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Pain Of Salvation, Cryptex im Konzert (Hamburg, März 2012)

Auch im neuen Line-Up bleiben die Schweden live eine Macht

Cryptex waren ein guter Anheizer

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In letzter Zeit mussten Pain Of Salvation einige herbe Verluste einstecken, denn mit Keyboarder Fredrik Hermansson und Gitarrist Johan Hallgren verließen 2011 gleich zwei langjährige Mitglieder die Band, was für so manchen Fan einen ziemlich großen Schock darstellte. Für Mastermind Daniel Gildenlöw ist dies aber kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken: Mit dem erst 25-jährigen Talent Ragnar Zolberg wurde die vakante Position an der zweiten Gitarre wieder ausgefüllt, während Daniel Karlsson, der 2011, als man im Vorprogramm von Opeth durch die Weltgeschichte tingelte, noch den Bass bediente, an die Tasten überwechselte. Den Tieftöner schnallte sich dafür Gustaf Hielm um, der Anfang der Neunziger schon einmal bei den Prog-Metallern zockte und als weitere Referenz eine dreijährige Mitgliedschaft bei Meshuggah (1998 bis 2011) vorweisen kann. Man durfte gespannt sein, wie dieses neue Line-Up im Zusammenspiel funktionieren würde, zunächst aber tritt noch das Hannoveraner Trio Cryptex auf den Plan, das seine Aufgabe als Anheizer bravourös erfüllen sollte.

Cryptex

Es ist doch noch sehr überschaubar in der Markthalle, als die drei Jungs um kurz nach acht Uhr die Bühne betreten. Auffällig ist, dass man zunächst ohne Bassgitarre agiert; es gibt einen Gitarristen und einen Drummer sowie Frontmann Simon Moskon, der zunächst hinter dem von den Zuschauern aus gesehen rechts platzierten Keyboard Platz nimmt und erst gegen Ende des Gigs zum Tieftöner greifen wird. Vorher kommen die Bassspuren vom Band oder werden von Moskon mit den Füßen gespielt – das ist zumindest für den Redakteur nicht ganz erkennbar. Egal, fest steht so oder so schnell, dass der Typ eine absolute Stimmungskanone ist und mit seiner erfrischenden und witzigen Art die Zuschauer ganz schnell auf seiner Seite hat. 

In den ersten Minuten gibt es massive Probleme mit dem Licht; als die Band schon angefangen hat zu spielen, ist es noch zappenduster auf der Bühne, doch solche kleinen Pannen nimmt man mit dem nötigen Humor und grinst sich einen. Für das Energiebündel an Keyboards und Gesang ist dies ein erster Anlass, Sprüche zu reißen, doch im Verlaufe des Auftritts wird er erst so richtig aus sich herausgehen. So springt er während des dritten Songs „Dance Of The Strange Folk“ zwischendurch einfach mal von seinem Keyboardhocker auf, rennt in die Mitte, um dort eine selbstironische kleine Bauchtanzeinlage aufzuführen und Led Zeppelins Klassiker „Whole Lotta Love“ zu zitieren - äußerst cool gemacht und für die Zuschauer natürlich ein Grund mehr zu applaudieren. Der Stil der Band selbst ist übrigens schwer einzuordnen, einige Nummern gehen durchaus als Hard Rock durch, hier und da taucht aber auch mal eine Ballade auf, andere Tracks wirken tänzerisch – irgendwie ist alles dabei, und manchmal mag das ein wenig unzusammenhängend wirken, aber nichtsdestotrotz gehen die meisten Stücke gut ins Ohr und Spaß macht die Truppe in jedem Fall. Immerhin unterstreicht es die Vielseitigkeit des Trios.

Mitsing- und -klatschspielchen und Aufforderungen, möglichst laut zu schreien, sind natürlich weit davon entfernt, originell zu sein, aber es ist eben immer die Frage, wie man so etwas macht. Und Simon Moskon hat einfach eine unglaubliche Ausstrahlung, und das ist schließlich das Entscheidende, was einen guten Frontmann ausmacht. Für viel Heiterkeit sorgt es dann auch, als er mit den Worten „I’ll try my best“ ein Didgeridoo auspackt, das für ihn wie ein „Elefantenfurz“ klingt, und von den Leuten verlangt, sie sollen ganz laut „Buh!“ rufen, einfach, damit man als Musiker auf der Bühne mal spürt, wie sich das so anfühlt. Auch an der Mundharmonika fühlt er sich heimisch, wie ein exzellentes Harpsolo bei dem Song „It’s Mine“ beweist.

Der Blondschopf ist also ganz klar Mittelpunkt des Geschehens, aber seine Mitmusiker sollen hier natürlich keineswegs unerwähnt bleiben: Als Gitarrist Martin Linke, der sich ansonsten größtenteils darauf beschränkt, seine stattliche Matte kreisen zu lassen, zwischendurch ein kleines Xylophon, Sansula genannt, auspackt, vor das Mikro hält und so verstärkt zum Klingen bringt, kann sich ein Großteil der Anwesenden das Lachen nicht verkneifen – das sieht einfach zum Schießen niedlich aus. Auch Drummer Ramon Fleig (von Simon bei der abschließenden Bandvorstellung als „das best aussehende Mitglied“ bezeichnet) wechselt in der Mitte des Sets von der Schießbude ans Cajon, wo er dann für einige Songs verweilt – überhaupt ist der Mittelteil des Konzerts ruhiger gehalten, erst am Ende, wo Moskon sich schließlich den Bass umschnallt, wird wieder ordentlich gerockt.

Das standardmäßige „Ooohhh!“, als die Herren ankündigen, das letzte Lied zu spielen, ist natürlich, wie in solchen Fällen üblich (gerade wenn da vorne so ein Witzbold und Sprücheklopfer steht bzw. sitzt), seitens der Zuschauer mit gespielter Traurigkeit vorgetragen, aber fraglos hat den Fans der Auftritt sehr gut gefallen, denn wie auch Simon Moskon zwischendurch festgestellt hat, ist es im Lauf der Performance deutlich voller geworden und die Leute haben von Song zu Song stärker applaudiert. Eine äußerst kurzweilige Dreiviertelstunde.

Setlist:

Intro
Hicksville, Habitus And Itchy Feet
Freeride
Dance Of The Strange Folk
Camden Town
Alois
It´s Mine
Romper Stomper
Photosy
Gypsy´s Lullaby
Most Lovable Monster
Grief And Despair
Leviathan
Outro

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