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Pain Of Salvation, Cryptex im Konzert (Hamburg, März 2012)

Auch im neuen Line-Up bleiben die Schweden live eine Macht

Pain Of Salvation überzeugten auch im neuen Line-Up

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Pain Of Salvation

Etwa eine halbe Stunde später betritt dann der Headliner die Bretter. Das Schlagzeug ist diesmal auf der rechten Seite aufgebaut worden, was auch mal ganz nett ist; so kann man Léo Margarit beim Zocken mal ein bisschen auf die Finger gucken. Leider ist der Laden – wie schon vor anderthalb Jahren – längst nicht ausverkauft, hinten klaffen doch eine ganze Menge Lücken. Man fragt sich wirklich, wie so etwas sein kann; Pain Of Salvation gibt es nun schon sehr lange – die „Road Salt“-Werke sind die Studioalben sieben und acht –, die Band klingt zu hundert Prozent eigenständig, wird von den Kritikern fast durch die Bank gelobt, besitzt einen der besten Frontmänner der Szene, und trotzdem ist ihr immer noch nicht die Anerkennung zuteil geworden, die sie verdient hätte. Oder liegt es daran, dass viele keinen Bock auf das Konzert hatten, weil zwei langjährige Mitglieder jetzt nicht mehr dabei sind?

Wie dem auch sei, glücklicherweise schaffen die anwesenden Nasen es trotzdem, eine tolle Stimmung zu erzeugen, sicherlich auch bedingt dadurch, dass es heute Abend – im Gegensatz zum Konzert im Oktober 2010 – keinen Fotograben gibt, die Distanz zwischen Band und Publikum somit aufgehoben ist. Und falls irgendjemand Bedenken gehabt haben sollte, dass der neue Mann an der Gitarre, auf den der Fokus natürlich besonders gerichtet ist, irgendwelche Schwierigkeiten haben sollte, dürften diese in Nullkommanichts weggewischt sein, denn der junge Isländer zockt so souverän, als wäre schon jahrelang Mitglied der Gruppe. Auch singt er ganz hervorragend, doch neben den Fähigkeiten an der Klampfe war eine gute Stimme natürlich Bedingung für den Job; man weiß, dass es bei POS-Stücken jede Menge Parts mit Harmonie- und Hintergrundgesang gibt. Tatsächlich singen auch alle fünf Mitglieder, was auch nicht unbedingt Standard ist, aber nur umso beeindruckender wirkt.

Die Schweden starten mit „Softly She Cries“ in das Set – genau wie schon im Dezember im Vorprogramm von Opeth, und genau wie damals folgt darauf der Klassiker „Ashes“. Der Song ist anscheinend kaum aus dem Programm wegzudenken, allerdings warum auch? Diese großartige Nummer dürfen sie gerne bei jedem ihrer Konzerte spielen. Der Sound ist absolut im grünen Bereich, nicht zu laut und nicht zu leise, und so steht einem wundervollen Konzerterlebnis nichts im Wege. Daniel Gildenlöw, der nicht nur ein sagenhaft talentierter Musiker, sondern überdies auch ein charmanter und witziger Entertainer ist, hält sich diesmal mit Quatsch-erzählen und überhaupt mit Ansagen erstaunlich zurück – eigentlich seltsam; im letzten Dezember noch hatte er, angesichts der Tatsache, dass man nur unwürdige 35 Minuten Spielzeit zugesprochen bekommen hatte, viel zu viel gelabert, und heute, wo man den Headliner-Slot innehat, kommuniziert er für seine Verhältnisse doch eher wenig mit dem Publikum.

Beim an dritter Stelle stehenden „Linoleum“ allerdings wird, wie anscheinend jedes Mal bei der Performance dieses Stückes, nach dem ersten Akkord kurz ausgesetzt, da sich hier eine besonders gute Gelegenheit bietet, die Schreifähigkeiten des Publikums auszutesten. Und als einige seiner Aufforderung, die Hände in die Höhe zu heben, nicht nachkommen, lässt sich Gildenlöw die Chance nicht entgehen, diese Außenseiter persönlich zur Räson zu rufen. Das macht er wie immer mit einem sympathischen Lächeln und dem ihm eigenen Charme – man muss diesen Kerl einfach mögen.

Dass er ansonsten nicht so viel redet, macht auch nichts, bei dieser Gruppe spricht die Musik ohnehin für sich – Gänsehautmomente gibt es auch heute wieder noch und nöcher. Allein die beiden wahnsinnig ergreifenden Balladen „1979“ und „To The Shoreline“ jagen einem Schauer über den Rücken, genauso „Iter Impius“ vom „BE“-Album (schon als die ersten Töne auf dem Klavier erklingen, brandet Jubel auf) oder das überaus grandiose „Chain Sling“, dessen dramatisch-melancholischer Charakter einen immer wieder fast zu Tränen rührt. Was die Vielseitigkeit der Schweden ebenfalls in aller Deutlichkeit unterstreicht, ist zum Beispiel die Tatsache, dass auf das verfrickelte „Stress“ vom Debütalbum „Entropia“ (quasi Pain Of Salvations „Dance Of Eternity“, nur mit Gesang) die nachdenkliche, extrem ruhig startende Nummer „Kingdom Of Loss“ folgt, dies allerdings völlig nahtlos und unaufgesetzt. Hier entledigt sich Daniel seiner Gitarre und bewaffnet sich lediglich mit einem kabellosen Mikrofon (wie übrigens auch bei „Iter Impius“), wobei er sich meist im Hintergrund singend aufhält und seinen Mitmusikern das Rampenlicht überlässt.

Beim anschließenden „Healing Now“ hat die Band dann ein besonderes Bonbon parat: Auf archaisch anmutenden Lauten und Mandolinen (auch der Bass, den Gustaf Hielm hier bedient, ist, wenngleich elektrisch verstärkt, von exotischem Aussehen) wird das Stück dargeboten, lediglich Léo Margarit bleibt hinter seinem Kit sitzen. Dadurch ist das Schlagzeug nun etwas zu laut, denn dagegen können diese Instrumente nicht anstinken, aber sei’s drum: Bei den Fans kommt so eine Aktion natürlich gut an und wird mit entsprechend enthusiastischem Applaus gewürdigt. Hier kann Gildenlöw außerdem wieder für einen Grinser sorgen: „Now it’s time for you to come closer to the stage… well, not you in the front row of course – you’re doing just fine…“

„No Way“ wird danach bereits als letzter Track angekündigt, aber selbstverständlich kommt das Quintett noch einmal auf die Bühne zurück, um vier Zugaben zum Besten zu geben. Gleich die erste davon beinhaltet den nächsten netten Gimmick, den sich die Combo überlegt hat. Zur Performance des Kiss-Songs „She“ werden die Instrumente munter durchgetauscht; Hielm übernimmt eine der beiden Klampfen, Keyboarder Karlsson schnappt sich den Bass und Daniel Gildenlöw himself setzt sich ans Schlagzeug. Einzig Ragnar Zolberg bleibt bei seiner Gitarre, darf aber dafür nun die Lead Vocals übernehmen – wenn er denn schon ein Kiss-Shirt trägt – und kann seine Qualitäten als Sänger so richtig demonstrieren. Drummer Léo hingegen hat kurz Pause und erscheint erst beim zweiten Encore „Enter Rain“ wieder (noch so ein Gänsehautstück, bei dem einem Schauer über den Rücken laufen – ein wunderschönes Lied), wo natürlich alle wieder zu ihren ursprünglichen Instrumenten zurückkehren und Daniel Gildenlöw zwischen Akustik- und einer coolen, bundlosen Gitarre, die er auch schon zu Beginn des Konzertes spielte, wechselt.

Mit „The Physics Of Gridlock“, bei dem es im Publikum noch einmal ordentlich abgeht, und einer erneuten Gänsehautnummer („Sisters“; ein ungewöhnlich ruhiger Schluss) wird ein erstklassiger zweistündiger Auftritt beendet. Pain Of Salvation sind live einfach immer zuverlässig, man kann sich kaum vorstellen, dass die jemals einen schlechten Gig hinlegen. Die Setlist war sehr gut ausgewogen und bot einen Querschnitt durch das gesamte Schaffen, logischerweise mit etwas mehr Fokus auf das neue Material. Gerne hätte es etwas mehr von „Remedy Lane“ sein dürfen und „One Hour At The Concrete Lake“ fand wieder einmal gar keine Beachtung, aber wirklich beschweren darf sich eigentlich niemand. Ragnar Zolberg hat sich ebenso brillant geschlagen wie Rückkehrer Gustaf Hielm und Keyboarder Daniel Karlsson – Gildenlöw und Co. können also sorglos in die Zukunft blicken.

Setlist:

  • Road Salt Theme (Intro)
  • Softly She Cries
  • Ashes
  • Linoleum
  • The Deeper Cut
  • 1979
  • To The Shoreline
  • Iter Impius
  • Chain Sling
  • The Perfect Element
  • Stress
  • Kingdom Of Loss
  • Healing Now
  • No Way
  • ----------------------------
  • She (Kiss-Cover)
  • Enter Rain
  • The Physics Of Gridlock
  • Sisters
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