslaved nicht auf ungeteilten Support. Gerade bei der Truppe reichen die Reaktionen von totaler Begeisterung bis hin zu völliger Ablehnung. Letztgenannte aber auch von Leuten, mit verdammt alten Shirtmotiven der Band. Einigen sind Enslaved einfach zu „poppig“ und zu progressiv geworden. Und gerade weil die Band beim Gig den Schwerpunkt auf die letzten beiden Alben „Isa“ und „Ruun“ legt, nehmen Fans der ersten Stunden Abstand. Trotz allem können die restlichen Anwesenden eine verdammt emotionale Show miterleben, die vor dichter Atmosphäre nur so sprüht. Besonders in punkto Gesang schaffen es die Norweger, so manchem eine Gänsehaut zu verpassen. Nein, ist schon richtig, man muss als „alter“ Fan die neuen Einflüsse von Enslaved nicht mögen aber live passt ihr Konzept und beschert kurzweilige 45 min.

 

Als bekannt wurde, dass Kataklysm hier in Bad Berka die Show für eine DVD aufzeichnen wollen, war die Freude über den bevorstehenden Gig natürlich perfekt. Man kann sich ja an allen zehn Fingern abzählen, dass sich die Band dann extra motiviert ins Zeug legen würde. Und genau so war es dann auch. Begleitet von einer wahnsinnig geilen Lichtshow rackerten sich die Kanadier von einem Hit zum anderen. Gerade dank der letzten beiden Alben mangelt es ja im Hause Kataklysm nicht an Ohrwürmern, die jeder Fan lautstark mitbrüllen kann. „Slither“, „In The Arms Of Devastation“ und „Crippled And Broken“ waren bei diesem Gig die absoluten Oberkracher. Natürlich gab es einen kleinen Abriss der gesamten Bandhistory, jedoch bleiben 45 min. halt nur eine Dreiviertelstunde. Auch mit gutem Zureden und Streicheln wird nicht mehr Zeit daraus. Trotzdem nutzen Kataklysm jede Sekunde davon und vertrödelten nicht all zu viel Zeit mit Ansagen. Gut so, denn sonst wäre es sicherlich nicht so ein fantastischer Gig geworden, den der eigentliche Headliner Hypocrisy erst mal toppen musste.

 

Ich sag mal so…Hypocrisy sind einfach eine Macht und Herr T. hat mittlerweile so viele Oberklassesongs geschrieben, dass an eine Best Of… gar nicht zu denken ist (ok ok, es gab ja schon mal eine). So war es auch nicht verwunderlich, dass die Setlist kaum Überraschungen parat hatte. Es war mehr ein Routinegig für die Schweden mit altbewährtem Material. Vielleicht haben sie in ihrer 15-jährigen Karriere schon zu viele Menschenmassen gesehen, die ihnen beim Gig vor den Füßen lagen. Oder der ein oder andere Tropfen Alkohol hatte schon zugeschlagen und seine Wirkung getan. Na wie dem auch sei, spieltechnisch und die Wahl der Songs für die Setlist ließen wie angedeutet keine Wünsche offen. Was mir ein bisschen gefehlt hat war die eigentliche Bühnenpräsenz alle Beteiligten. Nicht falsch verstehen, der Gig war weit davon entfernt, als schlecht bezeichnet werden zu können, doch der letzte Kick hat irgendwie gefehlt. Dass es im Set Probleme mit dem Schlagzeug gab, sei hier nur am Rande erwähnt. So was kommt vor.

 

Samstag – Hauptbühne

Passend zur strahlenden Sonne und der guten Laune, gab es heute in den Umbaupausen jeweils neues Material von den Apokalyptischen Reitern zu hören. Die beste Werbeplattform dafür oder? Jedenfalls sieht man doch einige in den Umbaupausen, die die Matte kreisen lassen und schon jetzt das neue Album willkommen heißen.

 

Hätte ich nicht schon auf dem Protzen Open Air einen Gig von Akrival mitverfolgen können, würde ich wohl wie viele andere auch keinen blassen Schimmer haben, wer oder was mich da erwartet. Doch schon nach ein paar Minuten war klar, die Berliner haben sich dem pechschwarzen, rasenden Black Metal verschrieben. Und für die erste Band des Tages war es nicht gerade leer am Bühnenrand. Was erstaunlich ist, dass Akrival eine recht bewegungsfreudige Liveshow darboten, was bei so einer vertrackten Mucke wohl nicht an der Tagesordnung ist. Ich attestiere der Band, dass sie doch hier und da einen Fan dazu gewinnen konnten, obwohl insgesamt die Reaktionen verhalten blieben. Aber wen wunderte es mit Blick auf die Uhr. Bleibt zu hoffen, dass es alsbald einen Nachfolger zum Debütalbum aus dem Jahr 2004 geben wird und das sich ein Label findet, welches das Teil dann in die Läden wuchtet.

 

Krasser hätte der Bruch nicht sein können. Nach dem rasenden Inferno von Akrival kam jetzt mit Mourning Beloveth die wohl langsamste Kapelle des gesamten Billings. Doom/Death mit teilweise klarem Gesang war angesagt. Vielleicht hat es daran gelegen, dass die Band mit einer solchen atmosphärischen Soundwand schlechte Karten bei strahlendem Sonnenschein hat. Oder aber daran, dass einem die cleanen Vocals ab und zu einen Schauer über den Rücken jagten. Klang doch manchmal arg schräg die Angelegenheit. Alles in allem waren die Reaktionen auf die Truppe nämlich eher dürftig. Ich will es mal abschließend so beschreiben: die Band hat sicherlich ihren Reiz, doch den haben die meisten Anwesenden im Rahmen des Party San nicht gefunden.

 

Zum ersten Mal ist mir der Bandname Rompeprop untergekommen, als im Berliner Cudgel-Laden ein paar Pullover der Band ausgepackt wurden. Man attestierte mir da, dass das eine absolute geile Combo sei, die schon so was wie Kultstatus besitzt. Dementsprechend neugierig war ich auf den Gig, weil ich vorher noch kein Stück Tonkunst von denen gehört habe. Aber da scheine ich wohl einer von wenigen zu sein, stürmen doch massenweise Fans Richtung Bühne als der Gig dann endlich losgeht. Um die Ohren wurde mir dann Goregrind mit spaßigen Texten gehauen. Das alles veredelt mit durch Digi-Technik heruntergepitchten Gesang. Oberamtlich rülpsend also. Es gab Sprechchöre mit dem Bandnamen, es gab Crowdsurfer, Songs über den Schwanz eines Pelikans und andere spaßige Geschichten. Die Massen waren aus dem Häuschen und beseelt vom aufgereihten Unfug. Nervig war, dass jeder Song langatmig angekündigt und der Sinn des Textes erläutert wurde. Ich für meinen Teil bin jetzt kein Fan solcher Klänge und meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. Klar war es spaßig, doch die Mucke war eher 08/15-Kram. Auf der Hauptbühne fand ich die Band falsch platziert. Hunderte andere waren da wohl gegenteiliger Meinung.

 

 

Der Weltreisefinger rutschte dann Richtung Finnland und Rotten Sound aus dem Land der tausend Seen rutschten auf die Bühne. Grindcore meets Brutal Death Metal, so will ich mal die Mucke von Rotten Sound umschreiben. Vielleicht passt das ja. Das alles verpackt in eine agile Performance. Was will man mehr? Vielleicht noch mehr Begeisterung und noch mehr Fans, die ihre Fäuste nach oben recken. Ok, die ersten 15-20 m vor der Bühne nehmen den Gig dankbar auf. Doch danach wird’s still. Aber das tut der Spielfreude von Rotten Sound keinen Abbruch und sie graben sich entspannt durch ihr Set. Und siehe da, zum Ende sind es schon einige mehr, die sich der Begeisterung für die Band anschließen. Jeden Zuhörer ehrlich erspielt…das trifft heute bei Rotten Sound auf alle Fälle zu. Runde Sache, schönes Geknüppel.

 

Watt? Du hast Desaster noch nie live gesehen? Ab in die Ecke und schämen. Ob man nun ein Fan ihres Sounds ist oder nicht sei mal dahingestellt. Was diese Band aber hat ist Ausstrahlung und Esprit auf der Bühne. Die Bewegungen der Musiker und ihr permanentes unterwegs sein auf der Bühne reißt einfach mit. Und wie lässt sich Begeisterung besser feststellen, als den Song verklingen zu lassen und dann zu sehen, die das Publikum reagiert. Selbige Reaktionen sind nicht von schlechten Eltern. Die Routine der Band bei Livegigs wurde einem deutlich klar, als das Publikum kurzerhand eingespannt wurde für eine Kunstpause, weil dem Gitarristen die Gitarre verstummt ist.

Ich kann anhand dessen nur den Hut ziehen und meine Begeisterung durch die paar Zeilen zum Ausdruck bringen. Und wer eingangs dachte, dass ich nicht unbedingt auf die Mucke von Desaster abfahre, der hat sich da doch etwas getäuscht. Ihr Bastard aus Black- und Thrash Metal ist genau meine Kragenweite.

 

Wie schon bei Rotten Sound wird das Publikum auch bei Setherial erst langsam warm. Doch im weiteren Verlauf feiern die vielen anwesenden Metal-Freaks die Band mehr als amtlich ab. Ihren Status haben sich Setherial durch ihre jahrelange Beständigkeit mehr als redlich erspielt. Umso schöner für die Band, bei einem so großen Festival die Massen begeistern zu können. Das merkt man der Band auch an, geben die doch von Anfang an Vollgas. Definitiv schön mit anzusehen, obwohl mir das Material der Schweden nicht sehr geläufig ist. Trotzdem…Daumen nach oben.

 

Um über Thyrfing objektiv berichten zu können, will ich meine allgemeine Begeisterung für die Band für einen Augenblick in den Hintergrund schieben. Doch das ist gar nicht so leicht, ziehen die Schweden nicht nur mich mit ihren Vking Metal mehr als in ihren Bann. Hymnische Melodien treffen mal auf getragene, mal auf groovende Passagen. Das ganze optimal visuell umgesetzt von der ganzen Mannschaft. Was will man mehr? Nichts. Das dachten sich auch die zahlreichen Fans vor der Bühne, die jeden Song gnadenlos abgefeiert haben. Jedes Riff und jeder Break saß punktgenau und wurde in fast schon lässiger Form über die Massen gestreut. Ich war und bin gegeistert. Punkt.

 

So wie ich Rompeprop deplaziert im heutigen Billing fand, so fand ich Illdisposed deplaziert auf dem gesamten Festival. Warum kann ich eigentlich nicht so richtig beschreiben. Mag vielleicht daran liegen, dass ich der Truppe eine gewisse Trendreiterei vorwerfe mit ihren letzten beiden Alben. Oder auch, weil der permanente Death-Groove in den Songs irgendwann eher langweilt als Arsch tritt. Mir jedenfalls hat der Auftritt absolut nichts gegeben und bei einer Menge Bands war deutlich mehr los vor der Bühne.

 

Das schwedische Todesschiff Naglfar kann eigentlich nichts verkehrt machen. Theoretisch müssen sich die Herren nur auf die Bühne stellen und ihre endgeilen Songkreationen irgendwo zwischen Black- und Death Metal einen nach dem anderen runterzocken. Und das taten sie auch. Quer durch den Gemüsegarten wurde dort gewildert. Von „Vittra“ bis zum aktuellen Output wurde jedes Album gestreift. Für mich war es das erste Mal, dass ich Naglfar ohne ihren alten Sänger gesehen habe. Meine Meinung darüber ist gespalten denke ich. Der neuen Frontfigur fehlt einfach die Ausstrahlung, die der alte Sänger definitiv besessen hat. Außerdem hatte er live die bessere Röhre, obwohl man auf Platte nur minimale Qualitätsunterschiede vernehmen kann. Trotz allem leben ja die Songs weiter, und die wurden von der hungrigen Meute mehr als dankend aufgenommen. Trotz kleinerer Schwächen haben sich die Schweden ihren hinteren Billingplatz redlich verdient.

 

Bei Marduk muss ich leider passen, da man auf Festivals tausende von Bekannte trifft und man Unmengen an alkoholische Getränke vernichtet. Diese fordern ihren Tribut in Form von Toilettenbenutzung und weiteren Aktivitäten. Als ich dann nach Umwegen über den Bierstand wieder zu meinem Stammplatz zurückkehrte, haben die Schwarzheimer gerade zusammengepackt. Augenzeugenberichten zufolge soll es wohl ganz amtlich gewesen sein, was die Schweden da verzapft haben.

 

Tja und dann war auch schon die Geisterstunde herangerückt und Six Feet Under platzierten sich auf der Bühne, angestarrt und angefeuert von tausenden Fans. Geboten wurde das volle Programm Death Metal wie in Six Feet Under nun schon über Jahre kultiviert haben. Auffällig ist, dass zum überwiegenden Teil die jüngeren Fans nach den Salven der Amis abfeierten, wohingegen sich der „ältere“ Mob eher zurückzog oder sich kopfschüttelnd abwandte. Ich denke, dass Six Feet Under die letzten Jahre einfach zuviel Präsenz in unseren Breitengraden hatten. Man bedenke, dass sie auch schon wieder als Headliner der X-Mass-Festival-Tour durch unsere Landen ziehen werden. Und irgendwann ist auch mal genug. Erst recht, wenn der letzte Meilenstein in Form von „Maximum Violence“ schon sehr lange her ist. So gab es dann von SFU nur unbedenklich Stangenware. Zwar mit vielen kleinen Perlen, die sie im Laufe ihrer Karriere angesammelt haben, doch auch ohne wirkliche Aha-Effekte. Solide, doch von einem Headliner des Party San erwarte ich einfach mehr. Auch für SFU sind solche Massen vor der Bühne kein alltäglicher Anblick nehme ich an. Da kann man sich ruhig mal ein bisschen mehr ins Zeug legen. Für mich einer der lauwärmsten Auftritte des gesamten Festivals.

 

Sonntag (früh) – Zeltbühne

Was Six Feet Under nicht geschafft haben, erledigen Tankard spielend. Die „Rausschmeißer“ des Festivals mobilisieren noch mal alle Kraftreserven und kicken so manchen Headbanger vollends aus den Stiefeln und rein ins Zelt/Auto/Nirvana. Und mit witzigen und markigen Sprüchen schaffte es Sänger Gerre ein ums andere Mal, die mit reichlich Alk getränkte Meute zum abfeiern und mitsingen zu animieren. Schöner kann man einfach den gelobten Gerstensaft nicht besingen. Herrlich mit anzusehen, wie eine Band hübschen Thrash zockt, sich dabei aber nicht biederernst nimmt.

 

Fazit: Trotz des manchmal anstrengenden Wetters und der permanenten Frage, ob ich nun einen Pullover oder doch ne kurze Hose anziehe, war das Wochenende in Bad Berka mal wieder eine Reise wert und eine sympathische Angelegenheit. Dazu das fette Billing und eine reichhaltige Auswahl an Ständen, wo man sein sauer verdientes Geld zu annehmbaren Preisen loswerden konnte. Ein bisschen nervig waren die permanenten Aussetzer der Technik am Samstag aber was soll’s. Davon geht die Welt nicht unter. Auch wenn sich der ein oder andere Musiker maßlos darüber aufgeregt hat.

 

Ich für meinen Teil freue mich auf Bad Berka im Jahr 2007, wenn das Party San wieder seine Tore öffnet. Mal schauen, wie viele dann den Weg dorthin finden. Bestimmt wieder etliche Leutz mehr…

 

Für nette Pläuschchen bedanke ich mich bei Mario (Veranstalter Protzen Open Air), Lay Down Rotten, Sadistic Brainslaughter, Fall Of Serenity, Fuchs (Die Apokalyptischen Reiter)

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