Achtung: In deinem Browser ist JavaScript entweder nicht installiert oder deaktiviert. Einige Funktionen dieser Seite stehen daher leider für dich nicht zur Verfügung.

Pain Of Salvation und Port Noir im Konzert (Hamburg, März 2017)

Furioser Deutschlandauftakt der aktuellen Tour

Pain Of Salvation

Nach etwa 25 Minuten Pause kommt gegen 21:15 Uhr dann endlich der Hauptact auf die Bühne und wird sofort frenetisch empfangen. Andere Locations auf der Tour sollen bereits ausverkauft sein, in Hamburg trifft das keineswegs zu. Die Kapazität ist bei weitem nicht ausgereizt (doch immerhin kann man sich so locker bewegen), der Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch. Es ist fast schon erstaunlich, wie begeistert das Publikum sich zeigt, wo man der Crowd von progressiven Bands doch gerne mal Lahmarschigkeit vorwirft. Aber Pain Of Salvation sind eben eine derart emotionale Gruppe, da muss man sofort mitgerissen werden.

Der Start in Form von „Full Throttle Tribe“ ist ebenfalls nicht unbedingt so zu erwarten gewesen, so wird den Fans aber gleich kräftig eingeheizt. Gerade in diesem Stück treten stark polyrhythmische Elemente in den Vordergrund, so wie Gitarre und Schlagzeug versetzt nebeneinander spielen, und doch ist es problemlos möglich, richtig die Sau rauszulassen und alles zu geben, da der Refrain eingängig und die Grundstimmung größtenteils äußerst aggressiv, bissig und schweißtreibend daherkommt.

Insofern ein ungewöhnlicher, aber gut gewählter Eröffnungstrack und für das folgende „Reasons“ gilt ähnliches – auch hier geben sich Eingängigkeit und Komplexität die Klinke in die Hand. Bereits beim dritten Song „Meaningless“ ist die Intensität dann ganz weit oben, der wundervolle Refrain wird leidenschaftlich mitgesungen und die Stimmung ist so granatenmäßig, dass man glauben könnte, der Laden sei ausverkauft. Natürlich überträgt sich dies auch auf die Band, der man Lust und Spielfreude anmerkt; der nicht vorhandene Fotograben und der brillante, differenzierte Sound haben selbstverständlich ebenfalls einen großen Anteil an diesem Geben und Nehmen zwischen Band und Publikum.

Daniel Gildenlöw sieht denn auch richtig glücklich aus und grinst wie ein Honigkuchenpferd. Er ist sichtlich gut gelaunt und wie immer supersympathisch, pickt sich auch einzelne Leute aus der Zuschauermenge und fragt zum Beispiel eine Frau weiter hinten, warum diese denn sitzen würde. „Ja, ich kann dich sehen“, bestätigt er mit einem verschmitzten Lächeln – aber ist natürlich alles nicht ernst gemeint. Wenn Dave Mustaine zum Beispiel sich Leute aus dem Publikum ausguckt, dann meistens, um sie zu beleidigen, bei Gildenlöw hingegen hat man einfach das Gefühl, dass ihm jeder einzelne wichtig ist und er einfach will, dass jeder seinen Spaß hat.

Vor „Linoleum“ verlangt er, dass alle so laut schreien sollen, „als wäre es der letzte Schrei eures Lebens“ und als es danach „zurück ins Jahr 2002“ geht, kann er wieder jemanden im Publikum ausmachen, der anscheinend ein „Remedy Lane“-Shirt trägt. Offensichtlich bevorzugen die Jungs es auf dieser Tour, ihre Alben in Blockform zu präsentieren, denn mit dem furiosen Triple „A Trace Of Blood“ / „Rope Ends“ / „Beyond The Pale“ werden wiederum gleich drei Songs jenes Überwerkes auf einmal abgegrast.

„Ashes“ ist dann allerdings der weiteste Trip in die Vergangenheit, denn „Entropia“ und „One Hour By The Concrete Lake“ finden keine Berücksichtigung (ebenso wenig wie „Be“ und „Scarsick“), stattdessen findet man wieder zur aktuellen Platte zurück, und beim ruhigen „Silent Gold“ zeigt sich, dass dieses Publikum tatsächlich – wie wohltuend – auch einfach mal still sein und in Ruhe zuhören kann. Als jemand dabei einen leeren Bierbecher fallen lässt, darf er sich jedenfalls gleich mehrere „Shhh“ von anderen Leuten anhören – sicherlich nicht ganz ernst gemeint, aber trotzdem zeigen solche Reaktionen, dass den meisten klar ist, dass es hier eben um mehr geht als nur Partymachen.

Die Zugabe, die alsbald nach dem vorläufigen Abschluss „The Physics Of Gridlock“ erfolgt (die Zuschauer brüllen die Band in völlig losgelöster Begeisterung zurück), besteht aus lediglich einem Stück, doch dafür ist die Titelnummer von „In The Passing Light Of Day“ immerhin eine stolze Viertelstunde lang. Das Licht ist komplett gedimmt und Daniel – man glaubt es kaum – greift beim Intro des Stückes völlig daneben und fragt anschließend den Techniker, ob er die Scheinwerfer nicht doch zumindest ein bisschen hochfährt, denn er könne wirklich gar nichts erkennen. Danach beginnt er den Song von Neuem.

Diese nochmals hochintensive Komposition ist das letzte von ganzen sechs Stücken, die von der neuen Scheibe gespielt werden, was zeigt, wie stolz die Truppe zurecht auf dieses Album ist. Nach rund einer und einer Dreiviertelstunde ist Feierabend und schon jetzt ist dieser Abend ein klarer Kandidat für das Konzert des Jahres. Diese Band ist live einfach ein Erlebnis: Leidenschaft trifft auf sagenhaftes musikalisches Können (allein wenn alle fünf Bandmitglieder zusammen singen, ist das ein Fest für die Ohren) und ein paar textliche Unsicherheiten seitens Gildenlöw, wo er sich hörbar ein bisschen durchmogelt, können diesen Eindruck gewiss nicht trüben. Ein besonderes Lob soll an dieser Stelle außerdem an Ragnar Zolberg gehen. Damals war es geradezu schockierend als der einzigartige Johan Hallgren ausstieg, doch mit dem Isländer (der inzwischen ja auch schon wieder fünf Jahre dabei ist) hat der POS-Chefstratege wirklich exzellenten Ersatz gefunden, was man kaum für möglich gehalten hätte. Einfach nur großartig!  

Setlist:

Full Throttle Tribe
Reasons
Meaningless
Linoleum
A Trace Of Blood
Rope Ends
Beyond The Pale
Ashes
Silent Gold
On A Tuesday
The Physics Of Gridlock
------------------------------
The Passing Light Of Day

Seite
  • 1
  • 2
comments powered by Disqus

Der Erstlingsroman des Musikers kann sich sehen lassen

Werkschau einer der größten und einflussreichsten Rockbands aller Zeiten

Wie mit einer Ex-Freundin